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27.11.1981 - 

Noch keine ausreichend breite empirische Basis für den Fertigungsbereich, Teil 111:

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Die Betrachtung der globalen Beschäftigungswirkungen der Informationstechnik endete in der letzten Folge mit einer Tabelle über die Rangfolge der Branchen nach dem mit den Beschäftigtenzahlen gewichteten Einfluß der Informationstechnik im Büro- und Verwaltungsbereich (Tabelle l). Der folgende Abschnitt beginnt mit einer Tabelle über denselben Einnuß dieser Technik auf den Fertigungsbereich (Tabelle 2).

Wie schon in der vorigen Tabelle, so spiegeln auch in Tabelle 2 die Spalte 2 den ungewichteten Technikeinfluß und Spalte 3 die absoluten Beschäftigtenzahlen wider.

Hinsichtlich des Einflusses der Informationstechnik in der Fertigung sind danach die folgenden Branchen besonders wichtig (es handelt sich vor allem um Branchen der Investitionsgüterindustrie)

- Maschinenbau,

- elektrotechnische Industrie,

- Straßenfahrzeugbau,

- feinmechanische und optische sowie Uhrenindustrie,

- Büromaschinen- und Datenverarbeitung,

- Druckerei- und Vervielfältigungsindustrie.

Die in der zweiten Tabelle zum Ausdruck kommende hohe Bedeutung des tertiären Sektors (Staat, Handel, Dienstleistung einschließlich Wohnungsvermittlung) ist eine Folge der hohen Beschäftigungszahlen und geht nicht auf starke Technikeinflüsse zurück. Orientiert man sich nur an den Technikeinflüssen im kaufmännischen Bereich, dann ändert sich zwar die Rangfolge, aber die hauptsächlich in das Kalkül einzubeziehenden Branchen bleiben im wesentlichen die gleichen. Obwohl die Bereiche Handel und Staat im Bürobereich sehr stark betroffen sind, resultiert ihre Spitzenstellung auch hier wieder aus den hohen Beschäftigtenzahlen. Hervorragend sind wiederum die Investitionsgüterbranchen und zusätzlich die Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, die der obigen Liste anzufügen sind.

Betrachtet man diese Reihenfolgen, insbesondere die der Betroffenheit durch die neue Technik im Fertigungsbereich, so kommt man zu einem interessanten Ergebnis, nämlich dem, daß die branchenmäßigen Wachstumsperspektiven mit der tatsächlichen und erwarteten DV-Betroffenheit positiv korrelieren das heißt, die Branchen, die gemeinhin zu den Wachstumsbranchen gezählt werden, sind die, die auch am intensivsten von den neuen Informationstechnologien berührt werden oder von ihnen profitieren.

Der erste, grobe Eindruck ist also a dem Produktivitätspotential dort, wo es am größten ist beziehungsweise eingeschätzt wird, ein überdurchschnittliches Wachstumspotential gegenübersteht (l0). Das aber würde bedeuten, daß aus der einfachen Gleichung nicht eindeutig auf die zukünftige Entwicklung der Beschäftigung geschlossen werden kann. Zwar ergibt sich wegen

A EXP(pot) = y EXP(pot)/pi EXP(pot)

bei steigender Produktivität eine geringere Beschäftigung, aber nach Lage der Dinge können gerade in denjenigen Branchen, in denen große informationstechnische Innovationen vorgenommen werden (können), die dadurch möglichen Freisetzungseffekte durch erhebliche Produktionsausweitungen kompensiert (l 1) werden.

Vorsichtig interpretiert lassen bisher vorliegende, hier zwangsläufig nur grob skizzierte empirische Befunde die nachfolgenden Tendenzaussagen zu:

I Die Branchen Maschinenbau, elektrotechnische Industrie und Büro- und Datenverarbeitungsindustrie werden in den kommenden Jahren in ihrer Eigenschaft als Hersteller informationstechnischer Produkte sehr günstige Expansionsmöglichkeiten haben. Dies hängt damit zusammen, daß diese Branchen nicht nur von den Produktivitätsgewinnen profitieren, sondern ihre Produktion beziehungsweise ihren Absatz trotz starker ausländischer Konkurrenz erheblich werden ausweiten können.

Il Diejenigen in der Spitzengruppe der DV-betroffenen Branchen, die schwergewichtig zu den Anwendern zu zählen sind, insbesondere Straßenfahrzeugbau und Druckereiindustrie, müssen mit einer langsameren, nur knapp über dem allgemeinen Trend liegenden Expansion rechnen, da sich in diesen Bereichen die Produkte und das Absatzvolumen aufgrund des DV-Einsatzes zunächst nicht oder kaum ändern. Allerdings wird in diesen Branchen der allgemein kräftige Produktivitätsfortschritt infolge von DV-Anwendung zu Netto-Freisetzungseffekten führen.

III In den Sektoren, die sowohl Hersteller als auch Anwender der Datentechnik sind, wie etwa Maschinenbau oder Metallverarbeitung, dürften durchweg positive Beschäftigungseffekte ausgelöst werden. Angesichts der Zahl der in den verschiedenen Branchen tätigen respektive betroffenen Personen werden die positiven Effekte allerdings quantitativ nicht ausreichen, um einen gesamtwirtschaftlich leichten Beschäftigungsrückgang zu kompensieren. Massenentlassungen sind allerdings nicht zu befürchten - außer im Falle sehr massiver gesamtwirtschaftlicher Wachstumseinbrüche.

Diese Tendenzen gelten für den Fertigungsbereich und haben insofern einen spekulativen Charakter als sich die Abschätzung dieser Auswirkungen bislang noch nicht auf eine ausreichend breite empirische Basis stützen kann.

Betroffene Angestellte

Eine Einschätzung der Auswirkungen der Informationstechnik im Büro-Verwaltungsbereich steht dagegen auf vergleichsweise sicheren Füßen; denn dieser Bereich ist seit längerer Zeit in großem Umfang das dominierende Anwendungsgebiet der sich progressiv entwickelnden Technik.

Die Auswirkungen in den administrativen Bereichen sind besonders intensiv vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untersucht worden (12). Die folgende Tabelle weist die Personalbewegungen der Angestellten in Abhängigkeit verschiedener Technikänderungen aus und zeigt ganz deutlich das Volumen der EDV-bedingten Personalbewegungen und das Überwiegen negativer Beschäftigungseffekte.

Anmerkungen:

10) Vgl. dazu Projektgemeinschaft, Materialband 11, Teil C, Mikroelektronik und Datentechnik im Produktionsbereich ausgewählter Industriezweige, insbesondere S. C 4 ff.; dort wird freilich auch betont, daß neue Produkte alte Produkte häufig substituieren, gesamtwirtschaftlich daher die Expansion überschätzt werden kann.

11) Zu den theoretischen Kontroversen um Freisetzung und Kompensation in der Volkswirtschaftslehre siehe Mettelsiefen, B., Technischer Wandel und Beschäftigung, Rekonstruktion der Freisetzungs- und Kompensationsdebatten, Frankfurt-New York 1981, S. 39 ff.

12) Siehe etwa Dostal, W., Freisetzungen von Arbeitskräften im Angestelltenbereich aufgrund technischer Änderungen, in: MittAB 11 (1978), S. 19-33.

13) Ebenda, S. 24.