Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.05.1994

APIs von Microsoft und Novell sind noch nicht ausgereift Lizenzverwaltung bedeutet fuer Anwender mehr Frust als Lust

Von Detlef Borchers

Mit der Lizenzueberwachung hat so mancher Netzadministrator sein Kreuz: Es funktioniert nicht so, wie es sollte. Daran sind in erster Linie die Softwarehersteller schuld. Es gibt zwar Produkte fuer das Software-Metering - sogar als Shareware -, eine einheitliche Lizenztechnik fehlt jedoch.

In der Theorie lassen sich die Lizenzen von Softwarepaketen einfach und gerecht ueberwachen: Im Netz einer Firma sollen sich nur so viele Anwendungen aufrufen lassen, wie freie Lizenzen verfuegbar sind. Werden alle Rechte an einer Software aktiv im LAN genutzt, fuehrt jede weitere Anfrage zu einer Ablehnung, einer Mail an die Netzadministration, zur Suche nach einer Dongle-Signatur im Netz, zum Ausdruck eines Bestellformulars, einem automatischen Fax an den Hersteller oder schlicht zum Versagen der einen oder anderen Netzfunktion.

Software-Metering kostet immer noch zuviel Zeit

Schon diese Palette moeglicher Reaktionen zeigt, dass sich die Lizenzueberwachung alles andere als problemlos gestaltet. Nach einer Fuenfjahresstudie der Gartner Group verschlingt das Ganze 14 Prozent der anfallenden PC-Ausgaben: Genausoviel wird fuer Neuanschaffungen ausgewiesen. Die Kontrolle, das sogenannte Software-Metering im LAN, gilt oftmals als Stiefkind des Netz- Managements, zu dessen Aufgaben es eigentlich nicht gehoeren sollte, sich um Lizenzen irgendwelcher Programme kuemmern zu muessen. So jedoch fuehrt das juristische Reinheitsgebot in den Firmen dazu, dass sich teure Spezialisten in einem Wust von Detailfragen zu Softwareversionen, Updates und Upgrades verlieren, die absolut nichts mit einer bestmoeglichen Netznutzung zu tun haben.

Einen Sonderfall stellen dabei kleinere Netze dar: Hier dient das Netz-Management immer als Anlaufstelle bei Anwendungsproblemen. Da der Grossfirmensupport durch den Hersteller haeufig unerschwinglich ist, kaufen einige Supportabteilungen Programme quasi im Abonnement als Einzelplatzvarianten, um so eventuelle Anwenderfragen ueber die kostenlose Hilfe (zum Beispiel 60 Tage bei der Textverarbeitung Wordperfect) abzuklaeren. In diesen Faellen produziert das Management selbst den Wirrwarr, den es dann verwalten muss.

Meist wird das Lizenzproblem jedoch von aussen ins Netz getragen und macht sich auf verschiedenen Ebenen stoerend bemerkbar: Auf der untersten sind es die Nutzer-Limits, die erste Lizenzhuerden errichten. Novells Netware zaehlt bei seiner Lizenzstaffelung alle Anwender, die ueber Netztreiber und entsprechende Shells an einen Fileserver angeschlossen sind - unabhaengig vom Login-Status. Ausgeloggte Arbeitsplaetze werden bis zum Ausschalten oder Neustart des Rechners mitgezaehlt. So kann es passieren, dass einem bei einer 25-User-Variante der Zugriff verweigert wird, obwohl nur fuenf Stationen mit dem Server arbeiten. Erst mit Runtime-Netware und Netware 3.12 bequemte sich Novell, ein NLM (Nliclear.nlm) mitzuliefern, das ausgeloggte Rechner auch verbindungsmaessig abtrennt - und nebenbei deren Neustart erzwingt.

Auf der naechsten Ebene sind es die Netz-Shells, die Verwirrung stiften: So fragt die Lizenzkontrolle des unter Windows laufenden DTP-Programms Pagemaker Shell-Kennungen ab, die der OS/2-Requester von Netware bis zur Version 2.10 nicht beantwortet. Unschoene Folge: Die Einzelplatzlizenz von Pagemaker wird in einem Netware- Netz mit OS/2-Rechnern keine Lizenzueberschreitung melden koennen, selbst wenn sie von 50 Stationen genutzt wird.

Doch auch von den Softwarelieferanten wird viel Aerger gewissermassen vorprogrammiert: Waehrend Texter, Tabellierer und Datenbanker auf der Programmseite Dutzende von MB beanspruchen, sind die Firmen nicht bereit, die hoechstens 300 Zeilen Code fuer einen vernuenftigen Lizenzmerker einzubinden. Dann gibt es Software, die unter der modernen Flagge der Heterogenitaet segelt und dennoch mit den eigenen inkompatiblen Lizenzzaehlern den Schiffbruch provoziert: Das fuer Novell-Netze konzipierte Paket Syzygy (eine Groupware mit DOS-, Windows- und Mac-Clients) benoetigt getrennte Lizenzinformationen und somit ein separates Rechte-Management, das jeden Systemwechsel der Anwender argwoehnisch verfolgt. Verkorkste Produkte dieser Art koennen offensichtlich nur deshalb auf dem Markt existieren, weil die Administratoren bei der Anschaffung nicht zu sagen haben und Firmen aus Angst vor einer Unterlizenzierung generell mehr Rechte als notwendig kaufen.

Microsoft und Novell arbeiten an Lizenz-APIs

Die Software-Suiten in Form von Office-Paketen kuenden von einer aehnlichen Misere; sie entsprechen selten den genauen Anforderungen. Dadurch werden Rechte einerseits vom Anwender gar nicht genutzt, andererseits muss man sie hinzukaufen. Das Problem stellen hierbei die Lizenzzaehler dar. Die Komplettprogramme haben keinen integrierten Lizenzmerker. Wie sich Minianwendungen diesbe- zueglich ueberwachen lassen, wenn Objekte unterschiedlich kombiniert werden, steht bei OLE 2.0 ebenfalls noch nicht fest. Wer beim Oeffnen eines Malprogramms zur grafischen Bearbeitung einer Textstelle mit Lizenzverweigerung bestraft wird, duerfte kaum das Gefuehl haben, der DOS-Steinzeit entwachsen zu sein.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Angebote, mit eigenen Lizenz-APIs (Application programming interfaces) auf der Systemebene fuer Abhilfe zu sorgen, zunehmend an Attraktivitaet. Den Anfang machte hier der Hersteller Microsoft 1992 mit seinem License-Service-API im Rahmen von Wosa, gefolgt von Novell mit Netware LS (Licensing Server) samt seinen APIs. Beide Ansaetze sind nach zwei Jahren noch immer nicht verkaufsreif: Bei Microsoft verschwand das Lizenz- Management im erwartungsueberfrachteten Hermes-Projekt, bei Novell wurde Netware LS mit der Entwicklung von Netware 4.1 verbandelt und ausgebremst. Beide Firmen versprechen allerdings zur Jahresmitte erste Versionen. Softwarehersteller wie Lotus (Netware LS) oder Corel (Wosa LS) haben die APIs in ihren Programmen beruecksichtigt, ohne dass klar waere, wie die beiden Varianten zusammenarbeiten werden. Angesichts dieser unerquicklichen Situation schlossen sich die beiden groessten professionellen Anwendergruppen im Maerz fuer eine Aktion zusammen, die eine einheitliche Lizenzierungstechnik erreichen soll. Die auch in Deutschland vertretene Corporate Association for Microcomputer Professionals (CAMP) und die Open Users Recommended Systems (OURS) wollen das Software-Metering enger an die Realitaeten heranfuehren. Sie behandeln in ihren Vorschlaegen Einzelheiten wie die Rueckfuehrung unbenutzter Software oder die automatische Order neuer Pakete bei Lizenzueberlauf.

Welche Strategien sollten nun jene Netzadministratoren verfolgen, die nicht die Zeit dazu haben, auf die Fruechte der grossen Hersteller oder die Erfolge der Vereinigungen zu warten? Angebote gibt es zur Genuege. In jedem Fall sollten Inventarsysteme, Menue- und die allgemeinen Management-Programme auf ihre Lizenztauglichkeit hin geprueft werden. Gute Lizenzprogramme muessen ueber eine Fruehwarnfunktion fuer Administratoren und ein Report- Feature fuer die Bestellabteilungen verfuegen, die auch die Registrierung der Software ueberwachen. Sie sollten Nutzer nicht nur abblocken, wenn keine Lizenz frei ist, sondern eine Warteschlange anlegen und die Anwender benachrichtigen, sobald sie an der Reihe sind. Eine eingebaute Vorfahrt fuer bestimmt Benutzer waere ebenfalls wuenschenswert.

Fuer kleinste Netze wird der Lizenzsucher schnell in der Shareware und Public-Domain-Ecke fuendig. Das "Network Survival Kit" mit dem Menueprogramm "Marxmenue" von Computer Tyme bietet mit "Xmeter" eine simple Stape-Datei-Lizenzkontrolle fuer Netware- und Vines-Netze. Unter Netware wird die Semaphor-Technik ausgenutzt, um einen Lizenzzaehler einzurichten, der Error-Level beim Login in unterzaehlige Programme absetzt.

Das krasse Gegenstueck zu diesem Shareware-Ansatz ist "Sabermeter" von Saber-Software, in dem das Menuesystem nur als Front-end der umfangreichen Lizenzverwaltung fungiert. Rechte-Spezialist Saber ist zudem der einzige Anbieter, der mit "SEAM" (dem Saber Enterprise Application Manager) ein Lizenzierungs-Tool besitzt, das mehrere Server gleichzeitig ueberwacht und dabei mehrere Netze (Netware, NT, LAN Server, Vines) auf einmal durchforstet. Die Ergebnisse geraten in solchen Faellen auf einen separaten SEAM- Server. Vom universalen Sabermeter ausgehend, dringt das Unternehmen mit dem Paket "Saber Workstation" in den Bereich des grossen Netz-Managements vor.

Ein aehnliches Konzept, jedoch speziell auf Windows und Netware ausgerichtet, verfolgt "Norton Administrator" von Symantec. Die Staerken des Programms liegen vor allem im Software-Upgrade, das sich mit einer umfangreichen Skriptsprache steuern laesst. Aus der Upgrade-Perspektive des Administrators folgt notwendigerweise die Inventarisierungsfunktion, die nicht allein die Hardware, sondern auch den lokalen Softwarebestand auf den Arbeitsplaetzen auswertet.

Ist Norton Administrator eine - wenn auch maechtige - Inselloesung, so bietet sich Intels buntes "LAN-desk" als Integrations-Tool an. Das Programm kennt bei der Lizenzueberwachung eine grafische Aufbereitung in Balkenform, die fortlaufend aktualisiert wird. Auf diese Weise bekommt der Netzverwalter ein aktuelles Bild aller Programmaktivitaeten in seinem Netz praesentiert.

Bei groesseren Netzen mit WAN-Charakter bietet sich indes die Integration von LAN-desk und NDMS (Netware Distributed Management System) als Gegenspieler zu IBMs Netview an. Die in Form eines Management-Busses aufgezogenen Teilbereiche des Netware Management Systems (etwa die Management Map als logische Repraesentation der Rechner im Netz) lassen sich mit Produkten wie LAN-desk einfach ergaenzen.

Ebenfalls NDMS-faehig, jedoch hauptsaechlich auf IPX-Verbindungen spezialisiert (LAN-desk beherrscht auch TCP/IP), kommt "Alertview" von Shany Computers zum Einsatz. Die Spezialitaet dieses Programms liegt im regelbasierten automatischen Management: Ein Anwender wird kurzerhand auf einem weiteren Server eingeloggt, wenn dort noch freie Lizenzen lagern. Eine WAN-Verbreitung mit einem einfachen Lizenz-Management auf der Basis von Netware-3.x-Netzen ist in "Suds Wand" von Frye Computer zu finden - Suds Wand steht fuer Software Update and Distribution System - Wide Area Network Distribution.

Zu den Programmen mit eingebauter Lizenzueberwachung zaehlen auch "Netfusion" von Brightwork Development und "LAN-lord" von Microcom. Hinter beiden Angeboten ist jedoch ein Fragezeichen zu setzen, da durch Aufkauf der Firmen eine Neuorientierung der Produktreihen ansteht. Besonders fuer das auf OS/2 basierende LAN- lord (fuer Netware, LAN Server und Windows NT) sind die Aussichten nach der Uebernahme von Microcom durch Central Point, gefolgt von der Fusion mit Symantec nicht gerade rosig.

Sicher werden sich durch diverse Auskuenfte ueber kurz oder lang neue Firmen herauskristallisieren, die auch das Lizenzproblem weiter eingrenzen helfen. Entsprechende Massnahmen sind dringend erforderlich. Eine Verbesserung laesst sich allerdings nur durch eine Zusammenarbeit mit der Software-Industrie erreichen.