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18.12.1981 - 

Problem des qualitativen Wandels größer als das der quantitativen Arbeitsnachfrage, Teil Vl:

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstig

Mit der Frage, ob neue Techniken mit einer tendenziell höher zu veranschlagenden Qualifikation an davon betroffenen Arbeitsplätzen verbunden sind, beschäftigte sich der vorige Abschnitt. Eine eindeutige Aussage war nicht zu erbringen. Denn einerseits steigt im Zuge einer solchen Entwicklung beispielsweise der Facharbeiteranteil in verschiedenen Branchen: wie ein Blick etwa auf das Druckereigewerbe jedoch zeigt, hat die neue Satztechnik dort auch überlieferte Facharbeiter-Tätigkeiten verdrängt.

Angaben über Veränderungen der Berufsstruktur sind wenig aussagekräftig, interessanter dagegen ist eine Auswertung der Zusatzfragen im Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes (seit 1969) über das Merkmal "Tätigkeitsschwerpunkt" . "Vergleicht man die für 1976 geltende Tätigkeitsstruktur der Erwerbstätigen mit derjenigen von 1969, so ist eine nicht unbeträchtliche Veränderung feststellbar. Deutlich sichtbar wird, daß die unmittelbar auf die Herstellung bezogenen Tätigkeiten relativ abgebaut wurden. An ihre Stelle rückten in geringem Maße Reparatur- und Instandhaltungsaufgaben. Maschinenbedienungs-, -überwachungs- und -einstellfunktionen wurden dagegen nach den Mikrozensus-Daten unwesentlich ausgedehnt. In weitaus stärkerem Maße rückten an die Stelle der Herstellungsaufgaben Dienstleistungsfunktionen; das quantitative Gewicht dieser Funktionen wurde sogar stärker erhöht als das der verwaltenden, leitenden und planenden Funktionen.

Die zukünftig abnehmenden Tätigkeiten werden in der Hauptsache von ungelernten/angelernten Arbeitern durchgeführt. Die Kompensation freigesetzter Arbeit kann demnach nur über Tätigkeiten erfolgen, die einen qualifizierten Ausbildungsabschluß voraussetzen." (20)

Anpassungsdruck

Hinsichtlich der Arbeitsanforderungen ist eine ständige Abnahme körperlicher Belastungen und - korrespondierend - eine Zunahme sinnlich-nervlicher Belastungen zu verzeichnen. Bereits diese kurzen Überlegungen zeigen, daß die qualitativen Auswirkungen der Informationstechnik auf keinen Fall vernachlässigt werden können.

Im Gegenteil: Während die Analyse der globalen Beschäftigungswirkungen im vorhergehenden Abschnitt zu dem eher beruhigenden Ergebnis geführt hat, daß größere Nettofreisetzungen nicht befürchtet werden müssen, zeigt sich nun, daß ein erheblicher Anpassungsdruck auf der Seite des Arbeitsangebots besteht. Das Problem des qualitativen Wandels scheint größer als das der quantitativen Arbeitsnachfrage.

Vor dem Hintergrund der fehlenden Arbeitskräfte mit der notwendigen Qualifikation gewinnt die zweite These eine spezifischere Perspektive: Das grundlegende Problem besteht nämlich darin, daß durch die zu geringe Zahl DV-qualifizierter Arbeitskräfte und besonders durch die nicht ausreichende Qualifikation der DV-benutzenden Fachkräfte die Diffusion der Informationstechnik gebremst wird.

Dies hat zur Folge, daß die produktionstechnischen Veränderungen nicht vorgenommen werden können, die technische Qualifikation der Maschine ist dem verfügbaren Faktor Arbeit überlegen, und die möglichen Produktionsinnovationen werden nur verzögert vorgenommen, da die der neuen Technik komplementären Arbeitskräfte (noch) nicht zur Verfügung stehen.

Dies wirft ohne Zweifel beschäftigungspolitische Probleme auf, zumindest in der aktuellen Situation. Gleichzeitig darf man aber daraus schließen, daß die Ausbreitung der EDV per se keine Arbeitsplätze vernichtet, sondern eher im Gegenteil eine zusätzliche Nachfrage schafft, die derzeit allerdings nicht zu befriedigen ist.

Unter beschäftigungspolitischem Aspekt ist dies mittelfristig eine günstige Position, zeigt sich doch, daß die DV-gestützte Produktion von Gütern und Dienstleistungen einen Strukturwandel bewirkt, dessen eine Erscheinungsform die Schaffung neuer und neuartiger Arbeitsplätze ist, die mit an anderen Stellen freigewordenen Arbeitskräften besetzt werden könnten. Nettofreisetzungen in diesem Bereich sollten daher ein vorübergehendes Problem sein.

Neue Arbeitsplätze mit neuen Konditionen

Weniger spektakulär, aber in der Sache mindestens ebenso weitreichend und wichtig wie die bislang diskutierten Probleme sind die Auswirkungen der neuen Technik auf Arbeitsmittel und Arbeitsorganisation. Das BMFT geht davon aus, daß in den nächsten zehn bis 15 Jahren etwa zehn Millionen Arbeitsplätze, mithin 40 Prozent aller Erwerbstätigen (!) von der Informationstechnik im weiteren Sinne (Mikroelektronik, Textverarbeitung, Telekommunikation, Computertechnik etc.) nachhaltig erfaßt oder spürbar berührt werden.

Man mag über die Zahlen streiten, es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß - abgesehen von den in Zukunft entfallenden Arbeitsplätzen - eine sehr große Zahl aller Arbeitsplätze sich grundlegend ändern wird. Diese Änderungen erschöpfen sich aus der Perspektive des Arbeitnehmers nicht darin, daß neue Inhalte und neue Techniken alte Inhalte und Techniken substituieren (dieses Problem behandelte der vorangegangene Abschnitt), sondern die neuen Arbeitsplätze bieten teilweise völlig neue Konditionen.

Poren und Nischen verschlossen

Der Arbeitsprozeß selbst hat sich verändert, das Arbeiten mit der neuen Technik hat eine eigene, andere Qualität, die Risiken und Chancen birgt. Im großen und ganzen kann in den Industriebetrieben und öffentlichen Verwaltungen eine größere Reglementierung der Arbeit beobachtet werden.

"Zunehmende Mechanisierung und Automation des Produktionsprozesses, die einer besseren Kapitalverwertung dienen und die Umschlagsgeschwindigkeit des Kapitals erhöhen, haben die Poren und Nischen der Arbeit weitgehend verschlossen. Die Weiterentwicklung der Produktionsmittel läßt immer weniger Raum für die Gestaltung des Arbeitsprozesses durch die Arbeitenden selbst. Drehzahl, Frequenz und Takt von Maschinen, Fließband und Aggregat bestimmen heute weitgehend den Ablauf und die Geschwindigkeit der Arbeit." (21) Wird fortgesetzt

Anmerkungen:

19) Tabelle und Interpretation entnommen aus: Projektgemeinschaft, Materialband II.

20) Ebenda, S. C 39 f.

21) Deppe, H. U., Von "Humanisierung der Arbeitswelt" kann noch keine Rede sein, in: Frankfurter Rundschau, Nr. 229, 3.10.1981, S. 14.