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23.08.2016 - 

Funktionen, Apps, Anbieter

Apple Carplay im Test

Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Carplay ist Apples Lösung für die Einbindung von iPhones in das Infotainmentsystem eines PKWs. Wir haben Carplay im Audi, Seat, Skoda und VW getestet, erklären Vorteile und Nachteile von Carplay und sagen, welche Apps zur Verfügung stehen und welche Automobil-Hersteller Carplay unterstützen. Plus: Nachrüstlösungen.
Apple Carplay im Test: Funktionen, Apps, Anbieter
Apple Carplay im Test: Funktionen, Apps, Anbieter
Foto: Apple

Mit Apple Carplay nutzen Sie im Auto iOS-Funktionen wie Telefonie, Kurznachrichten, Navigation, Musik-Apps und Siri fast genauso bequem wie direkt auf dem iPhone. Nur eben mit größerem Bildschirm, zusätzlichen Bedienelementen und den Lautsprechern aus dem PKW.

1. Carplay, Android Auto, Mirrorlink - das Konkurrenzumfeld

Derzeit gibt es drei Schnittstellen für die Integration von Smartphones in das Infotainmentsystem moderner PKWs: Carplay von Apple für die Einbindung von iPhones sowie Android Auto und Mirrorlink für die Einbindung von Android-Smartphone.

Apple stellte Carplay im März 2014 auf dem Genfer Autosalon vor. Die Kalifornier gewannen seitdem immer mehr Automobil-Hersteller für die Unterstützung ihrer automobilen iPhone-Schnittstelle.

2. Carplay: Funktionsprinzip

Carplay spiegelt die Bedienoberfläche des iPhones samt iOS-Apps auf den größeren Bildschirm des Wagens. Das iOS wird hierzu tief in das Infotainmentsystem des Fahrzeugs integriert. Laut Volvo funktioniert das Spiegeln des iPhone-Bildschirms so, dass das iPhone sein Bild per H.264-Videostream an das Auto sendet. Das konnten wir im Test aber nicht nachprüfen.

Allerdings übernimmt Carplay den iPhone-Bildschirm nicht 1:1, sondern nur die wenigen Apps, die Apple bis dato für Carplay freigegeben hat. Der Homescreen des iPhones wird zudem an die Besonderheiten im Auto angepasst, also zum Beispiel immer quer angezeigt, der Homebutton befindet sich bei Fahrzeugen mit Touchscreen (das sind in der Regel alle Volumenhersteller wie zum Beispiel VW, Seat und Skoda) am linken Bildschirmrand und ist somit gut erreichbar für den Fahrer. Bei Fahrzeugen ohne Touchscreen-Display befindet sich der Homebutton auf dem Mini-Touchpad auf dem Controller auf der Mittelkonsole (zum Beispiel bei Audi).

Apple Carplay im Test im Seat Ibiza.
Apple Carplay im Test im Seat Ibiza.

Touchscreen, Knöpfe, Siri, Tasten, Controller

Die auf den Bildschirm des PKWs gespiegelten iPhone-Apps bedient man entweder

1.) Über dessen großen Touchscreen. Das ist bei den Volumenherstellern der Fall, Beispiele sind VW, Seat und Skoda.

2.) Über den Controller auf der Mittelkonsolewie im Audi A4 oder in der C- und E-Klasse von Mercedes-Benz. Das ist die Lösung der Premiumhersteller Audi und Daimler. Was für den Touchscreen und was für die Controller-Lösung im Auto spricht, analysieren wir in diesem Artikel.

3.) Über die klassischen Dreh- und Druckknöpfe des Infotainmentsystems.

4.) Außerdem können Sie Apples Sprachassistentin Siri als Sprachsteuerung für Carplay verwenden. Siri funktioniert in Carplay genauso wie direkt auf dem iPhone.

Mit Siri kann der Fahrer wesentliche Funktionen des iPhones über Sprachbefehle steuern ohne den Blick vom Verkehrsgeschehen nehmen zu müssen. So kann er beispielsweise Befehle auf dem Menü des Touchscreens auswählen ohne irgendwelche Symbole auf dem Touchscreen drücken zu müssen.

Lenkradtasten werden nur selten unterstützt

Sofern eine Lenkradtaste zum Einschalten der vom Hersteller eingebauten Sprachsteuerung vorhanden ist, könnte diese bei laufendem Carplay eigentlich Siri starten. In unseren Tests klappte das im Seat, nicht aber im VW Bus und auch nicht im Audi A4. Im Skoda unterstützte Carplay die Lenkradasten teilweise.

Der Startbildschirm zeigt immer die Icons von acht Apps. Sofern mehr als acht Carplay-kompatible Apps auf dem iPhone installiert sind, gibt es auch noch eine zweite Seite, wie es hier im Seat Ibiza der Fall ist.
Der Startbildschirm zeigt immer die Icons von acht Apps. Sofern mehr als acht Carplay-kompatible Apps auf dem iPhone installiert sind, gibt es auch noch eine zweite Seite, wie es hier im Seat Ibiza der Fall ist.

iPhone macht die Arbeit

Die gesamte Rechenleistung liefert das gekoppelte iPhone, über dessen SIM-Karte auch der komplette Internet-Traffic läuft. Der PKW stellt lediglich Eingabe- und Ausgabe-Instrumente zur Verfügung, also Touchscreen/Display, Lenkrad- und Radiotasten, Mikrofon und Lautsprecher. Die komplette Funktionalität wie Sprachsteuerung, Navigation sowie das Musikstreaming und das Webradio liefert das iPhone.

Das hat Vorteile und Nachteile: Das iPhone ist performant, die Apps und Siri reagieren schnell. Doch der Akku des iPhones wird während der Fahrt kaum noch weiter aufgeladen, weil das iPhone ständig in Betrieb ist und so Strom verbraucht.

Wichtig: Der Mobilfunkvertrag des gekoppelten iPhones muss für das Datenvolumen der Carplay-Apps ausgelegt sein, weil alle Daten über die SIM-Karte des gekoppelten iPhones laufen. Die Karten-App beispielsweise lädt ständig Karten nach.

Der Bildschirm des iPhones ist während der Carplay-Nutzung abgeblendet und kann nicht bedient werden, nur das Carplay-Logo ist darauf zu sehen.

Verbindung via Lightning-USB

Die Verbindung zwischen iPhone einerseits und Carplay auf dem Infotainmentsystem des PKWs andererseits wird derzeit ausschließlich über das Lightning-Kabel des iPhones hergestellt. Sie stecken dazu das Lightning-Kabel in den USB-Port des PKWs. Verwenden Sie hierzu am besten das Originalkabel von Apple.

Apple hat kabelloses Carplay bereits in iOS integriert, Sie finden diesen Menü-Punkt im Einstellungsmenü Ihres iPhones, wie unser Screenshot zeigt. Nur gibt es bis heute kein Auto, das kabelloses Carplay unterstützt.
Apple hat kabelloses Carplay bereits in iOS integriert, Sie finden diesen Menü-Punkt im Einstellungsmenü Ihres iPhones, wie unser Screenshot zeigt. Nur gibt es bis heute kein Auto, das kabelloses Carplay unterstützt.

Wireless Carplay: Noch nicht serienreif

Apple hat zwar mit iOS 9 im September 2015 die Schnittstelle für Wireless Carplay via Bluetooth freigegeben. Bei Redaktionsschluss ist allerdings weltweit noch kein Fahrzeug eines Automobil-Herstellers verfügbar, das kabelloses Carplay unterstützt. BMW hat aber für die zweite Jahreshälfte 2016 kabelloses Carplay in allen seinen Modellen angekündigt.

Apple verbietet VW Demonstration auf der CES

Volkswagen besaß bereits im Januar 2016 eine experimentelle Umsetzung für Wireless Carplay. Die Wolfsburger wollten kabelloses Carplay deshalb auf der CES 2016 in Las Vegas vorführen. VW hätte sich mit der Vorführung einer kabellosen Carplay-Verbindung als innovatives Unternehmen zeigen können – diese positive Eigenwerbung hätte VW im Zeichen des Abgasskandals dringend nötig gehabt.

So wird das iPhone im Seat angeschlossen.
So wird das iPhone im Seat angeschlossen.

Doch Apple untersagte VW, das kabellose Carplay auf der CES 2016 vorzuführen. Diese Information gelangte über den Bericht des US-Auto-Blogs Car and Driver an die Öffentlichkeit. Car and Driver zitierte dabei Dr. Volkmar Tanneberger, an dessen Roundtable wir auf der CES teilgenommen haben. Dr. Tanneberger ist der Leiter der Elektronik-Entwicklung von Volkswagen.

Über die Gründe für das Verbot kann man nur spekulieren. Will sich Apple die Vorstellung von Wireless Carplay für eines seiner eigenen Events vorbehalten? Oder will Apple Wireless Carplay zusammen mit einem anderen Automobil-Hersteller zeigen und nicht mit VW, das in den USA wegen der Abgasaffäre nicht den besten Ruf hat?

Lese-Tipp: Alle Auto-Tests von PC-WELT und Macwelt

Eine Zeitlang gab es keine offizielle Bestätigung dieses Verbots durch die Pressestelle von Volkswagen. In Wolfsburg musste man offensichtlich erst darüber nachdenken, wie man mit diesem Verbot offiziell umgeht. Auf unsere Nachfrage hat man uns aber dann bestätigt, dass Apple VW untersagt habe, Wireless Carplay auf der CES 2016 vorzuführen. Technisch wäre Volkswagen dazu in der Lage gewesen, die IT-Entwicklungsabteilung von VW hat seit der Freigabe der betreffenden Spezifikation durch Apple daran gearbeitet. Stattdessen zeigte VW auf seinem Messestand in der Nordhalle der CES 2016 kabelloses Mirrorlink.

iPhone ohne Carplay mit dem Auto verbinden geht zwar, aber...

Sie können ein iPhone in einem PKW natürlich auch ohne Carplay nutzen. Praktisch mit allen modernen PKW-Infotainmentsystemen lässt sich das iPhone via Bluetooth verbinden. Danach können Sie zumindest über das iPhone telefonieren und Musik vom iPhone über die Lautsprecher des Fahrzeugs streamen. Bei vielen Infotainmentsystemen stehen auch noch weitere Funktionen wie Kurznachrichtenversand oder die Nutzung ausgewählter Internetdienste zur Verfügung. Doch die Bedienung erfolgt dabei immer über das Infotainmentsystem des PKWs, mit dem Sie sich erst vertraut machen müssen und das sich oft nicht so intuitiv wie ein Smartphone bedienen lässt.