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16.01.2004 - 

Nach 20 Jahren Macintosh steht der Computerpionier vor einem Paradigmenwechsel

Apple feilt an seinem Lifestyle-Image

MÜNCHEN (CW) - Die Macworld Conference & Expo 2004 verlief für die Apple-Gemeinde eher enttäuschend; bahnbrechende Produktankündigungen hielten sich in Grenzen. CEO Steve Jobs stellte die neue Miniversion des MP3-Players "iPod" groß heraus und beschwor das gute Standing seiner Company im Multimedia-Markt. Im Brot-und-Butter-Geschäft mit PCs und Notebooks bleiben die Kalifornier jedoch ein problembehafteter Nischenanbieter.

ES WAR WIE IMMER: Jobs nutzte vergangene Woche die traditonelle Apple-Hausmesse in San Francisco vor allem dazu, um mit seiner mehr als zweistündigen Eröffnungs-Keynote gute Stimmung zu verbreiten: 20 Jahre Macintosh sind ja auch ein Grund zu feiern. So versprach er den Zuhörern mindestens ein "weiteres großartiges" Mac-Jahr. Auf den Launch eines vielerorts erwarteten Geburtstags-Macs warteten die Apple-Fans jedoch vergeblich. Mit der Vorstellung des "iPod mini" und einem neuen Release der Digital-Media-Software "i-Life" (siehe Kasten "Neues von der Macworld") setzte der charismatische Gründer und Chef der Apfel-Company vielmehr die Akzente eindeutig im Consumer-Markt - die (zunächst) logisch erscheinende Weiterentwicklung des von Jobs vor drei Jahren ins Leben gerufenen "Digital-Hub"-Konzeptes, das für den Macintosh und inzwischen auch andere Apple-Produkte die zentrale Rolle im digitalen Haushalt vorsieht.

Dass auch das vergangene Jahr ein sehr erfolgreiches war, untermauerte Jobs mit einer aktuellen iPod-Statistik: So konnten die Kalifornier seit Einführung der ersten Generation ihres MP3-Players vor gut zwei Jahren über zwei Millionen Geräte verkaufen. Allein im vierten Kalenderquartal 2003 sind, wie der Apple-Chef im Vorgriff auf die Bilanz des ersten Geschäftsquartals (die am Mittwoch dieser Woche veröffentlichten Zahlen waren zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt) sichtlich stolz erklärte, weltweit rund 730000 iPods abgesetzt worden. Zum Vergleich: Im Schlussquartal des Apple-Geschäftsjahres 2002/03 (Ende: 30. September) war der iPod "nur" 336000-mal über die Ladentische gewandert, was jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum schon einer Steigerung um 140 Prozent entsprochen hatte. Auch sonst war das vierte Fiskalquartal der Kalifornier sehr gut gelaufen; neben dem iPod hatte vor allem der Verkaufsstart des neuen "Power-Mac G5" zu einer deutlich höheren Stückzahl der ausgelieferten Rechner und damit zu einem entsprechenden Umsatzwachstum auf 1,71 Milliarden Dollar (plus 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr) beigetragen. Für das erste Fiskalquartal waren die einschlägigen Prognosen ebenfalls positiv.

Neues Apple-Gefühl: Marktführer

Kein Wunder also, dass man in der Apple-Zentrale in Cupertino derzeit Oberwasser hat. Denn die Kalifornier sind mit einem Marktanteil bei MP3-Playern von derzeit rund 30 Prozent etwas, was sie gemeinhin nicht sind: Marktführer. Firmenchef Jobs selbst scherzte in San Francisco in Anspielung auf Apples Anteil am weltweiten PC-Markt von rund drei Prozent mit der Aussage: "Endlich haben wir einmal die Fünf-Prozent-Marke überschritten." Experten des Marktforschungsunternehmens Nielsen Soundscan führen diesen Erfolg auf das Design der iPod-Winzlinge, vor allem aber auch auf den Online-Musikdienst "iTunes Music Store" zurück. Denn mit dem Verkauf von Musikstücken (seit dem Start im April 2003 waren es mehr als 30 Millionen Titel) über das Internet, den Apple bisher ausschließlich in den USA betreibt, gelang es der Apfel-Company bis dato, die einschlägigen Internet-Pioniere wie Napster, Musicmatch oder Rhapsody (Real Networks) deutlich in die Schranken zu weisen.

HP verkauft ab Sommer den iPod

Gleichzeitig brachten die Kalifornier ein strategisches Bündnis unter Dach und Fach, das mehr als ein publicityträchtiger Achtungserfolg sein könnte. Nur einen Tag nach Jobs Keynote auf der Macworld kündigte HP-Chefin Carleton Fiorina in ihrer Rede auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas an, dass Hewlett-Packard ab Sommer einen portablen Audio-Player auf Basis von Apples "iPod" verkaufen wird. Außerdem wird Apples Musiksoftware "iTunes" zusammen mit einem Verweis auf den iTunes Music Store auf allen Consumer-Desktops und -Notebooks von HP vorinstalliert. Beobachter hatten eigentlich erwartet, dass HP einen eigenen MP3-Player entwickeln und möglicherweise auch einen eigenen Online-Musikdienst starten werde. Fiorina erklärte nun aber, HP habe den Markt studiert - mit dem Ergebnis, dass das Design des iPod das "beste verfügbare" sei. Daher gebe es keinen Sinn, ein Konkurrenzprodukt herauszubringen.

iPod Katalysator für das Mac-Geschäft?

Die Bedeutung dieses Abkommens dürfte für Apple nicht hoch genug einzuschätzen sein. Schließlich galt HP bisher neben Dell, Gateway, Sony, Samsung oder dem Acer-Spinoff Benq zu den Firmen, die in Konkurrenz zu den Kaliforniern den PC samt entsprechenden Peripheriegeräten ins Zentrum der Unterhaltungselektronik rücken möchten - als Plattform für Filme, Fotos, Musik und/oder Ausflüge ins Internet. Ganz zu schweigen von den entsprechenden Plänen beim Softwaregiganten Microsoft (Stichworte: Spielekonsole "Xbox" und "Media-Center-PC").

Ungeachtet solcher Erfolge ist bei Apple aber längst noch nicht alles Gold, was glänzt. Zwar geht die US-amerikanische Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) in einer aktuellen Studie davon aus, dass sich die jüngsten Erfolge mit Devices wie dem iPod und der strategische Wettbewerbsvorteil im Internet-Musikhandel langfristig auch positiv auf den Absatz mit Macintosh-Rechnern auswirken könnten - doch eine Gewissheit dafür gebe es nicht. Viele Finanzanalysten wiesenin den letzten Wochen nicht umsonst darauf hin, dass die Apfel-Company immer noch gut 80 Prozent ihrer Umsätze mit den Produktfamilien "iMac", "iBook", "Power Mac" und "Powerbook" erzielt, während beispielsweise der iPod-Absatz im vierten Geschäftsquartal ganze 121 Millionen Dollar zu den Einnahmen beigesteuert hat. Anders sieht es offenbar bei den Gewinnspannen aus, die beim iPod dank vergleichsweise geringer Herstellungskosten von Insidern zwischen 2,5 und 18 Prozent geschätzt werden. Lege man eine durchschnittliche Marge von acht Prozent zugrunde, dürfte der Großteil der operativen Gewinns von 24,8 Millionen Dollar, den Apple im Geschäftsjahr 2003 ausgewiesen hat, auf das Geschäft mit dem neuen MP3-Player zurückzuführen sein, monieren die Kritiker. Ohne den iPod hätte Apple "ein ernsthaftes Problem", heißt es weiter.

Einmal mehr dürfte das Unternehmen daher, so der Tenor vieler Beobachter, am Scheideweg stehen. Mit dem iPod sei es Apple zunächst gelungen, seine Stärken in puncto Orientierung an Kundenwünschen, gutem Design sowie ein starkes Markenprofil im Markt durchzusetzen. Jetzt aber müssten die Kalifornier endlich auch ihre Marketing- und Vertriebsanstrengungen professionalisieren - und damit eine seit langem bekannte Schwäche ausmerzen.

Ein Blick in die nicht immer ruhmreiche Apple-Vergangenheit leistet solchen Argumenten Vorschub: Das erste kommerziell vertriebene grafische User-Interface, der erste netzwerkfähige PC - beides waren Entwicklungen von Apple. Heute indes rangiere die Apfel-Company im PC-Markt hinter PC-Clonern wie Legend unter ferner liefen; produziere zu teure Geräte für Nischenmärkte etwa im Mediensektor, heißt es. Auch der schon in den 80er Jahren begangene strategische Fehler, die eigene Software nicht zu lizenzieren, wird von Kritikern noch einmal mit einem pointierten Vergleich ins Feld geführt. So habe Microsoft unlängst in seinem ersten Fiskalquartal mit einem Nettogewinn von 2,6 Milliarden Dollar rund 15-mal mehr verdient als Apple in der entsprechenden Berichtsperiode mit seinem gesamten Softwaregeschäft an Umsatz erzielen konnte.

Vertrieb muss effektiver werden

Firmengründer Jobs, der - nachdem Apple 1997 unter seinem Nachfolger Gilbert Amelio am Rande der Pleite gestanden hatte - knapp ein Jahr später auf den CEO-Posten zurückgekehrt war und das Unternehmen wirtschaftlich und strategisch in wieder ruhigeres Fahrwasser manövriert hatte, müsse nun endlich stärker an den internen Strukturen der Company feilen, wird an der Wallstreet gefordert. Neben einer personell stärkeren und effektiveren Sales-Mannschaft fehle es vor allem an Management-Know-how, Qualitätskontrolle bei wichtigen Produkten sowie kürzeren Produktzyklen. Trotzdem waren die Börsianer der Apple-Aktie in den zurückliegenden Wochen positiv gesonnen und hievten das Papier auf ein neues Jahreshoch von über 22 Dollar.

"Innovation steht für Apple, Execution für Dell", bringt auch Yankee-Group-Analyst Howard Anderson einmal mehr das Problem der Kalifornier auf den Punkt. Wenn Apple nun aber aus den Fehlern der Vergangenheit lerne, könne mittelfristig der Wandel von einer reinen PC-Company zu einem eher Consumer-orientierten Unterhaltungselektronikanbieter gelingen. So betrachtet seien iPod und iTunes die "wichtigsten Produktankündigungen seit der Vorstellung des Apple-II-Rechner im Jahre 1977". Bis auf weiteres bleibe aber ein anderes Thema für Apple weitaus wichtiger: Die Ankündigung von Microsoft, seine Bürosoftware-Umgebung "Office" auch in Zukunft für Apple-Rechner weiterzuentwickeln. (gh)

Neues von der MacWorld

Der Apple-Server "Xserve" drohte zuletzt mit seinem G4-Prozessor zu überaltern, und so überraschte es wenig, das Apple in San Franzisko das Nachfolgemodell "Xserve G5" präsentierte. Die mit ein oder zwei auf zwei Gigahertz getakteten G5-Power-PC-Prozessoren bestückte neue Version der 1U hohen Rackmount-Maschine leistet über 30 Gflops und damit rund 60 Prozent mehr als ihr Vorgänger. Im Gehäuse ist Platz für drei S-ATA-Festplatten und damit maximal 750 GB internen Massenspeicher. Dazu kommen zwei PCI-X-Slots mit mehr als 1 GB/s Durchsatz, zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse sowie internes RAID (optional).

Speziell für den wissenschaftlichen und sonstigen Einsatz im HPC-Bereich (High Performance Computing) gedacht ist die von Apples Advanced Computation Group (ACG) entwickelte Grid-Software "Xgrid", mit der sich ein Cluster aus Macintosh-Servern und Desktops virtualisieren lässt. Ungenutzte Kapazitäten der Maschinen können dabei für zentral geplante und verwaltete Rechenjobs genutzt werden. Eine Betaversion von Xgrid steht ab sofort kostenlos zur Verfügung.

Nachdem schon seit Wochen über einen kleinen Bruder des erfolgreichen MP3-Players "iPod" spekuliert wurde, ist es nun amtlich: Im Februar kommt der 250 Dollar teure "iPod mini" in den USA auf den Markt, im April in Europa - trotz des schwachen Dollars voraussichtlich zu einem Preis von 299 Euro, was den Kaliforniern viel Kritik einbrachte. Der Ipod mini steckt in einem bunten Gehäuse aus eloxiertem Aluminium - erhältlich sind die Farbvarianten Silber, Gold, Pink, Blau und Grün (siehe Foto) - und wird über ein berührungsempfindliches "Click Wheel" gesteuert. Im Innern findet sich die neue 4-GB-Ausführung der inzwischen von Hitachi produzierten "Microdrive"-Festplatte mit 1 Zoll Baugröße. Der neue Musik-Download-Zwerg verfügt über Firewire- und USB-2.0-Anschlüsse, über die auch sein Akku geladen wird. Er wiegt gut 100 Gramm. Kabel, Kopfhörer, Netzteil und Gürtelclip werden mitgeliefert; ein Armband-Clip sowie eine Docking-Station sind als Zubehör erhältlich.

Erneuert hat Apple außerdem seine Softwaresuite "iLife". Diese enthält in Version "04" neue Releases der Tools "iPhoto", "iMovie" und "iDVD", die bereits bekannte Version 4.2 der Musikbibliothek "iTunes" und als neue zusätzliche Komponente die Musikproduktionssoftware "Garageband". Eine weitere Premiere war die Version 2 von "Final Cut Express", einer abgespeckten Variante der Videoschnittsoftware "Final Cut Pro 4".

Roz Ho, Chefin der Macintosh-Abteilung von Microsoft, präsentierte in San Francisco kommende Versionen von Office und Virtual PC. Zu den Neuerungen in "Office 2004" gehören das in Entourage integrierte "Project Center" mit zentralem Überblick über Mails, Kontakte, Termine und Aufgaben im Rahmen von Projekten sowie eine neue Ansicht in Word, die unter anderem dem schnellen Erfassen und Durchsuchen von Informationen dienen soll und direkte Audioaufnahmen ermöglicht. Der endlich auch auf G5-Prozessoren lauffähige PC-Emulator "Virtual PC 7" wird zusammen mit Windows XP Pro Teil der "Professional"-Version von Office 2004. Als Stand-alone-Variante ist er auch mit anderen Betriebssystemen zu haben. Microsoft verspricht gegenüber der aktuellen Version 6.1 "deutliche Verbesserungen", ohne dabei näher ins Detail zu gehen. Office 2004 und Virtual PC 7 sollen im Lauf des ersten Halbjahres 2004 auf den Markt kommen. Genaue Termine sind noch nicht bekannt. (tc)