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11.04.2006

Apple öffnet Macintosh für Windows XP

Der Hersteller hat den Boot-Manager "Boot Camp" herausgebracht, mit dem Windows XP auf neueren Intel-Macs eingesetzt werden kann.

Die Betaversion von Boot Camp steht seit letzter Woche zusammen mit einem korrespondierenden Firmware-Update zum Download zur Verfügung. Anwender mit einer Microsoft-Installations-CD können mit Boot Camp Windows XP auf einem Mactel-Rechner installieren und dann bei Bedarf entscheiden, ob sie nach einem Neustart ihres Computers Mac OS X oder Windows XP verwenden wollen. Das endgültige Boot Camp wird Teil von Mac OS X 10.5 "Leopard", das Apple auf seiner Worldwide Developer Conference (WWDC) im August erstmals zeigen wird.

Weder Vertrieb noch Support von Windows

"Apple hat weder den Wunsch noch die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen", erklärte Apples Produkt-Marketing-Chef Phil Schiller. "Da wir jetzt aber Intel-Prozessoren einsetzen, haben viele Kunden ihr Interesse bekundet, Windows auf der überlegenen Hardware von Apple laufen zu lassen. Wir denken, dass Boot Camp es für Windows-Anwender noch verlockender machen wird, auf den Mac zu wechseln."

Dafür, dass Boot Camp eigentlich nur ein simpler Boot-Manager ist, schlug Apples Ankündigung reichlich Wellen. Unter anderem an der US-Technikbörse Nasdaq, wo der Aktienkurs des Mac-Herstellers am Donnerstag und Freitag letzter Woche von 62 auf 72 Dollar zulegte. Auch die Blogosphäre überschlug sich. Und alles nur, weil Besitzer neuer Macs mit Intel-Prozessoren jetzt auch Windows XP installieren können - der XP-Nachfolger Vista wurde mit keinem Wort erwähnt.

Zaghafte Öffnung der geschlossenen Apple-Welt

Bislang war die Apple-Welt geschlossen. Auf Macintosh-Rechnern lief nur Mac OS (X) als Betriebssystem, was Apple und seinen Kunden eine stabile und performante Umgebung ohne Treiberprobleme bescherte. Wer unbedingt eine Windows-Software benötigte, musste dazu auf Krücken wie den langsamen Emulator "Virtual PC" zurückgreifen, der nach dem Kauf von Connectix inzwischen von Microsoft vertrieben wird. Microsofts Macintosh Business Unit (Mac BU) will Virtual PC trotzdem für Intel-Macs weiterentwickeln und Ende des Jahres herausbringen. Sie betont die Vorzüge eines integrierten Windows-Zugriffs gegenüber dem Entweder-oder von Dual Boot.

Wer Boot Camp einsetzen möchte, braucht dazu eine legale Vollversion von Windows XP. Und die kostet um die 150 Euro. Mit PCs gelieferte CDs funktionieren ebenso wenig (wegen der Produktaktivierung des Microsoft-Systems) wie Update-Versionen. Unklar ist außerdem, ob Microsoft sein Betriebssystem auf dem Mac überhaupt unterstützen wird. "Es gibt noch einige offene Fragen, die erst geklärt werden müssen", sagte Kevin Kutz, Director der Windows-Client-Sparte.

Die Reaktion der Börse beweist jedenfalls, dass der Markt erwartet, Apple werde sich mit der Tolerierung der Koexistenz seines eigenen Betriebssystems mit der dominierenden Microsoft-Plattform neue Kundenkreise erschließen und neue "Switcher" für den Umstieg von Konkurrenz- auf Apple-Hardware gewinnen. Der Hersteller aus Cupertino kam im vergangenen Jahr laut IDC-Zählung auf gerade einmal 2,3 Prozent Anteil am weltweiten PC-Markt nach Stückzahlen. Ein Jahr zuvor waren es sogar nur zwei Prozent, zehn Jahre zuvor allerdings schon einmal rund acht Prozent.

Gartner: Macs nicht wesentlich attraktiver

Die Experten von Gartner erwarten nicht, dass Boot Camp den Mac wesentlich attraktiver für Unternehmen außerhalb von Apples Kernanwenderschaft in den Bereichen Grafik, Videoproduktion, Wissenschaft und Bildung werden lässt. Ohne spezielle Geschäftserfordernisse werde kaum jemand einen Mehrpreis für schicke Apple-Hardware zahlen oder ein weiteres Betriebssystem supporten wollen. Boot Camp ebne aber den Weg für eine spätere Hypervisor-Virtualisierung, bei der Mac OS X und Windows Seite an Seite in virtuellen Maschinen liefen.

Apple nimmt mit Boot Camp jedenfalls der Hacker-Gemeinde den Wind aus den Segeln, die seit Erscheinen der ersten Macs mit Intel-Prozessoren regelmäßig "XP-on-Mac"-Wettbewerbe veranstaltet hatte. Der Hersteller beweist gesundes Selbstbewusstsein, indem er den Vergleich zwischen OS X und Windows auf ein und demselben Rechner nicht scheut. Dass Unternehmen weltweit deswegen aber gleich ihre PCs durch Intel-Macs ersetzen, scheint eher unwahrscheinlich. (tc)