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08.01.1982 - 

Wie bei Neuerungen üblich, gibt es auch bei der Einführung der DV Gewinner und Verlierer, Teil VII:

Arbeitsplatzeffekt per Saldo ungünstigVon Bert Rürup und Rolf Cremer*

Von zukünftig abnehmenden Tätigkeiten für ungelernte und angelernte Arbeiter, von einer Zunahme der sinnlich-nervlichen Belastung im Beruf und von Arbeitsplätzen mit völlig neuen Tätigkeitsinhalten aufgrund der modernen Informationstechnik berichtete der vorangegangene Abschnitt. Er endete mit einer kritischen Betrachtung der sogenannten humanisierten Arbeitswelt, die insbesondere den in der Produktion Beschäftigten immer weniger Raum zur eigenverantwortlichen Gestaltung ihrer Arbeitsplätze beläßt. Die folgenden Ausführungen ergänzen diese Kritik.

Vor allem unter drei Aspekten hat sich die Arbeit stark verändert (22):

-Die zunehmende Differenzierung und Spezifizierung der Arbeit, das gilt vor allem für die industrielle Produktion, erfordern immer mehr selektive Arbeitsverrichtungen. Insbesondere ist zu beobachten, daß menschliche Arbeitskraft dort eingesetzt wird, wo (noch) Lücken in der maschinellen Produktion bestehen.

-Die Arbeit an und mit hochwertigen Maschinen führt zu erhöhten Anforderungen an Pünktlichkeit und Sorgfalt. Die Furcht vor Unachtsamkeiten, deren Folgen nicht leicht zu beheben sind, wächst; und damit steigen auch die Anforderungen an Konzentration und Verantwortung.

-Kooperation und Kommunikation mit Kollegen unmittelbar am Arbeitsplatz wird schwieriger, da immer weniger Menschen zur Steuerung und Kontrolle benötigt werden. Monotonie und Müdigkeit sind ernstzunehmende Folgen dieser neuen Arbeitsorganisation.

Statt "job-enrichment" Taylorismus

Diese Hinweise mögen genügen um zu zeigen, daß im Zuge der Einführung moderner Technik ein zwar nicht intendierter, aber faktischer Rückfall in tayloristische Arbeitsorganisation droht und teilweise schon stattgefunden hat (23), obwohl die negativen Begleiterscheinungen dieses Organisationstyps weithin bekannt sind.

Es hat - zumindest im gewerblichen Bereich - den Anschein, daß diese negativen Momente noch überwiegen, denn die Möglichkeiten des "job-enrichment", also der Auslagerung monotoner Arbeiten auf die Maschine in Verbindung mit einer Zunahme kreativer und verantwortungsvoller Arbeiten für den einzelnen, sind bisher noch nicht ausgeschöpft worden. Denn es darf nicht übersehen werden, daß die Einführung der Informationstechnik auch große Chancen eines 'job-enrichment" birgt (24).

Die Hoffnungen richten sich darauf, daß durch die Einführung der DV Arbeitsplätze entstehen, die höhere Anforderungen an den Benutzer stellen, weil der Anteil der stumpfsinnigen, repetitiven Arbeiten zurückgeht. Der Wegfall dieser "niederen" Arbeiten oder deren Übernahme durch einen Rechner könnte die Vielseitigkeit einer Tätigkeit erhöhen. Als positive Leitvorstellung bietet sich hier die selbständige Benutzung der neuen Technik durch den Sachbearbeiter an seinem Arbeitsplatz in der Fachabteilung an.

Positive Leitvorstellung

In Teilen der öffentlichen Verwaltung und im Versicherungswesen ist diese Leitvorstellung auch bereits verwirklicht. Wie immer und überall bei der Implementierung von Neuerungen kommt es also auch bei der Informationstechnologie zu einer gewissen Polarisierung des Betroffenseins, das heißt, es gibt auch im Zuge der Einführung der DV Gewinner und Verlierer.

Zu den Gewinnern zählen ganz eindeutig die DV-Fachkräfte (Systemanalytiker, Systemprogrammierer, DV-Organisatoren) und diejenigen, die zwar regelmäßig, aber jeweils nur kurzzeitig die DV nutzen. Für die anderen, derzeit wohl die Mehrheit der betroffenen gewerblichen Arbeitnehmer, nehmen Monotonie, Streß, physische Belastung und Isolation am Arbeitsplatz eher zu.

Zuarbeiter zur DV

Diese zu beobachtende Polarisierung hat Ursachen, die zum Teil in der modernen Informationstechnik selbst angelegt sind, zum Teil aber auch in der jeweiligen Betriebsorganisation begründet sind.

Die DV-Technik ermöglicht eine neue Aufgabenteilung in Mensch - Maschine - System. Waren bisher die Arbeitsplätze vorwiegend aufgabenorientiert und Maschinen nur unselbständige Werkzeuge, werden in Zukunft Arbeitsplätze stärker tätigkeitsorientiert sein müssen, da die Datentechnik zunehmend repetitive, formale Tätigkeiten selbständig erledigt - unabhängig von der spezifischen Aufgabe.

Die Notwendigkeit, die installierten Maschinen auszulasten, dürfte damit zu einer Verweisung der menschlichen Arbeitskraft auf Tätigkeiten führen, die der eigentlichen Produktion vorgelagert oder nachgelagert sind. Der Mensch wird gewissermaßen zum "Zuarbeiter" der Maschine.

Managementverantwortung

Dieser Tendenz stehen neue Entwicklungen, die eine rentable dezentralisierte DV-Nutzung ermöglichen, nur prinzipiell entgegen, denn in der Realität werden die neuen Systeme in die bereits bestehenden integriert, die Arbeitsorganisation damit kaum positiv verändert.

Damit wird deutlich, daß ein wesentlicher Teil der Verantwortung für die Polarisierungstendenzen in den Betrieben beim Management liegt. Es besteht kein Sachzwang und kein Determinismus zwischen Informationstechnologie und individuellen und organisatorischen Folgen, sondern strategische Entscheidungen und Einstellungen des Managements und die Akzeptanz bei den Betroffenen entscheiden über Nutze und Schaden, Gefahren und Chancen (25).