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02.04.1993 - 

IBM liefert "Intellectual Property Package"

APPN kontra APPI: Anwender wollen Loesungen - keinen Sieger

Noch vor wenigen Wochen hatten beide Hersteller auf der diesjaehrigen Interop fuer ihre jeweiligen Protokollvarianten lautstark die Werbetrommel geruehrt und - jeder fuer sich - in Anspruch genommen, die offenere und im Markt besser unterstuetzte Loesung zur Verbindung von SNA- und TCP/IP-Komponenten ueber ein identisches Backbone anbieten zu koennen. Die Reaktion der Messebesucher, aber auch die juengste Entwicklung im US- Internetworking-Markt zeigen indes nach Auffassung von Branchen- Insidern, dass beide Kombattanten nur wenig Boden gut machen konnten und sich an eine Koexistenz beider Protokollphilosophien gewoehnen muessen.

So haetten sowohl Big Blue als auch der kalifornische Marktfuehrer im Router-Business in der mit viel Marketing-Aufwand betriebenen Auseinandersetzung um die APPN-Lizenzierung beziehungsweise um die "offene Alternative" APPI lediglich ihre Heimspiele gewonnen und die durch entsprechende DV-Altlasten und Investitionsschutz bereits gebundenen Anwender mit Migrationsmoeglichkeiten beeindruckt. Im Klartext: APPN gewinnt als Erweiterung der Peer- to-peer-Funktionalitaet von SNA zunehmend Boden bei True-Blue-Anwendern, waehrend das von Cisco Systems entwickelte APPI vor allem bei Unternehmen mit ueberwiegend heterogenem Umfeld auf Interesse stoesst, die zwar auf ein erweitertes SNA-Routing setzen, gleichzeitig jedoch nicht die komplexen APPNNodes in ihren TCP/IP-Backbones beziehungsweise -Routern implementieren wollen.

Unabhaengig davon ist es der IBM jedoch offensichtlich gelungen, zumindest ihre lange Zeit die Gemueter erhitzende Lizenzierungspolitik in Sachen APPN ohne erkennbare Zugestaendnisse aus dem Kreuzfeuer der Kritik zu bringen.

So steht zwar offiziell immer noch die stattliche Summe von 400 000 Dollar pro APPN-Network-Node-Lizenz im Raum, seit einigen Wochen offerieren jedoch die Strategen in Armonk interessierten Entwicklern und OEMs unter dem Label eines "Intellectual Property Package" ohne Preisangabe das Patent beziehungsweise Urheberrecht und wohl auch die notwendigen Spezifikationen fuer die Entwicklung eigener APPN-Implementierungen.

Als bislang einzige Networking-Company erwarb die in London ansaessige Data Connection Ltd. (DCL) Big Blues neu geschnuertes APPN-Paket. Die britischen Connectivity-Softwarespezialisten wollen als erste einen eigenen APPN-Network-Node entwickeln und anderen Internetworking-Firmen zur Implementierung in diverse Komponenten anbieten. Gelingt dies, koennte die IBM nach Ansicht von Insidern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Quasi ueber Nacht waere jeder weiteren Diskussion ueber Lizenzierung und Freigabe der APPN-Spezifikationen die Grundlage entzogen, und man haette erreicht, womit sich derzeit Cisco Systems im Zusammenhang mit APPI bruestet, naemlich ausreichende Akzeptanz bei Entwicklern und OEMs.

Den Kaliforniern - lange Zeit zumindest Punktsieger bei den Kommentatoren der Fachpresse - scheint ohnehin langsam, aber sicher der selbst verursachte APPI-Wind ins Gesicht zu blasen. Dem Mitte vergangenen Jahres von Cisco initiierten APPI-Forum schliessen sich zwar staendig neue Mitglieder an, mit der Praesentation einer wirklich offenen, herstelleruebergreifenden APPI-Spezifikation sei aber, so die vermehrten Klagen aus Anwender- und Entwicklerkreisen, fruehestens 1994 zu rechnen. Hinzu kaeme der bis dato nicht verfuegbare, aber versprochene Support der APPN-Network-Nodes in einem heterogenen Umfeld, bei dem beide Protokollvarianten zum Einsatz kaemen.

"Solange ueber die eigentlichen APPI-Features Unklarheit besteht, ist es absehbar, dass sich SNA-Anwender in Richtung APPN orientieren, auch solche, die es gar nicht muessten", gibt Harold Hauck, Berater beim kalifornischen Marktforschungsunternehmen Open Systems Consulting, die Stimmung im US-amerikanischen Internetworking-Markt wieder. Ihm sekundiert Jeremy Duke von Dataquest mit der Feststellung: "APPI hat eine solide Basis, aber noch einen weiten Weg vor sich." Einig sind sich Experten wie Anwender in einem Punkt: IBM und Cisco Systems sollten ihre Rivalitaet begraben und gemeinsam an der Loesung der Connectivity- Probleme ihrer Kundschaft arbeiten.