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17.04.1992

APPN: Kein Grund für Lobeshymnen

Sind die jüngsten APPN-Ankündigungen von Big Blue Anlaß zur Freude? Die Abkehr IBMs von der antiquierten SNA-Hierarchie wäre eigentlich schon das Entkorken einer Flasche Schampus wert. Immerhin hat das Armonker Management nach mehr als zwei Jahrzehnten hartnäckigster Verteidigung sein Allerheiligstes - den Mainframe - zu einem gewöhnlichen Mitglied im Netzwerk oder, charmanter gesagt, zu einem High-end-Server degradiert. Bald könnten also die Zeiten vorbei sein, als in SNA-Netzwerken nichts ohne die Millionen Mark teuren Riesenkisten ging, entgegen allen Regeln des modernen Networking.

Andererseits gibt es keinen Grund, Mother Blue wegen der neuen APPN-Strategie über den grünen Klee zu loben. Dieser Schritt ist nichts anderes als der Versuch, von SNA zu retten, was zu retten ist. Die Produktpolitik der Vergangenheit hat sich nämlich als konfuses Stückwert erwiesen, wodurch sich die IBM mitsamt ihrer SNA-Philosophie in eine Sackgasse manövrierte. Mit der Einführung der neueren Rechner PS/2, AS/400 und RS/6000 ging die schöne, blaue SNA-Welt aus dem Leim. IBM bemüht sich lediglich, mit APPN den entscheidenden Bruch wieder zu kitten.

Allerdings wäre Big Blue nicht Big Blue, bliebe man alten Strickmustern nicht treu. Die Absicht, mit dem proprietären Netzwerkprotokoll APPN den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und gleichzeitig einen Standard für die Außenwelt zu setzen, erinnert wieder einmal fatal an alte IBM-Praktiken - nach dem Motto: Wer offen sein will für SNA, braucht ja nur für die APPN Network Node Specifications Lizenzen zu erwerben.

Zugegeben, Mama Blue hat neben dem eigenen Netbios auch Multiprotokoll-Stacks für andere Netzwerkprotokolle wie IPX, TCP/IP und OSI/TP4 angekündigt, nur wann die kommen, ist fraglich. Zugeständnisse an OSI und weitere Standards wurden darüber hinaus im Netz-Management bei SNMP und CMIP sowie auf der Anwendungsebene bei FTAM, X.400, Telnet und dem File Transfer Protocol gemacht. Auch hier hält sich das Unternehmen mit konkreten Terminangaben verdächtig zurück. Oft genug hat IBM den Anwendern ja schon das Blaue vom Himmel versprochen, sie dann aber schmählich allein im Regen stehen lassen.

Grund zur Freude werden wahrscheinlich zunächst nur die eingefleischten IBM-Fans haben, die aufgrund der ersten APPN-Produkte in ihrer blauen Welt mehr Freiräume erhalten. Ob es dem angeschlagenen Riesen aber wieder einmal gelingt, einen proprietären Standard bei den mittlerweile nicht mehr ganz so hörigen Drittanbietern erfolgreich durchzusetzen, bleibt abzuwarten.

Die Macht der Gewohnheit deutet daraufhin. pg