Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.04.1990 - 

Der Macintosh-Hersteller verteidigt seine Rechte

Apple geht jetzt gerichtlich gegen Mac-Cloner aus Taiwan vor

MENLO PARK (CW) - Die Apple Computer Inc. hat jetzt erstmals juristische Schritte gegen einen angeblichen Hersteller von Macintosh-Clones eingeleitet. Betroffen ist die taiwanische "Akkord Technologies." Akkord soll auch illegal Mac-Systemsoftware vertrieben und sich als offizieller Apple-Händler ausgegeben haben.

Apple unterstellt den Taiwanern in erster Linie, sie hätten das Herzstück des Mac, das ROM, kopiert und in Mac-Plus-Nachbauten verwendet. Einen ersten Mac-Clone mit der Bezeichnung "Jonathan" zeigte Akkord im Frühjahr 1989 auf der CeBIT '89 und der "Macdex" in Chicago. Auf der diesjährigen CeBIT zeigte eine Akkord-Schwesterfirma im Keller eines Hotels einen preisgünstigen Macintosh-Laptop, der an interessierte Kunden auch verkauft wurde.

Apple selbst kam Ende 1989 in den Besitz eines "Jonathan". Beim Untersuchen dieses Rechners wollen die Apple-Spezialisten herausgefunden haben, daß der Rechner illegale Kopien der Mac-Systemsoftware enthalten habe. Anders sehen das die Akkord-Vertreter. Bei ihren Geräten kämen nur original Apple-ROMs und -Platinen zum Einsatz, die man in den USA auf dem Gebraucht-PC-Markt in großen Stückzahlen kaufen kann. Zu diesen Original-ROMs gehöre aber auch je ein Satz Systemsoftware. Ähnlich argumentieren auch die Hersteller eines Aufrüstsatzes, der Atari-Computer zu einem vollwertigen Macintosh macht, und das zu einem Bruchteil des Preises für einen Mac.

Apple geriet besonders in letzter Zeit immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik, da das Unternehmen keine preisgünstigen Einstiegsmodelle des Macintosh anbietet und nicht einmal lizenzierte Clones zuläßt. Branchenkenner sehen deshalb große Probleme auf Apple zukommen, denn im Gegensatz zur Welt der DOS-PCS, wo billige Clones für günstige Preise und damit für eine breite Akzeptanz sorgten, haftet den Macs immer mehr das Image eines teuren Luxus-PCs an, bei dessen Kauf man auch noch einem einzigen Hersteller ausgeliefert ist.

Mac fristet nur noch ein Schattendesein

Dabei sind Branchenkenner sich darin einig, daß der Mac einst ein revolutionäres Konzept vertrat und gute Chancen gehabt hätte, sich als eine echte Alternative zum DOS-PC zu etablieren. Jetzt fristet er nur ein Schattendasein: So konnte Apple bei verkauften Stückzahlen im Jahr 1989 nach einer Studie des Marktforschungshauses Storeboard in den USA nur einen Marktanteil von etwa 12,3 Prozent erreichen. Dabei gingen die Verkäufe gegenüber 1988 auch noch um 15,9 Prozent zurück. Preisgünstige Mac-Clones hätten den Vorteil, daß man mehr Neueinsteiger zum Schritt in die Apple-Welt bewegen könnte.

Apple-Rechtsberater Irving Rappaport betont, daß man dennoch gegen jeden Clone, der Apples Rechte und Warenzeichen verletzt, vorgehen werde. Nach Ansicht von Gervaise Davis, einer kalifornischen Spezialistin für Computerrecht, sollten alle potentiellen Mac-Cloner zunächst dafür sorgen, daß sie die Mac-Software nicht einfach kopieren, sondern auf anderen Wegen zum gleichen Ergebnis kommen. So ein Clone oder eine Emulation ist dann keine Kopie mehr, sondern eine Implementation der ursprünglichen Idee mit anderen Mitteln - und das sei o. k. Genau das hat auch Chips & Technologies in den 80er Jahren mit dem AT-Chip-Satz gemacht und damit den IBM-Clones zum Siegeszug

verholfen.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Anstatt sich über die Zukunft Gedanken zu machen, hat man bei Apple nichts anderes zu tun, als vermeintliche Mac-Cloner vor Gericht zu zerren. Kein Wunder, wenn dann die Verkäufe zurückgehen, die Anwender das ansonsten revolutionäre Mac-Konzept links liegen lassen und zum DOS-PC oder gleich zur Workstation greifen. Grafische Benutzeroberflächen, seinerzeit der herausragende Vorteil des Mac, bieten andere jetzt auch. Im Laptop-Markt, einem entscheidendem Segment der nächsten Jahre, meldete Apple sich erst sehr spät mit einem gewichtigen Gerät, das kaum die Ansprüche, die man an einen Rechner dieser Preisklasse stellt, erfüllt.

Und jetzt, wo sich ein neuer Preiskrieg im PC- und Workstation-Markt anbahnt, beharrt Apple auf Hochpreispolitik und bringt weder einen Billig-Mac für Einsteiger noch einen einfacheren Laptop. Als Anwender muß man da wohl Bedenken haben, jetzt in Mac-Rechner zu investieren. Wie sagte doch Gorbatschow anläßlich seines letzten Besuches bei Honecker in der DDR: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. zek