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06.07.1990 - 

IZT stellt neue Studie vor

Arbeitsorganisation verhindert oft die Einführung von Telearbeit

BERLIN (CW) - Auch wenn der massenhafte Auszug aus dem Büro ins eigene Heim in naher Zukunft nicht zu erwarten ist, so wird es doch höchst differenzierte Formen von dezentraler Telearbeit geben. Ihre Verbreitung in den unterschiedlichen Branchen, aber auch die Trends wurden jetzt in einer Untersuchung vorgestellt.

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin (IZT) führte im Auftrag des Rationalisierungs-Kuratoriums der Deutschen Wirtschaft (RKW) eine empirische Studie zum Thema "Zukunft der Telearbeit" durch, die Ende 1989 abgeschlossen wurde.

Die räumlichen und zeitlichen Verlagerungen von Tätigkeiten mit Hilfe neuer Techniken nehme von Jahr zu Jahr zu, stellten die IZI-Wissenschaftler fest: Von den 819 Unternehmen, die auf eine erste schriftliche Umfrage im Jahre 1985 geantwortet hatten, gaben 186 Unternehmen an, eine Dezentralisierung mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken geplant (81 Unternehmen) und vollzogen (105) zu haben. Zwei Jahre später sah das Ergebnis dann so aus: 187 Unternehmen hatten die Dezentralisierung vollzogen und 144 planten eine solche.

Während der Anteil der Unternehmen, für die Planung oder Durchführung von Dezentralisierungen aktuell ist, in den Bereichen "produzierendes Gewerbe" und "sonstige Dienstleistungen" fast gleich sei, nehme der Prozentsatz von Unternehmen mit geplanten Dezentralisierungen in der "Geld- und Versicherungswirtschaft" mit 45,1 Prozent gegenüber jenen Unternehmen, die bereits Dezentralisierungen vollzogen haben (40,7 Prozent), zu. Abgenommen habe dagegen die Quote von 16 Prozent bei vollzogener auf 13,2 Prozent bei geplanten Dezentralisierungen im Bereich "öffentliche Dienstleistungen".

Daraus zieht das lZT den Schluß, daß in der Geld- und Versicherungswirtschaft der Einsatz von luK-Techniken zur Dezentralisierung von Angestelltentätigkeiten zunehmen, im öffentlichen Dienst dagegen an Bedeutung verlieren werde.

Als Formen der Dezentralisierung bezeichnet das IZT:

- mobile Telearbeit,

- Verlagerung von Aufgaben auf Außenstellen,

- Dezentralisierung innerhalb der Betriebsstätte,

- Auftragsvergabe an Fremdfirmen sowie

- Teleheimarbeit.

Die Unternehmen bevorzugten in diesem Zusammenhang laut IZT-Untersuchung die Dezentralisierung innerhalb der bestehenden Betriebsstätte (71,1 Prozent), die Verlagerung von Aufgaben auf Filialen (44,9 Prozent) und die Auftragsvergabe an Fremdfirmen (38,5 Prozent).

Am leichtesten lassen sich aus IZT-Sicht Sachbearbeitungs-Tätigkeiten dezentralisieren. Von den 187 Unternehmen mit eingeführter Telearbeit gaben 53,9 Prozent an, im obengenannten Gebiet umstrukturiert zu haben (wobei mit diesen Tätigkeiten vor allem Buchhaltung und Statistik gemeint sei). Es folgen Datenerfassung und Datenverarbeitung mit je 44,6 Prozent.

Nahezu geräuschlos vollzieht sich, so die IZT-Analyse, in den Unternehmen ein Prozeß der Vernetzung und Flexibilisierung, bei dem Telearbeitsformen als Trendverstärker wirkten. Daraus ergäben sich folgende Entwicklungstrends:

- Nicht nur minderqualifizierte Tätigkeiten sind für Telearbeit geeignet. Vor allem qualifizierte Beschäftigte, für die eine örtliche Trennung von der Zentrale mindestens zeitweise notwendig ist, werden in zunehmendem Maß von der Telearbeit Gebrauch machen.

- Neben dem klassischen Unternehmensziel "Produktivitätssteigerung" tritt das Ziel "Erhöhung der Unternehmensflexibilität in den Vordergrund. Auch die Unternehmensziele" Verbesserung der Arbeitsorganisation, der Information und Kommunikation" werden aufgrund der verbesserten Telekommunikations-Struktur gefördert.

- Nicht Kostenprobleme behindern die Einführung dezentraler Telearbeitsformen, sondern die Mensch-Technik-Arbeitsorganisation. Faktoren wie Standardisierung und Umorganisation der Aufgabeninhalte und sozial-personelle Faktoren wie Einarbeitung des Personals und Verantwortungsübernahme bilden wichtige Problembereiche bei der Einführung dezentraler Telearbeitsformen.

- Stärker als bisher werden die Unternehmen ihre Zuliefer- und Service-Struktur auf "selbständige" Subunternehmen abstellen. Diese sind dann über Inhouse- oder öffentliche Netze an die Zentrale angebunden. Der Trend zu einer inner- und überbetrieblich "telematisch" vernetzten Unternehmensstruktur ist national und international im Gange. Über die Möglichkeiten der zukünftigen Nutzung von ISDN oder gar von Breitband-Kommunikationsnetzen gibt es kaum konkrete Planungen.

- Für die Dezentralisierung durch Telearbeit benützen die Unternehmen in erster Linie die etablierten Dienste der Bundespost: Telex, Telefax, Datennetz mit festgeschalteten Leitungen (HfD), Datex-P, Teletex und Bildschirmtext. Die Zukunftsplanungen sehen kaum noch Ausweitungen bei Telex- und HfD-Leitungen vor, aber eine wachsende Nutzung von Mailbox, Teletex, Telefax und Btx sowie Datex-P und Datex-L.

- Verstärken wird sich auch der Trend zur Auftragsverlagerung auf Fremdfirmen über Telearbeitsformen etwa in die Zulieferindustrie oder in Dienstleistungsunternehmen, die Software erstellen.

Für die Gewerkschaften, so das IZT, müsse es jetzt heißen: Nicht wegtauchen vor den Problemen, sondern gestaltend mitwirken. Die Mitgestaltung durch die Arbeitnehmerschaft sollte schon im Stadium der Initiierung neuer technischer Systemkonzepte und neuer Formen der Arbeitsorganisation einsetzen.