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Eignet sich das Modell schon für den Einsatz?


05.05.2000 - 

Applikations-Service-Provider: ASPirin für den IT-Leiter

MÜNCHEN (ajf) - Applikations-Service-Provider (ASPs) versprechen viel: Software wird für Anwender einfacher, schneller und vor allem billiger. Wer bei ASP aber automatisch an SAP denkt, liegt falsch: Das Modell etabliert sich bei den Kunden allenfalls über die Politik der kleinen Schritte.

Wer bei Yahoo-Deutschland nach dem Kürzel "ASP" sucht, stößt auf mehr als 1200 Web-Seiten. Links zum eigentlichen Thema erwartet man unter den ersten Adressen allerdings vergebens - dafür sind die Automobile-Steuerzahler-Partei, die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie und Microsofts Technologie der Active-Server-Pages aufgeführt: "Wir befinden uns eben noch am Anfang der Entwicklung", meint Traver Gruen-Kennedy, Chairman des internationalen ASP-Industrie-Konsortiums. In einigen Jahren, davon ist der Manager überzeugt, wird sich jedoch die IT-Branche durch das ASP-Modell gravierend verändert haben.

Damit sich die Prognosen nicht als falsch erweisen, haben IT-Unternehmen vor rund einem Jahr eine gewaltige Marketing-Lawine losgetreten. Kaum ein Anbieter leistet sich heute noch den vermeintlichen Luxus, auf das Kürzel ASP im Portfolio zu verzichten. Dabei ziehen sich die Angebote quer durch alle IT-Segmente, angefangen von Softwareanbietern über Systemhäuser und Integratoren bis hin zu Telefongesellschaften und Internet-Service-Providern. Lautete das Motto vor Jahren noch, IT sei die Kernkompetenz der Anwender, so heißt das Credo einschlägiger Anbieter: "Alles muss raus".

Künftig wird online feilgeboten, was im Softwaresektor Rang und Namen hat - zumindest auf dem Papier. Dabei bilden E-Mail- und Office-Lösungen, die unter das Label "Personal Productivity" fallen, das untere Ende der Anwendungen. Eine Stufe höher folgen Groupware-Applikationen, beispielsweise Terminplaner für Teams sowie Werkzeuge für das Projekt-Management. Online-Shops, CRM-Programme und komplette ERP-Pakete gehören schließlich zur Krone des ASP-Portfolios. Allerdings gibt es ein gravierendes Problem: Es fehlen die Kunden.

Auf einer Konferenz in Dänemark wurden Anfang des Jahres 500 ASP-Anwender angekündigt, lediglich 13 erschienen tatsächlich. Ein vergleichbares Symposium in Amsterdam zählte im März rund 100 Besucher, von denen sich ganze zwei für die Nutzung des ASP-Modells interessierten - das Gros der Teilnehmer bestand hingegen aus Vertretern der Anbieterseite. Man habe aber sehr interessante Verträge mit Referenzkunden geschlossen, so der Tenor beim Pausentee.

"Es herrscht immer noch Verwirrung darüber, was ASP bedeutet", so Paula Hunter, Marketing-Chefin der US-Firma C me run. Da ihr Unternehmen selbst als Applikations-Service-Provider auftritt, möchte sie diese Unklarheit gerne behoben sehen. Mit Diskussionen, Vorträgen und einem branchenübergreifenden Konsortium sollen potenzielle Kunden nun davon überzeugt werden, dass die Zukunft der IT im ASP liegt: Anwender mieten die Applikationen und müssen sich um nichts mehr kümmern. Das ist zumindest der Idealfall.

Ins gleiche Horn stoßen Analysten und Marktbeobachter, die jährliche Wachstumsraten von über 100 Prozent erwarten, wobei die Prognosen stark voneinander abweichen. Beispielsweise geht IDC davon aus, dass allein in Europa im Jahre 2005 fast 1,2 Milliarden Dollar im ASP-Bereich umgesetzt werden. Die Meta Group erwartet 2003 weltweit bei mittelständischen Anwendern ein Volumen von zwölf bis 15 Milliarden Dollar. Laut Dataquest sollen es zur gleichen Zeit im Gesamtmarkt 22,7 Milliarden Dollar sein.

Wie es auch kommt: "Der europäische Markt ist reif", so die Meinung des ASP-Industrie-Konsortiums. Über eine Ovum-Studie wollten die Lobbyisten ergründen, was sich Unternehmen der Alten Welt von dem neuen Modell versprechen. Dabei kam heraus, dass 25 Prozent der befragten Firmen bereits Kunden eines ASPs sind - und das trotz fehlender Angebote. Der Grund für das überraschende Ergebnis lag in der gewählten ASP-Definition der Studie, die auch auf traditionelles Outsourcing angewendet werden konnte.

Zu den vielversprechendsten europäischen Märkten für ASP-Anbieter zählen nach Erkenntnissen der Untersuchung Großbritannien und Deutschland. Hier gaben zwei Drittel der Befragten zu Protokoll, dass sie sich vorstellen könnten, in den nächsten 18 Monaten Software zur Miete zu beziehen. Für Frankreich beträgt der Wert 40 Prozent, in Skandinavien wollen lediglich ein Viertel der befragten Unternehmen auf den ASP-Zug aufspringen. Die Nachfrage geht europaweit einheitlich vor allem von Banken und Finanzdienstleistern sowie Transport- und Versorgungsunternehmen aus.

Als Client-Plattformen wünschte sich die überwiegende Zahl der potenziellen Nutzer Windows-PCs. Erstens seien diese bereits im Unternehmen vorhanden, und zweitens könne man damit auch auf intern eingesetzte Anwendungen zugreifen. Die Anbindung an den ASP solle vornehmlich über Weitverkehrsnetze verwirklicht werden, das Internet hingegen erscheint vielen Anwendern als zu unsicher und nicht stabil genug für unternehmenskritische Programme.

Server-seitig teilte sich das Feld wie gewohnt in eine Unix- und eine NT-Fraktion auf: "Die Glaubenskriege zwischen den Betriebssystemen werden in Europa weiterhin geführt", so Ovum. Nach Aussage der Analysten bleiben einem ASP-Anbieter in diesem Punkt nur zwei Alternativen: Entweder könne er seinen Kunden klarmachen, dass die technologischen Entscheidungen einzig vom Dienstleister getroffen werden, oder aber er bietet wahlweise Unix und Windows NT auf seinen Servern an. Als Hauptgrund für Unix wurde die Ausfallsicherheit genannt, NT konnte hingegen auf der Kostenseite punkten.

Außerdem wollten die Befragten sichergestellt wissen, dass sich die ASP-Anwendungen bei Bedarf jederzeit ins eigene Unternehmen zurückholen ließen. Dies gilt auch für den umgekehrten Fall, wenn interne Applikationen nachträglich an den Dienstleister übertragen werden sollen. Hat der ASP in diesen Fällen zum Beispiel lediglich Unix-Programme laufen, befürchtet der reine NT-Kunde in der Regel Probleme bei der Migration.

Sorgen haben die Nutzer aber vor allem in zwei Bereichen, die für den Erfolg des ASP-Modells entscheidend sein könnten: bei der Sicherheit - Stichwort: "Hacker" - und den Service-Level-Agreements (SLAs). Gerade in letzterem Fall liegt noch einiges im Argen, argumentiert Peter Kirwan, Cheftechnologe des amerikanischen Hosting-Unternehmens Navisite. ASP-Startups könnten seiner Meinung nach vielfach nicht sicherstellen, dass alle für die Stabilität des Systems relevanten Punkte zur Zufrie-denheit der Kunden abgedeckt werden.

Um diesem Vorwurf zu begegnen, scheint sich die Branche in eine Art Hardwarekaufrausch zu stürzen. Beobachter gehen davon aus, dass amerikanische ASPs in diesem Jahr Milliarden von Dollar in ihre Infrastruktur investieren werden. Im gleichen Zeitraum soll auch der Kundenstamm anwachsen. Trotz dieses Optimismus, so die Marktforscher von Cahners In-Stat, brauchen die ASPs noch viel Nachhilfe beim Aufbau, Ausbau und Betrieb von IT-Infrastrukturen, auf die man sich verlassen kann.

ASPs positionieren sich oft nicht klar genugEin Problem sei die fehlende klare Ausrichtung der Anbieter, meint Cahners-Analyst Kneko Burney. Die Firmen würden Kunden mit einer Vielzahl von Dienstleistungsangeboten überschütten. Hierzu zählen die Verwaltung und Kontrolle der Systeme ebenso wie der Support: "Wenn die ASPs ihre Kernkompetenzen herausbilden wollen, werden erste Schwierigkeiten auftauchen." Um die reine Bereitstellung und Anpassung der Applikationen kümmerten sich die Dienstleister seiner Meinung nach zu wenig.

Allerdings haben die Dienstleister mit Programmen zu kämpfen, die für das Modell noch nicht ausgelegt sind: "Wir haben zehn CRM-Lösungen auf ihre ASP-Tauglichkeit hin untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich lediglich zwei für den Einsatz eignen", so Hunter von C me run. In der Regel scheiterten die Lösungen bereits an den Lizenzfragen, denn sie durften nicht vermietet werden. Softwareunternehmen müssen nach Aussage der Managerin von der Vorstellung Abschied nehmen, Programme über die alten Vertriebskanäle zu verbreiten: "Die Firmen wandeln sich von Verkäufern zu Supportern."

Damit können sich mittelfristig auch die Preismodelle für Software ändern. Wenn Nutzer des ASP-Dienstes selten auf eine Applikation zugreifen, zahlen sie auch weniger. Daraus ließe sich folgern, dass auch die ASPs nur noch geringere Beträge an die Softwarehersteller weiterleiten. "Die etablierten Anbieter haben Angst vor dieser Veränderung und zögern noch", so Javaid Aziz, Chef des ASP-Anbieters Aspective. Auch die Arbeit der Entwickler bleibe nicht gleich, denn künftig seien weniger Innovationen gefragt als vielmehr eine neue Zusammensetzung bereits vorhandener Komponenten.

Startup-Firmen sind ideale ASP-KundenOb sich die Anwender angesichts der ungeklärten Fragen auf das ASP-Modell stürzen werden, bleibt fraglich. Als vorerst gangbaren Weg zeigen Beobachter eine indirekte Route auf: Nutzer fangen im ASP-Modell klein an und steigern sich im Laufe der Zeit. Kevin Lo, der Gründer des Unternehmens X-Collaboration, bezweifelt, dass es schon einen großen Bedarf an betriebswirtschaftlicher Standardsoftware über den ASP-Kanal gibt: "Zu Anfang dachten alle bei dem Thema an ERP, inzwischen läuft aber die Personal Productivity besser." Insellösungen ohne Integration könnten sich als die Anwendung der ersten Wahl erweisen, mit denen ASPs in Unternehmen vordringen.

Die Aussage von Lo deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Ovum-Studie. Demnach würden potenzielle Nutzer einen ASP beauftragen, der entweder Websites hostet, E-Commerce-Anwendungen zur Verfügung stellt oder das E-Mail-System betreut. Von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware ist nur am Rande die Rede: Ganze zwei Prozent der Befragten denken darüber nach, ein ERP-Paket zu mieten. Peter Slavid, Manager von ICL, vertritt einen ähnlichen Standpunkt: "Großunternehmen werden niemals die Restriktionen, die der ASP-Betrieb mit sich bringt, akzeptieren." Für ihn sind Startup-Firmen, die sogenannten Dotcoms, der ideale ASP-Kunde - "weil sie noch keine Geschäftsprozesse haben".

Abb.1: ASP-Markt

Vorsichtige Prognose: Forrester sagt weltweite ASP-Umsätze von mehr als 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2004 voraus - andere Analysten gehen sogar vom zehnfachen Volumen aus. Quelle: Forrester

Abb.2: Treiber für das ASP-Modell

Quelle: Corio

Abb.3: ASP-Kriterien

Banken und Finanzdienstleister versprechen sich wie viele Unternehmen anderer Branchen niedrigere IT-Kosten und einen besseren Service vom ASP-Betrieb. Quelle: Aspic/Ovum