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11.12.1981 - 

Neue Technik induziert nicht notwendig höherwertige Tätigkeiten (Teil V):

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Es ist keine weitere Beschleunigung der technischen Entwicklung zu erwarten, jedoch könnten Wachstumsimpulse von einer sich auf breiter Front durchsetzenden integrierten Daten- und Textverarbeitung ausgehen. Zu dieser Aussage gelangte die Untersuchung der globalen Beschäftigungswirkungen der DV im vorigen Abschnitt. Die Einführung der DV wird in den betreffenden Branchen zu einem relativ starken Wachstum führen und kann damit auch positive Arbeitsmarkteffekte zeitigen.

Das folgende Kapitel befaßt sich mit dem Wandel der Qualifikations- und Berufsstrukturen. Damit kommt die Untersuchung zu einem weiteren Fragenkomplex, nämlich zu dem bislang vernachlässigten Problem, daß die Einführung neuer Informationstechniken die Beschäftigten- und Qualifikationsstrukturen dynamisch verändert, und diesem Wandel keine ausreichende Flexibilität des Arbeitsangebots gegenübersteht. Die Aussage, daß die positiven Beschäftigungseffekte nur potentiell sind, beinhaltet nämlich, daß es Barrieren für das reale Wachstum und damit die tatsächliche Arbeitsnachfrage gibt. Diese Barrieren sind eine Folge der bereits erwähnten eigenartigen Verzahnung der Informationstechnik mit anderen Techniken.

Die Anwendung der DV im technischen und verwaltungsmäßigen Bereich erfordert neue Qualifikations- und Berufsstrukturen. Denn waren bisher die Tätigkeiten überwiegend "Vollfach"-Tätigkeiten wie etwa Dreher, Schweißer, Monteur, Buchhalter, Stenotypistin, Programmierer, Operator, überwiegen in ganz naher Zukunft Tätigkeiten, die - bildhaft formuliert - eine Naht oder einen Knoten zwischen zwei oder mehr traditionellen "Fach"-Arbeiten herstellen.

Datenverarbeitung ist, um ein Beispiel zu nennen, keine neue Buchhaltungstechnik, die vom Buchhalter in seinen traditionellen Tätigkeitsbereich übernommen werden könnte, sondern DV ist eine neue Technik die der Buchhalter beherrschen muß. Die Datentechnik verändert auch das Problem der Konstruktion oder der Einzelteilzeichnung nicht, wohl aber muß der Konstrukteur oder der technische Zeichner nun neben seiner gelernten Tätigkeit zusätzlich auch die Logik der Ein- und Ausgabe des Computers beherrschen und beides kombinieren können.

Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Informationstechnik auf die Beschäftigung hat die Projektgemeinschaft auch qualitative Wirkungen (14) anhand der Kriterien

- Arbeitskräftestruktur,

- Qualifikationsstruktur,

- Berufsstruktur,

- Tätigkeitsstruktur und

- Arbeitsanforderungen untersucht.

Es ist bereits deutlich geworden, daß die Folgewirkungen der Informationstechnik von der Produktivitätsentwicklung einerseits und der Produktionsentwicklung andererseits auf Branchenebene abhängen. Eine - zumindest grobe - Analyse der globalen Beschäftigungswirkungen konnte auch auf dieser disaggregierten Stufe durchgeführt werden; einer Analyse der qualitativen Wirkungen steht jedoch entgegen, daß es keine branchenbezogene Berufsstatistik gibt. Man muß sich daher auf Tendenzaussagen beschränken.

Stabiler Trend

Die Arbeitskräftestruktur, das heißt, das Verhältnis von Arbeitern zu Angestellten hat sich immer mehr zugunsten der Angestellten verschoben. Zu Beginn der sechziger Jahre betrug die Relation etwa 2:1, heute etwa 1:1.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Angestelltenanteils in den Branchen Maschinenbau, Straßenfahrzeugbau, elektrotechnische Industrie sowie Druckerei- und Vervielfältigungsgewerbe von 1962 bis 1980 (l 5).

In allen vier Branchen zeigt sich ein stabiler, zuletzt abgeflachter Trend. Die Ursache für diese Entwicklung ist, daß durch die moderne Technik vor allem einfache, repetitive körperliche und geistige Arbeiten substituiert werden können, also Arbeitsplätze wegfallen, die vornehmlich Arbeiter innehaben. Demgegenüber nehmen typische Angestelltentätigkeiten eher zu.

Hinsichtlich der Qualifikationsstruktur werden unterschiedliche, aber keineswegs unvereinbare Hypothesen vertreten. Einerseits ist deutlich, daß insgesamt der Facharbeiteranteil gegenüber dem Anteil der sonstigen Arbeiter, um nur einen bedeutsamen Indikator heranzuziehen, langfristig zunimmt. Dies würde dafür sprechen, daß neue Technologien "bessere" Arbeitsplätze induzieren. Tabelle 5 zeigt indes, daß diese Tendenz nicht einheitlich ist (16).

Während im Maschinenbau und in der elektrotechnischen Industrie der Anteil der Facharbeiter stetig ansteigt, geht er im Straßenfahrzeugbau und im Druckerei- und Vervielfältigungsgewerbe kontinuierlich zurück. Man muß davon ausgehen, daß für diese Unterschiede sehr spezifische Innovationsmöglichkeiten (man denke an die neue Satztechnik) verantwortlich sind. Das zeigt schon daß die andere wichtige Hypothese nämlich die Polarisierungshypothese, nicht so ohne weiteres übergangen werden kann (17). Denn erstens gibt es Branchen, in denen der Anteil der sonstigen Arbeiter sogar zugenommen hat, und zweitens ist auch nicht auszuschließen, daß trotz eines rückläufigen Anteils beispielsweise der ungelernten Arbeitskräfte, die Polarisierung, das heißt, die Qualifikationsdiskrepanz zunimmt (18).

Professor Dr. Bert Rürup lehrt an der Technischen Hochschule Darmstadt Volkswirtschaft (Finanzwissenschaft). Er hielt den hier abgedruckten Festvortrag auf dem IBM-Forum für Wissenschaft und Verwaltung am 15. September 1981. Für die COMPUTERWOCHE-Leser hat Rürup sein Referat von seinem Mitarbeiter Rolf Cremer überarbeiten lassen.