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23.10.1998 - 

Macintosh-Company scheint Comeback gelungen zu sein

Apple bläst zum Angriff auf die arrivierte PC-Konkurrenz

"Unser Ergebnis ist phantastisch und liegt weit über den Erwartungen der Analysten." Apple-Deutschland-Chef Peter Dewald war die Erleichterung spürbar anzumerken, der hiesigen Presse nach Jahren ausschließlicher Katastrophenmeldungen endlich Positives berichten zu können. Tatsächlich konnten die Kalifornier das Geschäftsjahr 1997/98 (Ende: 25. September) mit einem Profit von 309 Millionen Dollar abschließen - nach dem Minus von rund einer Milliarde Dollar im Vorjahr ein respektables Ergebnis, zu dem jedes der vier Quartale mit kontinuierlichen Steigerungsraten beigetragen hat (siehe Abbildung).

Beim Stückzahlenabsatz konnte sich die Apfel-Company indes nicht verbessern. Mit 2,76 Millionen verkauften Rechnern blieb man leicht unter den 2,8 Millionen vom Vorjahr. Folglich mußten die Kalifornier beim Umsatz deutlich Federn lassen. Nach sieben Milliarden Dollar im Vorjahr nahm Apple jetzt nur noch 5,9 Milliarden Dollar ein. Dewalds Erklärung: "Wir haben uns aus einigen Produktsegmenten zurückgezogen und mußten dadurch natürlich beim Umsatz Abstriche machen." So stellte man neben den Handheld-Aktivitäten rund um den unprofitablen Newton auch das Geschäft mit den Tintenstrahldruckern und den 15-Zoll-Monitoren ein. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, schob Dewald nach, daß die Einnahmen in Deutschland trotz der Bereinigung der Produktpalette etwa auf Vorjahresniveau geblieben seien. Damit hat sich Deutschland, so Dewald, "im Vergleich zum Gesamtunternehmen besser geschlagen."

Erst wenige Stunden vor dem Pressekonferenz des Deutschland-Statthalters hatte Apple-Chef Steve Jobs noch während des amtlichen Börsenhandels an der Wall Street den offiziellen Jahresabschluß bekanntgegeben.

Insider hatten nach der Ankündigung des Jobs-Auftrittes im Vorfeld auf ein besonders gutes Ergebnis spekuliert. Und der Gründer der Macintosh-Company enttäuschte nicht - auch nicht mit markigen Bemerkungen. "Wir haben eine Weltklasseleistung vollbracht und unsere operationale Stärke wieder zurückgewonnen", sagte Jobs. Und der von Beobachtern in Kalifornien inzwischen als "Dauer-Interims"-CEO bezeichnete Charismatiker setzte noch eins drauf. Binnen eines Jahres sei es gelungen, aus "nur noch miteinander streitenden Managern wieder ein Führungsteam zu formen". Die frühere Produktvielfalt sei von 16 auf drei Familien gestrafft worden, und zum ersten Mal seit langer Zeit halte Apple wieder Liefertermine ein.

Deutschland-Chef Dewald präzisierte die Aussagen seines CEO: "Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr die Basis dafür gelegt, wieder zu den Spitzenanbietern im PC-Geschäft aufzurücken, wo wir ja auch hingehören." So konzentrieren sich die Kalifornier wieder schwerpunktmäßig auf die angestammten Bereiche Medienindustrie (wo im abgelaufenen Geschäftsjahr gut die Hälfte der Einnahmen erzielt wurde) und Bildung sowie seit der Einführung des "I-Macs" auch wieder auf das Consumer-Segment.

In letzterem erhofft sich das Apple-Management im laufenden Fiskaljahr einen deutlichen Sprung nach vorn - und der beeindruckende Anfangserfolg des neuen Apple-Sprößlings stimmt Dewald optimistisch, dies auch zu schaffen. Seit der Markteinführung Mitte August in den USA und Anfang September in Teilen Europas seien 287 000 "I-Macs" ausgeliefert worden, davon 29,4 Prozent an Erstkäufer, die vorher noch keinen Desktop besessen hätten, und 12,5 Prozent an "konvertierte" Wintel-Nutzer. "Damit haben wir mehr als 40 Prozent Neukunden gewinnen können", berichtete Dewald stolz. Auch die Software-Entwickler scheinen Apple langsam wiederzuentdecken. Laut Dewald wurden seit der Ankündigung des vom Design her eher gewöhnungsbedürftigen PCs, die Anfang Mai erfolgte, mehr als 1000 Anwendungen vorgestellt, davon 640 von europäischen Software-Anbietern.

Mit der im November 1997 eingeführten Power-Macinstosh-G3-Familie, die neben Desktops und Minitower seit Mai auch ein Notebook umfaßt, sehen sich die Kalifornier ebenfalls auf Kurs. Bis zum September 1998 wurden weltweit insgesamt 1,25 Millionen G3-Rechner an den Kunden gebracht.

Apple konnte außerdem, wie bereits erwähnt, seinen Lagerbestand deutlich verringern. Belief sich dieser im ersten Quartal 1996 noch auf ein Volumen von zwei Milliarden Dollar, so konnte er im Abschlußquartal 1998 auf Produkte im Wert von 78 Millionen Dollar heruntergefahren werden. "Das entspricht einer Lagerreichweite von sechs Tagen, und damit liegen wir sogar noch unter den acht Tagen von Dell", brüstete sich Dewald. Allerdings mußte der Deutschland-Statthalter bei den High-end-Rechnern chronische Lieferengpässe eingestehen. "Wir haben extrem leistungshungrige Kunden - und damit Überbuchungsprobleme." Und beim "türkisen Ei", dem I-Mac, kann Apple die Nachfrage schon gar nicht befriedigen. "Wir arbeiten aber heftigst daran, die Fertigungskapazitäten zu erhöhen", versprach Dewald. Bislang wird der Shooting-Star unter den Desktop-Rechnern in den USA und in Singapur gefertigt.

Daß Apple tatsächlich ein Comeback gelungen ist und die schwarzen Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs nicht nur eine Eintagsfliege waren, wird die Company aus Cupertino in den kommenden zwölf Monaten aber erst noch unter Beweis stellen müssen. Angesichts der Misere der vergangenen Jahre ist der einstige Erzrivale von IBM unter den Top-Ten der weltweit führenden PC-Hersteller ans untere Ende gerutscht. Bis zum angepeilten Platz in der Spitzentruppe dürfte es deshalb noch ein weiter Weg sein - trotz eines im vierten Quartal um 28 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum auf 834 000 Rechner gestiegenen Absatzes. Immerhin liegt man laut Dewald damit nicht nur weit über dem Branchenwachstum von 13 Prozent, sondern hat auch Marktanteile zurückerobert. Dieser auch statistisch unanfechtbare Erfolg ist indes genausowenig Garant für anhaltende Stabilität und weiteren Aufschwung wie das neue Betriebssystem Mac-OS 8.5, das jetzt in die Läden gekommen ist. Dewald selbst gestand denn auch ein: "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen..

Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.