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10.07.2006

Apache erleichtert die Web-Entwicklung

Philippe Hennes 
Entwicklungswerkzeuge für Web-Anwendungen und eine stärkere Ausrichtung auf Business-Themen standen im Mittelpunkt der ApacheCon Europe 2006 in Dublin.

Die von der Apache Software Foundation (ASF) und dem Software und Support Verlag organisierte Konferenz widmet sich jährlich den in der ASF beheimateten Softwareprojekten. Hinzu kommen einige der Foundation nahe stehende Open-Source-Projekte wie PHP. Ein Schwerpunkt der Konferenz in Dublin waren die Business-Tracks. Hier ging es weniger um technische Inhalte als um philosophische, rechtliche und Marketing-bezogene Fragen. Diskutiert wurde auch die Zukunft der Community. Insgesamt stellte sich die Open-Source-Gemeinde aus dem Apache-Umfeld wesentlich Business-orientierter dar als in den letzten Jahren.

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Zur ApacheCon 2006 (26. bis 30. Juni) in Dublin kamen rund 300 Teilnehmer. Damit hielt sich die Veranstaltung auf dem Niveau der letztjährigen ApacheCon in Stuttgart. Den eigentlichen Sessions gingen am Montag und Dienstag Tutorials zu verschiedenen Themen rund um die in der ASF beheimateten Projekte voraus. Ausführlich behandelt wurden Themen wie MyFaces, Apache-Modul-Entwicklung, XSLT, Maven oder Portlet-Entwicklung. Darüber hinaus gab es Tutorials zu den Themen Proxy und Load Balancing für den Apache-Webserver, OSGI, PHP, Sicherheit und anderen.

Ubuntu erfolgreich

Zu den Highlights der ApacheCon gehörte die Eröffnungsrede von Mark Shuttleworth. Der Gründer der Ubuntu Stiftung, die die gleichnamige Linux-Distribution entwickelt, hat es in den letzten Jahren geschafft, das System erfolgreich auf dem Desktop zu verbreiten. Er gab Tipps, was sich andere Open-Source-Projekte von dieser Entwicklung abschauen können. Seiner Ansicht nach hat Ubuntu dies vor allem der einfachen Integration von bestehender Hardware, vor allem aber auch dem Design und der Benutzerfreundlichkeit zu verdanken. "Das ist in dieser Form noch nicht bei allen Open-Source-Entwicklungen gegeben", so Shuttleworth.

Dieser Eindruck wurde durch eine erstmalig angesetzte "Sponsored Keynote Session" verstärkt, in der Robert Burke von Microsoft das Open-Source-Toolkit "Atlas" und seine Integration in ASP.NET präsentierte. Microsoft stellte Atlas im Juni dieses Jahres unter die Shared-Source-Lizenz, die ASL-konform ist (ASL = Apache Software Licence). Für den Softwarekonzern ist die Veranstaltung interessant, weil sich unter den Teilnehmern viele IT-Entscheider befinden; ein echtes Interesse an der Open-Source-Community nimmt dem Unternehmen bisher niemand ab. Der Vortrag war gut besucht, was aber wohl vor allem daran lag, dass zu diesem Zeitpunkt keine anderen Sessions gehalten wurden.

Unter den Teilnehmern gingen die Meinungen zum Engagement Microsofts stark auseinander. Während Apache-Mitgründer Lars Eilebrecht die Teilnahme begrüßte, betrachteten viele Entwickler den Auftritt mit gemischten Gefühlen. Sie fürchten, der Konzern könne in der Open-Source-Gemeinde wildern und sich in die Community einkaufen. Hier schlägt das negative Image von Microsoft in der Community durch. Der Hersteller muss noch hart daran arbeiten, in dieser Szene einen besseren Stand zu bekommen. Dies wird nur durch weitere Veröffentlichungen im Open-Source-Bereich gelingen.

MyFaces, Tobago, Tomahawk

In mehr als 60 Sessions deckten die Referenten der ApacheCon eine breite Themenpalette ab: Angefangen bei Performance Tuning für die Web/Application Server Apache und Jakarta Tomcat über neue und ältere Web-Server-Module wie mod_rewrite, mod_perl und mod_proxy_balancer bis hin zu Softwareentwicklungs-orientierten Themen wie MyFaces, Tobago, Tomahawk, Ajax, Rest und OSGI/Felix.

Gut besucht waren vor allem die Sessions zu "MyFaces". Dabei handelt es sich um die Apache-eigene Implementierung von Java Server Faces (JSF). Dieses Komponenten-Framework macht das Erstellen von Web-Applikationen besonders einfach, da der Entwickler sich nicht mit Sprachen wie HTML, CSS oder Javascript auseinander setzen muss. Das erledigen die fertigen Komponenten für ihn.

Ajax-Integration

Neben einer Einführungsveranstaltung zu MyFaces erläuterten Matthias Wessendorf, Martin Marinschek und Bernd Bohmann in einer zweiten Session die Integration von Ajax in MyFaces und präsentierten neue Komponenten, die Ajax nutzen. Hier kamen vor allem die MyFaces-Subprojekte "Tobago" und "Tomahawk" zum Zuge, die fertig gelayoutete Komponenten beinhalten. Dazu gehören unter anderem einfache Eingabefelder, die abhängig von der Eingabe Vorschläge für das vollständige Wort machen (Input Suggest), aber auch per Ajax wechselnde Tabs und aufwändige Tabellen mit Sortierfunktionen, ferner die Aktualisierung der Inhalte und Paging-Funktionen. Tobago verließ Anfang des Jahres den Apache Incubator. Hier werden Projekte, die neu zur ASF kommen, auf rechtliche, technische und Community-Anforderungen getestet. Erst wenn alle Vorgaben der ASF erfüllt sind, kann das Projekt den Incubator verlassen.

OSGI

Im Incubator befindet sich mit Felix ein weiteres viel versprechendes Projekt. Felix implementiert das Release 4 der OSGI-Spezifikationen. Eben dieses Vorhaben findet breiten Anklang in der Community und der Industrie. Felix, respektive OSGI, soll es ermöglichen, nahezu jede Java-Applikation sicher und standardisiert miteinander zu vernetzen. Ebenso ist vorgesehen, Applikationen während des Betriebes zu installieren, zu deinstallieren oder upzudaten. Mit dieser Technik hat die Industrie einen Entwurf für eine definierte Schnittstelle zur Außenwelt geschaffen, die ein breites Feld an Einsatzmöglichkeiten verspricht. Die Liste der an der OSGI-Allianz beteiligten Firmen hinterlässt einen guten Eindruck: Nokia, BMW, Motorola, Siemens, IBM, NTT, Intel und zirka 30 weitere aus Branchen wie Telekommunikation, Automotive und Informationstechnologie.

Projekt "Roller"

Ein weiteres interessantes Projekt ist "Roller", das von Dave Johnson ins Leben gerufen wurde und lange bei Sun Microsystems beheimatet war. Inzwischen befindet es sich im Incubator der ASF. Die in Java programmierte Blog-Engine gehört zu den weltweit verbreitetsten Blog-Applikationen. Die entwicklereigene Seite "jroller.com" hostet über 100000 Blogs, vornehmlich von Entwicklern für Entwickler, ohne größere Probleme. Roller unterstützt alle üblichen Techniken, die sich auch bei anderen Blogs finden.

Blog-Engine mit Java

Zudem bietet Roller besondere Features für Entwickler und Nutzer, die Roller selber aufsetzen, beispielsweise Theme Handling, um das Aussehen der Seite zu ändern. Ferner können über Plugins weitere Features genutzt werden, darunter Captcha-Authentifizierung. Dabei handelt es sich um eine kleine, von Schrifterkennungssoftware nicht auslesbare Grafik, mit deren Hilfe sichergestellt wird, dass der Autor ein Mensch und keine Maschine ist.

Die Java-Basis von Roller bringt dabei nicht nur Vorteile: Sie limitier t die Anzahl der ISPs, bei denen Roller gehostet werden kann. Daraus ergibt sich etwa im Vergleich zu "Wordpress" eine kleinere Entwicklergemeinde. Weil die objektrelationale Mapping-Technik "Hibernate" nicht kompatibel zur Apache-Lizenz ist, aber in Roller für die Persistenz eingesetzt wird, befindet sich das Projekt noch im Incubator-Status. Es wird diesen voraussichtlich im Herbst 2006 verlassen, wenn von Hibernate auf JPA umgestellt wurde. (wh)