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19.01.1996

Apple braucht das Massengeschaeft

Christoph Witte

Sicher ist es zu frueh fuer einen Abgesang auf den Macintosh- Hersteller. Trotz Lieferschwierigkeiten, Organisationswirrwarr und dem Weggang vieler wichtiger Manager hat Apple im vergangenen Jahr Umsatz, Gewinn und Marktanteil ausbauen koennen. Viele Marktbeobachter sehen darin allerdings nur ein letztes Aufbaeumen vor dem Untergang. Das desolate Abschneiden im ersten Quartal 1995/96 scheint diese These zu stuetzen.

Gruende fuer die Krise des Herstellers gibt es viele. Allen voran ist die zoegerliche Lizenzvergabe zu nennen. Apple schottete seine Macs zu lange ab, liess nicht zu, dass andere Hardwarehersteller in seiner proprietaeren Domaene mitverdienten. Die so erzielten hohen Preise und Margen bezahlte das Unternehmen mit einem Verlust an Marktanteilen und dem weiteren Vordringen der Intel- und Microsoft-Konkurrenz. Als man sich vor gut einem Jahr entschied, Lizenzen fuer das Betriebssystem zu vergeben, war es zu spaet. Die Schwergewichte der PC-Szene, denen die Konditionen zudem nicht attraktiv genug erschienen, winkten ab.

Auch der erfolgreiche Umstieg auf die Power-PC-Architektur, Apples zweiter grosser Coup neben der Einfuehrung der Powerbook-Notebooks, stabilisierte den Hersteller nicht lange genug. Logistische Probleme fuehrten zum Auftragsstau, fehlgeschlagene Restrukturierungsversuche und eine wenig klare Ausrichtung auf moegliche Kernmaerkte brachten die Company in die Bredouille. Dennoch setzte Apple-Boss Michael Spindler weiter auf Unabhaengigkeit. Verhandlungen ueber eine Beteiligung der IBM liess er platzen. Die Geruechte um ein baldiges Ende der Eigenstaendigkeit verstummten indes nicht.

In dem jetzt ausgewiesenen Minus liegt nicht der Hauptgrund fuer die Skepsis, mit der Apples Zukunftsaussichten beurteilt werden. Eine viel groessere Rolle spielt neben der Frage nach den Ueberlebenschancen der Power-PC-Architektur der immer kleiner werdende Unterschied zwischen dem Macintosh und Intel-basierten Systemen. Fuer die grosse Bedienerfreundlichkeit kann Apple in Zeiten von Windows 95 keine Praemien mehr verlangen. Die niedrigeren Erloese pro Maschine bringen die Kostenstruktur des Unternehmens jedoch total durcheinander. Das gilt um so mehr, wenn sich die Spekulationen bewahrheiten, dass Apple den Massenmarkt den Clone-Anbietern ueberlassen und sich auf scheinbar profitablere Nischenmaerkte verlegen sollte. Zum einen existieren auch dort nur noch geringe Unterschiede zu anderen Herstellern, weil klassische Mac-Software auch fuer Intel-Rechner zu haben ist. Zum andern sinken bei der Konzentration auf Teilmaerkte automatisch die absetzbaren Stueckzahlen. Von Lizenzeinnahmen und dem Softwaregeschaeft allein kann das Unternehmen nicht leben.

Einen finanzstarken Partner ins Boot zu holen scheint vielen deshalb zur Zeit die einzige Moeglichkeit der Existenzsicherung. Die Namen der Interessenten sind bekannt. Aber vielleicht bedarf Apple gar keiner fremden Hilfe, vielleicht reicht ein neuer Mann an der Spitze, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen.