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30.08.2002 - 

Gemeinsame Sache mit Worldcom?

AOL steht unter dem Verdacht der Bilanzfälschung

MÜNCHEN (CW) - Gegen 15 Führungskräfte von America Online (AOL) ermittelt die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Geprüft wird, ob sich Manager wie AOL-Gründer Steve Case und der amtierende Vorstandschef Richard Parsons durch illegale Aktientransaktionen bereichert haben. Durch Wertpapierverkäufe zwischen Februar und Juni 2001 sollen die Unternehmenslenker bis zu 500 Millionen Dollar verdient haben.

AOL, die Internet-Sparte von AOL Time Warner, hatte zu Beginn des vergangenen Jahres immer wieder sehr optimistische und auch ehrgeizige Umsatz- und Gewinnprognosen für das Unternehmen abgegeben. Folge: Noch im Mai 2001 stand der Wert des AOL-Papiers bei 56,60 Dollar. Heute liegt der Kurs nur noch bei 14,10 Dollar. Jetzt ist die SEC auf den Plan getreten und untersucht, ob AOL-Manager durch Bilanztricks den Aktienkurs in die Höhe getrieben und sich dann durch Verkäufe bereichert haben.

Steve Case hat durch die, wie die "Financial Times" es ausdrückt, "auffällig positiven Unternehmensmeldungen" und den daraus resultierenden Aktienwertsteigerungen rund 100 Millionen Dollar verbuchen können. Parsons konnte immerhin 21 Millionen Dollar auf sein Privatkonto schaufeln. Der im Juli 2002 zurückgetretene Chief Operating Officer (COO) Robert Pittmann durfte sich über 66 Millionen Dollar Zugewinn freuen. Und Ted Turner, der große Anteile an AOL besitzt, frischte sein Konto durch den Verkauf von AOL-Papieren um 177 Millionen Dollar auf.

Umsatz künstlich aufgebläht

AOL Time Warner musste derweil eingestehen, dass der Umsatz der Tochterfirma in der Zeit vom Herbst 2000 bis diesen Sommer möglicherweise künstlich in die Höhe getrieben worden ist: 49 Millionen Dollar könnten danach unkorrekt als Einnahmen verbucht worden sein.

Die SEC will die Diskrepanz zwischen Aussagen von Case und dem tatsächlichen Wirtschaftsverlauf der Firma prüfen. Case hatte gesagt, das Unternehmen werde im Jahr 2001 einen Umsatzsprung von zwölf Prozent realisieren, zudem würde das Ebitda-Ergebnis (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) um 30 Prozent anwachsen. Die Realität sah anders aus: Im September 2001 musste AOL eine Gewinnwarnung veröffentlichen.

Die inkriminierten 49 Millionen Dollar, um die der AOL-Umsatz aufgebläht worden zu sein scheint, stammen nach neuen Informationen anscheinend größtenteils aus Falschbuchungen durch Geschäfte mit dem bankrotten US-Carrier Worldcom. AOL und Worldcom sollen demnach rechtswidrige Geschäfte vereinbart haben. Wie die "Washington Post" berichtet, kaufte AOL von der Worldcom-Tochter Uunet Netzkapazitäten für das Internet. Im Gegenzug habe Worldcom bei AOL Werbebanner gebucht, deren Wert angeblich 200 Millionen Dollar betragen haben soll. Derlei Geschäfte sind dann illegal, wenn sie miteinander gekoppelt sind. Die SEC versucht jetzt zu belegen, dass hier nicht zwei getrennte Geschäfte vorlagen.

Das fragwürdige Gebaren soll erst nach der Fusion zwischen AOL und Time Warner geschlossen worden sein. Aus diesem Grund wird nun spekuliert, dass der Online-Dienstleister mit Geschäften dieser Art versucht habe, die optimistischen Umsatz- und Gewinnprognosen vor dem Merger um jeden Preis zu erfüllen. Die fragwürdigen Machenschaften kamen ans Tageslicht, als US-amerikanische Manager die Richtigkeit der Unternehmensbilanzen beeiden mussten. (jm)