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10.01.1997 - 

Laufen Mac-Anwendungen auf neuem Betriebssystem nicht?

Apples Next-Übernahme wirft viele Fragen auf

Unklar ist, welche Rolle der Apple-Mitbegründer Jobs spielen wird. Apple versucht offensichtlich, mit der Geschichte vom verlorenen Sohn der Öffentlichkeit zu vermitteln, in Gestalt von Jobs kehre visionäre Kraft in das Unternehmen zurück.

Die offizielle Erklärung von Apple ist, Jobs komme wieder zu der Apfel-Company heim und berichte direkt an Apples Chairman und CEO Amelio. Demgegenüber sind die Berichte anderer Presseorgane in diesem Punkt etwas diffuser. Die "Financial Times" etwa zitiert den 1985 vom damaligen Apple-Chef John Sculley gefeuerten Jobs mit den Worten, für ihn sei ein Posten im Vorstand von Apple nicht wichtig. Er habe nun eine Familie, außerdem mit der Pixar Animation Studios Inc. ein Unternehmen zu führen, insofern verfüge er nur über wenig Zeit: "Ich hoffe aber, einige Ideen einbringen zu können", hielt sich Jobs auffallend bescheiden im Hintergrund.

Analysten scheinen sich darüber einig, daß Amelios Entscheidung für Next und dessen Betriebssystem Nextstep sowie die Entwicklungsumgebung "Openstep" und das speziell für Anwendungen im World Wide Web (WWW) gedachte "Objectweb" riskant ist.

Monatelang hatten sich Gerüchte gehalten, Apple wolle die Be Inc. des ehemaligen Topmanagers von Apple, Jean-Louis Gassée, und dessen "Be-OS" kaufen. Kurz vor dem Next-Deal schien auch Sun Microsystems Interesse zu haben zumindest gab es Spekulationen, denen zufolge Apple Lizenzrechte an dem Sun-Betriebssystem Solaris erhalten sollte.

Der Apfel-Boß muß es schaffen, insbesondere der Schar von unabhängigen Softwarehäusern wieder Vertrauen in die Zukunft der Apple-Plattform einzuimpfen. Die aber dürften sich nach dem Kauf von Next fragen, wohin die Betriebssystem-Reise überhaupt gehen wird. Das Mac-OS System 8 (früher "Copland") beziehungsweise dessen Developer Release 1 hatte Amelio vergangenes Jahr ad acta gelegt. Müssen Entwickler sich nun auf das objektorientierte Schichtenmodell des Microkernel-basierten Nextstep einrichten? Äußerungen insbesondere von Apples Cheftechnologin (CTO) Ellen Hancock scheinen dies nahezulegen.

Fraglich ist auch, wie problematisch für Apple-Entwickler der Wechsel von C+ und C++ auf den "Objective-C"-Code ist, den Next benutzt.

Anläßlich der Bekanntgabe des Firmenzusammenschlusses schlug aber vor allem eine Äußerung von Hancock wie eine Bombe ein: Auf dem ersten Release des neuen Betriebssystems werde bisherige Apple-Software nicht laufen. Diese sogenannte Rückwärtskompatibilität wolle man erst in einer folgenden Version anbieten, die 1998 verfügbar gemacht werde.

Indirekt bestätigte Avie Tevanian Hancocks Aussage: Der bisherige Vice-President of Engineering bei Next, künftig unter Hancock Leiter der Mac-OS-Entwicklung, sagte, man sei im Zuge der Sondierungsgespräche zwischen Apple und Next dem Problemkomplex Kompatibilität nicht bis in die Tiefe nachgegangen.

Als sei dies noch nicht genug der schlechten Nachrichten für Apple-Anwender, schob Tevanian nach, auch die bekannte - und geliebte - Mac-Benutzeroberfläche werde es im ersten Release des neuen Betriebssystems nicht mehr geben. Vielmehr komme in dieser das sogenannte Look and feel, also das Erscheinungsbild, der Nextstep-Benutzer-Schnittstelle zum Zuge. Erst zu einem nicht definierten späteren Zeitpunkt werde die bei Mac-Rechnern gewohnte Bedieneroberfläche nachgereicht.

Unklar ist auch, ob bewährte Apple-Technologien wie "Quicktime", "Quickdraw" oder das "Meta Content Format" (MCF) - bekannt auch als "Hot Sauce" - in der ersten Version des neuen Betriebssystems integriert sein werden. Eine Quelle, die nicht genannt werden wollte, verneinte dies.

Hancock ließ sich auf Fragen bezüglich zu erwartender Mac-OS-Neuerungen nur zu der Aussage herbei, mit den für Januar beziehungsweise Juli dieses Jahres geplanten Updates "Harmony" respektive "Tempo" sei man im Plan. Zu darüber hinausgehenden Projekten für das Mac-OS gab sie keine Stellungnahme ab (siehe aber Kasten).

Zu fragen ist auch, wie Apple es zukünftig mit der Power-PC-RISC-Architektur hält. Die Next Software Inc. liefert bekanntlich seit Sommer 1996 die Anwendungsumgebung "Openstep für Windows NT" aus. Mit ihr ist es NT-Anwendern möglich, ursprünglich für Nextstep geschriebene Applikationen auch im Windows-Umfeld laufen zu lassen.

Da Nextstep zudem auf dem Mach-Kernel aufsetzt, ist das Betriebssystem - zumindest in der Theorie - Hardware-unabhängig verwendbar. Mit einer Nextstep-Implementierung für den Power-PC-Prozessor hat Next begonnen. Bislang ist allerdings keine Version verfügbar.

Einzelheiten zu der Übernahme von Next durch Apple sollten allerdings erst auf der Macworld, die vom 7. bis 10.01.1997 in San Franzisko stattfindet, bekannt werden. Erst dann wird sich zeigen, ob Apple tatsächlich den von Hancock angedeuteten klaren Bruch in seiner Betriebssystem-Strategie vollziehen wird.