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29.11.1991 - 

Kooperation mit Sony macht Sinn

Apple setzt sich neue Ziele im Markt für Unterhaltungselektronik

MÜNCHEN (sc) - Trotz der Allianz mit IBM sieht Apple nicht nur im klassischen DV-Geschäft zukunftsträchtige Märkte. Der Grund: Apple-Boß John Sculley will für sein Unternehmen im Consumer-Bereich ein zweites Standbein aufbauen. Zusammen mit Sony könnte die Company als Software-Anbieter auf diesem Sektor in eine erfolgversprechende Zukunft starten.

Die Kalifornier und die Japaner verbinden schon seit einiger Zeit zarte Bande. So lieferte Sony Monitore, Plattenlaufwerke und andere Hardwarekomponenten an Apple. Ferner war das Unternehmen stark bei der Entwicklung der neuen Generation tragbarer Apple-Rechner involviert. Der kleinste Notebook soll sogar vollständig in Nippon produziert werden (vgl. CW Nr. 38 vom 20. September 1991, Seite 31). Daneben gehören die japaner mit ihrem Angebot an Unterhaltungselektronik, wie CD-Player, Fernseher und Videorekordern, zu den Top-Playern und sind auch bei der neuen Fernsehtechnik HDTV führend.

Allerdings verlief der Versuch, als Hardwarehersteller Fuß zu fassen, für Sony glücklos. Die Japaner kamen zum Beispiel 1980 mit Textsystemen heraus - zur gleichen Zeit, als die PCs ihren Siegeszug durch die Unternehmen antraten. Als Sony 1982 die ersten PCs auf den Markt brachte, waren diese 8-Bit-Rechner inkompatibel zu den 16-Bit-Computern der IBM. Dann bot man Workstations an, die zuerst auf den 68020- und 68030-Prozessoren von Motorola basierten, jetzt aber die RISC-Chips von Mips integrieren.

Für den Elektronikkonzern scheint esjedoch auch mit den "News"-Rechnern schwierig zu sein, im durch Preiskampf gekennzeichneten Hardwaremarkt rnitzuhalten. Durch niedrige Preise gegen die Konkurrenz im Computergeschäft anzutreten sei bei den Japanern momentan nicht angesagt, urteilen Branchenbeobachter, denn Sony habe sich auf dem Unterhaltungssektor rnit dem Erwerb von Columbia Pictures etwas übernommen. Der Kaufpreis für die Hollywood-Company lag bei 3,5 Milliarden Dollar, wobei noch 1,5 Milliarden Dollar Schulden hinzukamen, berichtete das "Wall Street Journal".

Sony könnte sich im DV-Markt profilieren

Für Apple könnte Sony jedoch gerade durch die Entertainment-Tochter Columbia Pictures interessant sein, denn Sculley will für Apple im Markt für Consumer Electronic und Unterhaltung neue Geschäftsfelder auftun. Umgekehrt hätte Sony die Möglichkeit, von Apple, die in den USA als zweitgrößter PC-Hersteller gehandelt werden, im DV-Markt zu profitieren. Wie der britische Branchendienst "Computergram" und das "Wall Street Journal" melden, habe der Apple-Boß den Aktionären versprochen, auf dem Unterhaltungssektor langfristig genausoviel zu erwirtschaften wie mit dem reinen DV-Geschäft.

Die neue Rolle von Apple sei, Easy-to-use-Produkte auf den, Markt zu bringen, die auf Multimedia-Technologien basieren, erklärt Sculley, der als Ex-Marketier von Pepsi bereits auf Erfahrung im Consumer-Bereich zurückblickt.

An Ideen mangelt es den Kaliforniern nicht. Eine "Spielstation", die aus einem Macintosh mit Hypercard-Software und CD-Player besteht, soll zum Beispiel speziell für den Anwender zu Hause entwickelt werden, wobei man von einem Preis von 600 Dollar spricht. Analysten vermuten jedoch, daß es für Apple wie auch für andere US-Hersteller schwierig sei, diese Unterhaltungsprodukte billig herzustellen. Sony dagegen habe diese Möglichkeit.

Daß der japanische Elektronikriese zugreift, wenn Apple die Produktion der Multimedia Hardware vergibt, liegt für Marktkenner nahe. Dies zeigt sich unter anderem daran, daß Apple und Sony Meldungen aus Amerika zufolge - neben der Kooperation bei den Notebook. Rechnern - gemeinsam an einem Taschencomputer arbeiten, mit dem sich Daten über zellulare Telefonnetze übertragen lassen. Hier sollen die Apple-Entwickler derzeit zudem damit beschäftigt sein, weitere Features zu entwickeln, etwa die Möglichkeit, digitale Landkarten zu installieren, den Rechner als Pen-basiertes Notizbuch zu benutzen oder handgeschriebene Faxe zu versenden. Solche Consumer-Electronics-Produkte oder tragbaren Kommunikationskomponenten erwarten Analysten in den nächsten zwei bis dreijahren.

Für Sony bedeutet der nicht professionelle Multimedia. Markt eine Chance, die Umsätze wieder anzukurbeln. Die Japaner mußten sich nämlich im ersten Quartal, das am 30. Juni 1991 zu Ende ging, mit 20 Prozent weniger Profit (vor Steuern) begnügen als im Jahr zuvor. Im Bereich der Multimedia-basierten Heimunterhaltung sehen Marktauguren jedoch einen milliardenstarken Dollar-Markt, dessen Potential bisher nur dürftig ausgeschöpft wurde.

Wie Michael Schulhof, Präsident der Sony Software Corp. in den USA, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Business Week" äußerte, hofft man bei Sony, durch kombinierte Pakete, die aus Multimedia-Software und dazugehöriger Hardware geschnürt sind, Kunden zu gewinnen. Erste Schritte, um in diesem Marktsegment Fuß zu fassen, hat Sony bereits unternommen und innerhalb des Konzernbereichs Software die Sony Electronic Publishing Corp. gegründet.

Durch die Kooperation mit Apple, so rechnen Branchenkenner, hätten es die Japaner leichter, gegen große Unternehmen wie IBM und die Time Warner Inc. anzutreten, die mittlerweile ebenfalls im Multimedia-Unterhaltungsbereich agieren.

Apple wiederum findet nach Meinung von Analysten in Sony einen starken Partner in dem für die KaIifornier doch fremden Consumer-Markt. Bill Coggshall, Marktforscher bei New Media, meinte gegenüber der Business Week'. Das einzige Unternehmen, das in diesem Bereich wahrscheinlich Erfolg haben wird, ist Sony."Gerüchte über einen Zusammenschluß der beiden Gesellschaften bezeichnet Sculley jedoch als Spekulation.