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20.11.1981 - 

Mehrleistung mit bestehendem Mitarbeiterstamm bedeutet fiktive Personaleinsparung, Teil II:

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Enthielt Teil I des Beitrags über Informationstechnik und Arbeitsmarkt allgemeine Überlegungen zur heutigen Position der Informationstechnik einerseits innerhalb der Arbeitswelt, andererseits im Vergleich zu anderen bekannten Techniken, so wird der folgende Abschnitt globale Beschäftigungswirkungen der Informationstechnik behandeln.

Der Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt, Unternehmen und technischem Fortschritt läßt sich, wie in Abbildung 1 gezeigt, darstellen. Aus der Bevölkerungsentwicklung beziehungsweise der Jahrgangsfolge (1) resultiert ein wirksames Arbeitsangebot ( SYMBOL 174 \f "Symbol"° Arbeitsuchende) (2); dieses Arbeitsangebot führt in Verbindung mit der wirksamen Arbeitsnachfrage (3) zu den gesamten Einstellungen der Beschäftigung (4).

In jeder Zeit ist nun aber ein Teil der jeweiligen gesamten (Neu-)Einstellungen auf den sogenannten technischen Fortschritt - und zwar auf dessen Erweiterungseffekte - zurückzuführen, also solcher Effekte, die nicht innerbetrieblich befriedigt werden können. Änderungen in den Arbeitsabläufen, der Arbeitsorganisation und den Qualifikationsanforderungen innerhalb der Betriebe und Verwaltungen bedingen, daß durch technischen Fortschritt zusätzlich erforderliche Arbeitskräfte regelmäßig zu einem großen Teil auf dem externen Arbeitsmarkt rekrutiert werden müssen und eben nur teilweise aus der eigenen Belegschaft (5) gewonnen werden können.

Neue Aufgaben - neue Leute

In bezug auf die Einführung neuer Informationstechniken kommt mithin eine zusätzliche marktwirksame Arbeitskräftenachfrage zustande: Weil entweder betriebs- oder behördenintern nicht verfügbare Fachkräfte für die Anwendung dieser Technik benötigt werden oder weil neue, zusätzliche Märkte durch neue Produkte erschlossen werden. Die entsprechenden Personalströme sind in Abbildung 1 gerastert.

Sowohl DV-bedingte produkt- als auch produktionstechnische Änderungen können daher potentiell arbeitsplatzschaffend sein.

Dies gilt auch für den öffentlichen Bereich, da der DV-Einsatz die Inangriffnahme von neuen Aufgaben erlaubt; zu denken ist hier beispielsweise an die Anlage von Landschaftskatastern und die Kartierung von Lage und Verlauf von Leitungen öffentlicher Versorgungsunternehmen.

Diesen positiven, im Sinne von arbeitsplatzschaffenden Effekten des technischen Fortschritts stehen nun aber auch negative, im Sinne von freisetzenden Effekten gegenüber und zwar

- zum einen die tatsächlichen Personaleinsparungen durch Rationalisierung (diese führen zu effektiven Entlassungen) (6) und

- zum anderen die fiktiven Personaleinsparungen, die sich daraus ergeben, daß sich das Leistungs- oder Umsatz-/Beschäftigten-Verhältnis infolge DV-Anwendung vergrößert und man mit der alten Personalstärke in größere Kapazitäten hineinwachsen kann. Diese Freisetzungseffekte, die allein durch die Änderungen der Produktionstechnik bewirkt werden, sind in Abbildung 1 schwarz eingezeichnet.

Die aus dem Arbeitsverhältnis Ausgeschiedenen finden entweder eine Folgebeschäftigung (7), ziehen sich aus dem Erwerbsleben ganz zurück (8 und 9) oder vermehren über die Arbeitslosigkeit (10) wiederum die Zahl der Arbeitsuchenden, womit der Kreislauf geschlossen und der Zusammenhang zwischen dem technischen Wandel und dem Beschäftigungssystem deutlich wird.

Was hier nun zunächst interessiert, ist eine Spezifizierung des durch den vermehrten und intensiveren Einsatz der Informationstechnik hervorgerufenen Saldos dieser Effekte, also der globalen Beschäftigungswirkungen .

Grundsätzlich ist es zur Abschätzung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte erforderlich, diese Effekte einmal aus der Sicht des Produktes DV und zum anderen aus der Sicht des Produktionsmittels DV zu analysieren, somit die Janusköpfigkeit zu berücksichtigen.

Die Informationsindustrie ist eine dynamische Wachstumsbranche; gleichwohl zielt unser Hauptaugenmerk auf die beschäftigungsmäßigen Auswirkungen des Einsatzes der modernen Informationstechniken als Produktionsfaktor.

Chips von draußen

Dies um so mehr, als die Beschäftigungswirkungen der steigenden Produktion an DV-Anlagen im Ausland vor allem in den USA und Japan, liegen dürften; denn in den letzten fünf Jahren übersteigen nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft die Importe von integrierten Schaltungen, den wesentlichen Bausteinen von Computern, unsere heimische Produktion um das Dreifache.

In die gleiche Richtung weist auch eine Schätzung dieses Institutes, derzufolge in den nächsten zwei Jahren die hiesige wertmäßige Produktion an Mikroprozessoren um 25 Prozent steigen wird, während der Verbrauch um rund 80 Prozent ansteigen dürfte. Das heißt, die Auswirkungen des Einsatzes der DV als Produktionsmittel dürften zumindest für die Bundesrepublik die vergleichsweise relevanteren sein, wenngleich die Beschäftigungseffekte bei deutschen DV-Herstellern nicht zu vernachlässigen sind.

Um nun die Auswirkungen der Informationstechnik auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu ermitteln, wurde von einer Projektgemeinschaft bestehend aus dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, dem Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung sowie Infratest Wirtschaftsforschung, ein Katalog technologischer und ökonomischer Kriterien erarbeitet, anhand dessen die branchenmäßige "Betroffenheit" der DV-Anwendung ermittelt wurde 7).

Die Branchenbetroffenheit wurde dadurch ermittelt, daß für 21 Verfahren und Arbeitsabläufe (beispielsweise automatisches Konstruieren, Fertigungsplanung, Fertigungssteuerung, Lagerdisposition, Materialbestandskontrolle) bei einer repräsentativen Auswahl von Unternehmen und Behörden nach den Einsatzmöglichkeiten der Datentechnik gefragt wurde. Der dabei deutlich werdende Grad der Branchenbetroffenheit wurde auf eine zehnteilige Skala übertragen.

Als Ergebnis dieser Analyse wurden die Branchen und Wirtschaftsbereiche in eine Rangordnung gebracht, an deren Spitze diejenigen Branchen stehen, die von technischen, das heißt, insbesondere informationstechnischen Einflüssen am stärksten betroffen sind.

In einem weiteren Schritt wurde dann dieser Technikeinfluß noch mit der Zahl der jeweiligen Beschäftigten gewichtet. Die nachfolgenden Tabellen - eine davon finden Sie in der heutigen Folge veröffentlicht - zeigen die Rangordnungen, die sich aufgrund dieses "gewichteten Technikeinflusses" ergeben haben.

In Spalte 2 und 3 sind der ungewichtete Technikeinfluß und die Beschäftigtenzahlen aufgeschrieben. Tabelle 1 bezieht sich auf den Technikeinfluß im Büro- und Verwaltungsbereich. Betrachtet man zunächst nur den Büro- oder Verwaltungsbereich, lautet die Reihenfolge nach Maßangabe der funktionalen Betroffenheit 9):

Anmerkungen

7) Vgl. Projektgemeinschaft, insbesondere Materialband I.

8) Vgl. dazu Hof, B., Neue Technologien - Chancen für mehr Beschäftigung, Beiträge zu Wirtschafts- und Sozialpolitik 92, Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln 1981, S. 13 f

9)Ebenda, S. B 18 bzw. B 16. Wird fortgesetzt