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Kolumne

Applikation als Ressource

14.06.2007

Eine Applikation ist nichts weiter als eine Ressource." Diesen Satz äußerte Walter Brenner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, während des Executive Forums der computerwoche im Mai eher beiläufig. Neben anderen Thesen zum Thema Industrialisierung der IT war es vor allem diese, die unter den anwesenden CIOs Aufmerksamkeit erregte. Dabei war Brenner sicher klar, dass seine Äußerung provozieren musste.

Impliziert das Wort Ressource doch eine relativ problemlose Nutzung - die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Kaum eines der so genannten geschäftskritischen Programme versieht seinen Dienst störungsfrei. Davon abgesehen verdienen Applikationen zumindest gilt das für ihren aufwändigen Betrieb die Bezeichnung Ressource nicht, weil allein Pflege und Support weit über den Aufwand hinausgehen, der einem Rohstoff normalerweise gewidmet wird.

Von daher lässt sich Brenners Aussage als Forderung verstehen, als wichtige Bedingung für die Industrialisierung der IT. Er sieht Applikationen als Teil der Produktionsmittel, die benötigt werden, um Prozesse im Unternehmen zu unterstützen.

Allerdings scheint die Realisierbarkeit dieser Bedingung angesichts der Parameter fraglich, unter denen Software heute eingesetzt wird. Da fehlt es zunächst an Qualität und Reife der Produkte zum Zeitpunkt des Kaufs beziehungsweise der Lizenzierung. Weil sie in der ersten Version nicht wirklich einsetzbar sind, warten viele Anwenderunternehmen mit der Implementierung von Business-Software, bis sie in der zweiten oder sogar dritten Version auf den Markt kommt. Ebenfalls nicht für die Qualität sprechen die langen Implementierungszeiten, die Business-Anwendungen derzeit benötigen.

Der zweite, vielleicht noch wichtigere Punkt ist die Komplexität heutiger Business-Software. Dieses Faktum ignoriert die Aussage von der "Ressource". Software zu betreiben, die Business-Prozesse unterstützt, ist nun einmal komplexer, als Wasser oder Strom durch Leitungen zu ihrem Bestimmungsort zu befördern.

Erfüllen lässt sich Brenners Forderung nur, wenn Applikationen tatsächlich wie Rohstoffe von außerhalb des Unternehmens bezogen werden. Zumindest theoretisch. Entwicklung und Betrieb liegen in Händen von Dienstleistern, die über entsprechend strikte Verträge und Service-Level-Agreements gehalten sind, Anwender mit der Ressource Applikation unterbrechungsfrei zu versorgen. Theoretisch deshalb, weil das heute zumindest praktisch genauso häufig gelingt, wie es danebengeht.

So gesehen stehen offenbar IT-Industrie und Anwenderschaft erst ganz am Anfang der Industrialisierung.