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04.12.1981 - 

DV In der Reife- und Diversifikationsphase ihres spezifischen Lebenszyklus, Teil IV:

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Massenentlassungen im Fertigungsbereich als Folge der Immer weiter vordringenden modernen Informationstechnik sind nicht zu befürchten - außer im Falle sehr massiver gesamtwirtschaftlicher Wachstumseinbrüche. So lautete eine der Zentralaussagen des vorangegangenen dritten Teils. Der Abschnitt schloß mit einer Tabelle über die Personalbewegungen von Angestellten in Abhängigkeit verschiedener Technikänderungen.

Die Tabelle zeigte, daß die Einführung der EDV die bedeutendste einzelne Einflußgröße für Bewegungen im Angestelltenbereich ist. Ein Drittel der Personalbewegungen im Angestelltenbereich ist auf EDV-Einführung zurückzuführen.

Aus dieser in der Vergangenheit beobachteten -Entwicklung kann man mit ziemlicher Sicherheit schließen, daß im Bürobereich viel eindeutiger als - bislang (!) - im Fertigungsbereich die Informationstechnik Produktivität und Beschäftigung bestimmt.

Mit anderen Worten: Der Ansatzpunkt für bedeutende Freisetzungen als Folge der Informationstechnik liegt derzeit und in absehbarer Zukunft Im Angestelltenbereich. Nach unseren bisherigen Überlegungen ist dies im übrigen nur folgerichtig, denn der Verwaltungsbereich profitiert kaum von positiven, expansiven Trends einer Branche, wohl aber lassen sich Büroarbeiten immer rationalisieren.

Ob dieser ganz unzweifelhaft vorhandene Freisetzungsdruck in den nächsten Jahren nun allerdings zuoder abnehmen wird, hängt davon ab, ob

1. mit einer Beschleunigung der technischen Entwicklung in diesem Bereich zu rechnen ist, und ob

2. eine Vergrößerung des Wirkungspotentials der Informationstechnik zu erwarten ist.

Zur Beantwortung der ersten Frage ist es zweckmäßig, auf die Lebenszyklustheorie von Produkten zu rekurrieren.

Technische Entwicklung verstetigt

Die DV kann wie jede Ware als ein Produkt angesehen werden, und wie jedes Produkt muß sie dann einen "Lebenszyklus" durchlaufen.

Fragt man so nach dem Entwicklungsstand des "Produktes DV", dann kann man wohl sagen, daß es sich in der Reife- und Diversifikationsphase seines spezifischen Lebenszyklus befindet. In Abb. 2 wäre dies das Kurvenstück in der Zone III:

Die Startphase (I) und die Phase progressiver Expansion (II) sind vorbei, die DV-Technik ist differenzierter, benutzerfreundlicher und vielgestaltig geworden. Wenn diese Einschätzung richtig ist, dann ist mit einer Beschleunigung der technischen Entwicklung nicht mehr zu rechnen.

Die zweite Frage nach der Vergrößerung des Wirkungspotentials ist gleichbedeutend mit der Frage nach neuen großen Anwendungsgebieten. Das erste dieser Anwendungsgebiete war Ende der fünfziger Jahre der Universalrechner.

Vor etwa fünf bis zehn Jahren wurde die Anwendungsschwelle zur arbeitsplatzorientierten DV-Technik überschritten, deren starke Ausweitung wir gegenwärtig beobachten. Die vorliegenden Ausstattungsbefunde in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung deuten darauf hin, daß auch in diesem Bereich - wie aus dem folgenden Schaubild zu ersehen ist - der erste Sturm, die Phase exponentiell wachsender Anwendung vorüber ist.

Dies gilt allerdings mit einer Einschränkung: Mit einem nochmaligen deutlichen Rationalisierungsschub sowohl im gewerblichen als auch im öffentlichen Sektor wird man rechnen müssen, wenn in schätzungsweise drei bis fünf Jahren Techniken der integrierten Daten- und Textverarbeitung "marktreif" geworden sind.

Alles in allem spricht aber vieles dafür, daß die Entwicklung der Informationstechnik im Verwaltungsbereich in den nächsten Jahren wohl weiterhin schnell, mit großer Wahrscheinlichkeit aber nicht schneller als bisher verlaufen wird.

Das heißt, hinsichtlich der Beschäftigungswirkungen im Bürobereich können die Trends der Vergangenheit wie auch für die mittlere Zukunft als gültig angesehen und in leicht abgeschwächter Form fortgeschrieben werden. Aus diesem Grunde darf man folgende Entwicklungen erwarten:

1. Die durch die Informationstechnik bewirkten Produktivitätsfortschritte im administrativen Bereich führen dazu, daß vermehrt Angestellte ihre alten Arbeitsplätze verlieren,

2. Selbst bei mäßigem gesamtwirtschaftlichen Wachstum sollten diese freigesetzten Arbeitskräfte aber wieder in den gleichen Branchen beschäftigt werden können, da die der neuen Technik zugänglichen Branchen diejenigen mit den relativ besten Wachstumsperspektiven sind.

In bezug auf die globalen, den Fertigungs- und Verwaltungsbereich umfassenden Beschäftigungswirkungen wird man daher zu dem Schluß kommen, daß die These, derzufolge die moderne Informationstechnik per Saldo Arbeitsplätze vernichtet und damit zu einer höheren allgemeinen Arbeitslosigkeit führt, wenn nicht falsch, so zumindest doch sehr grob und undifferenziert ist.

Richtig ist, daß im Zuge der Einführung der DV-Tätigkeiten mechanisierbar werden und damit Arbeitsplätze gespart und verändert werden können, es aber gleichzeitig gerade die Einführung der DV ist, welche durch ihre Kostenvorteile und die induzierten Produktinnovationen zu einem relativ starken Wachstum in den betroffenen Branchen führt. Dies hat zur Konsequenz, daß diese Branchen potentiell mehr Arbeitskräfte absorbieren als freisetzen. (Wird fortgesetzt)