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13.08.1993

Arbeitsgruppe fuer 100Base-VG will schon Anfang 1994 Draft vorlegen Das Tauziehen um Fast Ethernet geht in eine weitere IEEE-Runde

FRAMINGHAM/MUENCHEN (pg) - Keine Klarheit in Sachen Fast Ethernet hat die juengste IEEE-Sitzung gebracht. Entgegen der Erwartung vieler Insider ist bei der Abstimmung im 802.3-Gremium keine Entscheidung zugunsten eines der beiden konkurrierenden Entwuerfe gefallen, der dann als Basis zur Normierung des 100-Mbit/s- Verfahrens ueber Kupferkabel gedient haette.

Einen Rueckschlag in der Entwicklung der 100-Mbit/s-Netzwerk- Technologie sowie gebremste Migrationsabsichten und Konfusion beim Anwender befuerchten Marktbeobachter als Reaktion auf den IEEE- Beschluss. Obwohl allgemein mit einer definitiven Entscheidung des Ethernet-Ausschusses fuer eines der beiden Proposals gerechnet wurde, konnte keines der beiden Interessenlager eine Mehrheit von 75 Prozent auf seinen Entwurf vereinigen. Statt dessen beschloss das Gremium die Weiterentwicklung der zwei Spezifikationsentwuerfe in Arbeitsgruppen des IEEE.

Das Tauziehen der beiden "Konsortien" unter Fuehrung von Hewlett- Packard und AT&T auf der einen sowie 3Com und Synoptics auf der anderen Seite wird also weitergehen. Der Knackpunkt der Diskussion liegt in erster Linie im Media Access Control Layer (MAC). Waehrend die Gruppe um 3Com einen traditionellen Ethernet-Ansatz vertritt, das heisst vor allem am Zugriffsverfahren CSMA/CD festhalten will, basiert der HP-Entwurf mehr auf dem Token-Passing-Verfahren.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Nutzung der Kabeladern. Im Gegensatz zu CSMA/CD, das die bidirektionale Verbindung von Hub und Netzknoten bei der sternfoermigen 10Base-T-Verkabelung erfordert, nutzt der 100-Base-VG-Ansatz von HP vier Adernpaare unidirektional. Das bedeutet, dass bei der HP-Loesung der Hub den Zugriff auf das Netz steuert.

Insider, die im Vorfeld der IEEE-Sitzung dem 3Com-Vorschlag die besseren Chancen einraeumten, sehen auch jetzt noch viele Fragezeichen hinter den HP-Richtlinien. Zum Beispiel sei nicht geklaert, wie gut das Bridging zwischen dem Fast Ethernet von HP und 10-Mbit/s-Ethernet funktioniere. Dagegen muesse beim Bridging von High-speed-CSMA/CD-Versionen auf das herkoemmliche Ethernet lediglich ein Parameter veraendert werden.

Kritik ueben die Analysten auch an der Signalisierungstechnologie mit acht Adern. Zwar wuerden die meisten Unternehmen mehr als vier Adernpaare zu ihren Endgeraeten fuehren, haeufig aber schon fuer andere Zwecke nutzen. Ein weiteres Argument richtet sich gegen die notwendige Aenderung von Treibern, Applikationen, Adapterkarten und Internetworking-Komponenten.

Die Einwuerfe weist das Konsortium um HP und AT&T jedoch zurueck. Das 100Base-VG-Konzept verwende, so Georg Bernskoetter, Programm- Manager PC-Netze bei HP in Deutschland, das gleiche Ethernet- Format, wodurch Treiber fuer Ethernet-Adapter leicht an die neue Technologie angepasst werden koennten. Ausserdem sei der Uebergang von 10 Mbit/s auf 100 Mbit/s durch Bridging auf Level-2 einfach zu loesen und koenne durch den Hub jeder Station eine gewisse Bandbreite zugeordnet werden.

Bernskoetter glaubt, dass sich am Markt das Proposal als Standard durchsetzen wird, das am schnellsten zum Einsatz kommt. Die 100Base-VG-Arbeitsgruppe will deshalb bereits Anfang 1994 dem IEEE einen Draft-Entwurf vorlegen. Bernskoetter: "Es ist nicht schlecht, wenn der Markt selbst ueber einen Standard entscheidet."

Anderer Ansicht ist dagegen Dieter Steuer, Geschaeftsfuehrer der auf Vernetzung spezialisierten DOK-Systeme GmbH in Hannover. Er raet allen Anwendern, momentan von 100-Mbit/s-Ethernet die Finger zu lassen, weil die Erfahrungswerte nur auf theoretischen Untersuchungen beruhen. Ausserdem, so Steuer, wuerde Fast Ethernet besser auf ungeschirmten Kabeln funktionieren, in Europa seien aber wegen der elektromagnetischen Vertraeglichkeit geschirmte Kabel Vorschrift. Steuer: "Wer risikofrei mit 100 Mbit/s arbeiten will, der muss Glasfaser 10Base-F nehmen."