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06.07.1984

Arbeitsplatzkommunikation: Verunsicherung findet statt

Kommunikationsleistung am Arbeitsplatz war seit jeher notwendig. Die Entwicklungen in der Telematik werfen nun ein neues Licht auf den Informationsaustausch zwischen Arbeitsplätzen im Büro. Verhängnisvolle Hardware-Euphorie aber blendet den Anwender nicht selten über die Schattenseiten, nämlich organisatorisches Umfeld und kompetentes Software-handling hinweg. Die Frage eines sinnvollen Einsatzes scheint auch weiterhin unbeantwortet zu bleiben. "Über die Notwendigkeit moderner Kommunikationstechniken braucht man nicht zu diskutieren", meint der eine, "für kleinere Betriebe kann es gefährlich werden" warnt der andere. Einig ist man sich dagegen über die Schwierigkeit, in der von manchen Herstellern vernebelten Situation "den richtigen Einstieg zu erwischen". lo

Heribert Dücker

Leiter Organisation EDV, Vereinigte Seidenwebereien, Krefeld

Die Lösung, Arbeitsplatz mit Arbeitsplatz zu verbinden, ist für uns weniger interessant. Wichtig bei uns ist der Zugriff der Mitarbeiter vom Arbeitsplatz aus auf benötigte Daten, ohne zentral zurückgreifen zu müssen. Ich denke da an Produktionsplanung oder Stuhlbelegung in der Weberei. Hier ist der Mikro nützlich. Da wir erst in diesem Jahr diesen Weg eingeschlagen haben, sind unsere Erfahrungen noch nicht ausgereift, aber bis jetzt keineswegs schlecht.

Wolfgang Schönfeld

Geschäftsführer der GEI, Aachen

Als vor einigen Jahren das papierlose Büro propagiert wurde, glaubte oder befürchtete so mancher, goldene Zeiten - und nicht mehr schwarzweiß bedruckte - stünden unmittelbar bevor. Mit Euphorie und Phantasie wurden Traumschlösser erdacht, die das Büro der Zukunft als Garten Eden der Informationsverarbeitung erscheinen ließen. Obwohl die technische Realisierbarkeit außer Zweifel stand und steht kehrte bald Ernüchterung bei den Anwendern, mehr noch bei den Produzenten ein. Es genügt eben nicht, daß etwas technisch machbar ist. Zuerst einmal kommt die Planung der Organisation und Kommunikation im Unternehmen.

Jedenfalls ergibt ein lokales Netz, mit dem ein Hersteller seinen Maschinenpark verkoppelt, noch längst keine Vorteile für Betrieb und Mitarbeiter. Die Produktankündigungen, die vielen Möchtegern-Standards, das ganze Papier über das papierlose Büro verstellen nur den Blick auf das Wesentliche: nämlich auf genaue Bedarfsanalysen, auf zeit- und kostenaufwendige Gedanken über den Informationsfluß. Welche Daten entstehen wo, und wer braucht sie, wer muß mit wem kommunizieren, und wie schnell, wie vertraulich? Wer darf welche Informationen modifizieren, welche Ressourcen benötigt man an welchen Arbeitsplätzen? Setzt man einmal voraus, daß Denken und Darüberschreiben einander proportional sind, so wird über diese Frage viel zuwenig nachgedacht. Man unterhält sich lieber über lange Leitungen, Ring- und Busstrukturen.

Währenddessen, und von all dem ziemlich unbeeindruckt, entwickeln sich die Bereiche nunmehr weiter, die ein lokales Netz zusammenschließen müßte. Neben der klassischen EDV mit ihrem Mainframe wird das Büro mit Schreibmaschine oder Textverarbeitung automatisiert, in der Industrieautomation dringen die Prozeßrechner weiter vor, und die Kommunikationstechnik kommt weiter mit Telefon und Boten aus. Dabei wäre das enge Zusammenwirken für alle so nützlich. Die Finanzbuchhaltung im Großrechner könnte Hinweise auf die Kundenkorrespondenz enthalten, die jetzt beziehungslos in der Textverarbeitung ruht. Die Fertigungssteuerung wäre vom Sachbearbeiterplatz aus einsehbar, Lieferfristen wären für den Kunden, Auslastungen für das Management transparent.

Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt - und über manchen Problemen sollten die Hersteller noch eine Weile schwitzen, bevor sie die Werbetrommel rühren. Auf welch vielfältige Art kann ein "offenes" Netz nicht mißbraucht werden! Wie sieht es beispielsweise mit dem Zugriffsschutz auf kritische Datenbestände aus? Gibt es nutzer- und datenabhängigen Schutz, wie beispielsweise bei modernen Datenbankmaschinen? Können Informationen, die durch das Netz laufen, "verbindlich" unterschrieben werden? Kann ein Datum nachweisbar zum Empfänger gelangen? Wie verhindert man Anzapfen, Abhören und Beschädigen der mechanisch kaum zu schätzenden Leitungen? Kryptorechner, die eine Information ver- und entschlüsseln, könnten eine Lösung sein. In den Hochglanzprospekten kommen sie nicht vor, dort gibt es nur hochzufrieden lächelnde Mitarbeiter.

Es ist nicht möglich, hier alle Aspekte bei lokalen Netzen zu erwähnen. Der technische Aspekt jedenfalls ist nur einer, Bedarfsanalyse und Sicherheitskonzepte sind wichtiger. Externe Beratung, unabhängige Spezialistenmeinung von draußen, die auch zum Festpreis erhältlich ist, kostet jedenfalls weniger als ein installiertes Netz mit vielen Löchern.

Christine Ament-Rambow

BTV, Beratung für Textverarbeitung und Bürokommunikation, Ottensoos bei Nürnberg

Daß Bürokommunikation nicht nur eine Frage von Hard- und Software ist, merkt der Anwender spätestens beim tatsächlichen Einsatz. Unpräzise Wirtschaftlichkeitsprognosen, lückenhafte Einführungsplanung und -organisation sind die Hauptfehler, die den Nutzen der angeschafften Bürokommunikationssysteme in Frage stellen.

Wer in Informationssysteme investiert ohne vorher eine präzise Bestandsaufnahme durchzufahren läuft Gefahr, seine teuren Systeme zu Edelvervielfältigern und Investitionsruinen zu degradieren.

Die Ausstattung mit Kommunikationssystemen und deren erfolgreicher Einsatz setzt voraus, daß die Informationsströme nach Art, etwa schriftlich, mündlich, telefonisch oder telegrafisch, Anzahl und Umfang, also Seitenzahl oder Dauer der ausgetauschten Informationen, betrachtet werden. Weiterhin sollen Häufigkeit, Frequenz pro Arbeitsplatz und Mitarbeiter, Richtung, ausgehend oder eingehend, und Empfänger, das heißt intern oder extern, sowie zugleich auch die Ausstattung der Empfänger mit Kommunikationssystemen, untersucht werden.

Dabei ist zu prüfen, ob die bisherigen Informationswege für den Einsatz neuer Übertragungsmedien überhaupt geeignet sind und welche organisatorischen Konsequenzen etwa Verlagerung der Schreibtätigkeit nach außen, in Heimarbeit, durch den Einsatz neuer Kommunikationssysteme zu treffen sind. Spezielle bei der Analyse der innerbetrieblichen Kommunikation muß auch danach gefragt werden: Was ist überflüssig? Wo muß es schneller gehen? Wo sind die Abläufe zu straffen und neu zu strukturieren? Wo sind Kommunikationslücken und Informationsmängel?

In allen Unternehmensbereichen ist es üblich, vor Investitionsentscheidungen eine exakte Rentabilitätsrechnung durchzufahren und die Einsatzplanung für die neuen Produktionsmittel vorab zu erstellen. Im Bürobereich wird sehr viel Zeit für reine Hardwareauswahl aufgewandt, aber ein genauer Kosten/Nutzen-Vergleich unterlassen. Die Ursache liegt dabei häufig in der Unkenntnis der realen Kostensituation.

Viele Fehlentscheidungen sind das Produkt unzureichender Investitionsrechnungen, die auf mangelhaften Erhebungen beruhen: So erscheint es auf den ersten Blick vollkommen auszureichen, wenn Teletex-fähige Endgeräte nur unter dem Aspekt der Gebühreneinsparung zentral - wie ehedem der Fernschreiber - installiert werden. Analysiert man aber die Kosten für die Wegzeiten der Sachbearbeiter und deren Diktatzeiten ohne Textbausteineinsatz, so stellt sich heraus, daß der Einsatz von Teletex im Verbund und damit die Installation am Sachbearbeiter-Arbeitsplatz die einzig rentable Entscheidung ist.

Die Berechnung der Zeitersparnis auf den einzelnen Mitarbeiter bezogen ist unabdingbare Voraussetzung für die notwendig werdende Umorganisation und Umstrukturierung der Arbeitsabläufe. Nur wenn vorher hinreichend bekannt ist, an welchem Arbeitsplatz durch welche neue Anwendungsmöglichkeit Zeit eingespart werden kann und wieviel Stunden pro Mitarbeiter, werden Fehlplanungen und Fehleinschätzungen vermieden.

Klaus Fastnacht

Diplom-Ingenieur, Leiter der Hauptabteilung Informationsverarbeitung,

Betriebswirtschaft, Kraftwerk Union

Die Information tritt in unterschiedlichen Formen auf, als Sprache, Text, als Daten und als Bild oder Grafik, wobei die qualifizierte Fach(Ingenieur-)Tätigkeit dadurch gekennzeichnet ist, daß die Reihenfolge der einzelnen Arbeitsschritte wie etwa Analysieren, Korrigieren, Abstimmen, Darstellen und Ablegen nicht vorherbestimmbar ist. Die Informationsverarbeitung am Arbeitsplatz erfordert daher eine Infrastruktur, die es ermöglicht, auf Informationen jederzeit schnell zugreifen zu können, unabhängig davon, wo, in welchem Umfang und in welcher Form sie vorliegen.

Die Kommunikationsmöglichkeiten, die die Informationstechnik bietet, decken verschiedene Sparten ab.

Sprachverkehr ist flächendeckend von jedem Arbeitsplatz aus möglich, wobei die Kommunikation durch Leistungsmerkmale wie Kurzwahl, Wahlwiederholung, selbsttätiger Rückruf und Rufweiterleitung mit digitalen Anlagen, jedoch analoger Informationsüberwachung bereits sehr effektiv unterstützt wird.

Texte konnten bisher nur sehr langsam mit eingeschränktem Zeichenvorrat in die Nähe des Arbeitsplatzes mit Telex - 50 Baud - und Einsatz von Telex-Nebenstellenanlagen übertragen werden. Auch die derzeit mögliche schnellere Übertragung kompletter Texte wird nur allmählich den qualifizierten Facharbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden können. Hierbei handelt es sich um Teletex 2400 Bit pro Sekunde derzeit ohne leistungsfähige Nebenstellenanlagen, beschränkt auf Texte ohne Grafikanteil und meist als Zusatzfunktion bei Spezialarbeitsplätzen für die Textbearbeitung vorhanden.

Die Datenverarbeitung wird zum heutigen Stand primär für Routinetätigkeit, also Massenvorgänge, eingesetzt. Dies gilt auch für die kombinierte Bearbeitung von Daten und Bildinformationen mit CAD-Systemen, die für Spezialarbeitsplätze sehr effektiv eingesetzt werden können. Die Dialogfähigkeit mit Terminals sowie die Vernetzung von Rechnern hat im Grunde die Verhältnisse nicht geändert. Betriebssysteme, Datenbanken, Verarbeitungsroutinen und Übertragungsleistung zum Arbeitsplatz (selten schneller als mit 9600 Bit pro Sekunde) bewältigen die nicht-formatierte Information und freizügige spontane Archivierungsaufgaben, die bei qualifizierten Fachaufgaben im Vordergrund stehen, nur unzureichend.

Bildinformationen können nur mit Spezialgeräten in die Nähe des Arbeitsplatzes übertragen werden, dies relativ langsam im Minutenbereich je Vorlage und bei Einsatz von Fernkopierern der Gruppe 3 mit 9600 Bit pro Sekunde und guter Auflösung.

Bisher standen daher für den breiten Einsatz nur Informationstechniken zur Verfügung, die am Arbeitsplatz die Verarbeitung einer Informationsart erlauben mit Übertragungsgeschwindigkeiten von nur einigen 1000 Bit pro Sekunde.

Da hiermit umfangreiche Arbeitsplatzanforderungen nur sehr unzureichend abgedeckt werden, bemühen wir uns, neue Möglichkeiten der Informationsverarbeitung und insbesondere der Kommunikationstechnik möglichst frühzeitig zu erproben und zur Unterstützung der Tätigkeiten einzusetzen.

Hierzu zählen multifunktionale Arbeitsplatzsysteme. Die kombinierte Bearbeitung und übersichtliche Darstellung von Texten, Bildern und Daten sollen für spezielle Dokumentationsaufgaben neue Standards bei der Informationsdarstellung ermöglichen. Voraussetzung ist eine schnelle Informationsübertragung zwischen den Arbeitsplätzen und zentralen Hintergrundsystemen wie Archivsysteme und leistungsfähige Drucksysteme. Die Kommunikation erfolgt hierfür über ein Inhouse-Netz (LAN- 10 MBit pro Sekunde). Eine Kommunikationsleistung von 10 MBit pro Sekunde ist nur bei Spezialarbeitsplätzen meistens mit hohem Grafikanteil erforderlich. Eine in den meisten Fällen ausreichende Kommunikationsleistung für die Informationsverarbeitung kann uns das interne und externe ISDN (Integrated Services Digital Network) liefern, bei dem an jedem Arbeitsplatz eine Übertragungsleistung von 2 mal 64 KBit pro Sekunde für die kombinierte Verarbeitung von Sprache, Daten, Text und Bild zur Verfügung stehen wird, über ISDN-Nebenstellenanlagen und vorhandene Fernsprechnetze. Auch wenn erst Ende der achtziger Jahre ein flächendeckender Einsatz vorstellbar ist, beginnen wir bereits jetzt mit Vorbereitungen zur schnellen Nutzung etwa durch Einrichtung einer Kommunikationsverbindung zwischen zwei Standorten (2 MBit pro Sekunde = 30 x 64 KBit pro Sekunde) für die Sprach-, Daten- und Bildübertragung. Dies wird uns kurzfristig den Einsatz von Fernkopierern mit Übertragungszeiten im Sekundenbereich und die kombinierte Informationsübertragung für Telefonkonferenzen ermöglichen.

Das Hauptziel beim Einsatz neuer Techniken für die Kommunikation an und zwischen den Standorten sowie mit den externen Partnern ist, Großprojekte in kürzerer Erstellungszeit mit höherer Qualität zu bearbeiten und die Abwicklung im Griff zu halten.

Dr. Klaus Pichier

Daten- und Textkommunikationssysteme Tekade, Stuttgart

Der Organisator, der weiß welche Kommunikationsbeziehungen in seinem Hause ablaufen, kann wahrscheinlich kaum solche nennen, die heute für lokale Netzwerke prädestiniert wären.

Vor allem deshalb, weil sich die qualitativen Verbesserungen der Kommunikation von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz schwer rechnen lassen: etwa papierloser Betrieb, Mailbox-Funktionen, Einsparung von zeitraubenden Wegen oder die Übermittlung von Planungsaufgaben.

Vorgänge, die an einem Arbeitsplatz kreiert und an einem anderen bearbeitet werden sollen, sind von der Organisation her - weniger von den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen - noch nicht ausreichend definiert.

Es müßten also zunächst die Kommunikationsbeziehungen innerhalb eines Hauses festgelegt werden. Der nächste Schritt ist die Entscheidung für ein System, das die gleichzeitige Bereitstellung verschiedener Informationen am gleichen Arbeitsplatz ermöglicht ich meine damit zum Beispiel einfache Mailbox-Systeme, die für solche Aufgaben geeignet wären, und auch diese existieren nur in wenigen Fällen, weil sich solche Hilfsmittel einfach noch nicht eingebürgert haben.

Es ist in vielen Fällen zu beobachten, daß man Jahre dazu braucht, LANs zu planen. Während die Leute vom Rechenzentrum gewohnt sind, recht schnell zu Entscheidungen zu kommen, ist der Zeitaufwand in der Bürowelt dagegen wesentlich größer. Das hängt wohl mit den vielschichtigen und sehr individuellen Abläufen zusammen, die sich nicht so einfach auf einem Arbeitsplatzsystem abbilden lassen.

So macht man den Fehler, zu lange zu planen und selten genug pragmatische Ansätze zu finden.

Ich bin der Meinung, die Firmen wären gut beraten, wenn sie endlich damit beginnen würden, LANs zu installieren. Natürlich sind dabei einige Grundvoraussetzungen zu beachten; nämlich, daß der Anwender ein Konzept hat, das ihm erlaubt, seine speziellen Anwendungen in ein für ihn gültiges Kommunikationskonzept zu integrieren.

Gegebenenfalls kann sich der Anwender dadurch offenhalten, daß er sich von vornherein für ein breitbandiges und vor allem offenes System entscheidet. Diese Entscheidung ist besser als gar keine.

Dieter Salzbauer

Leiter des Rechenzentrums, A. C. Nielsen Company, Frankfurt am Main

Ausgangspunkt für uns bei dieser Problematik sind das Marktangebot und die eigenen Anforderungen etwa die 3270-Umwelt, also bestimmte Konfigurationen, mit denen wir übrigens positive Erfahrungen gemacht haben. Dabei sind wir allerdings nicht sicher, ob wir die Effizienz, die wir uns von neuen Konzeptionen versprechen, auch mit dem erreichen können, was derzeit am Markt angeboten wird. Wir wollen nicht in eine Hardware-Euphorie verfallen, sondern prüfen genau, ziehen auch die Erfahrungen anderer Anwender ins Kalkül. Es ist nicht leicht, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um einzusteigen. Um nicht zu schnell zu reagieren, aber auch nicht zu langsam. Hier muß man Entwicklungen bei Anbietern verfolgen, die in naher Zukunft realisiert werden - das könnte man noch abwarten -, aber auf alles Schwammige, Ungewisse sollte man sich nicht einlassen. Eine Vormachtstellung auf diesem Markt besteht nicht eindeutig, über neue, möglicherweise starke Produkte ist nichts zu hören, der Markt scheint durchaus gleich aufgeteilt.

Dr. Klaus Kinder

Leiter des Referats Allgemeine Organisation, Deutsche Lufthansa, Köln

Trotz einer gut ausgebauten Kommunikations-Infrastruktur der Deutschen Lufthansa erscheinen Verbesserungen besonders im Bereich Textkommunikation wünschenswert. Für die umfangreiche Zusammenarbeit zwischen den Planungs-, Steuerungs- und Grundsatzabteilungen von drei Standorten (Köln, Frankfurt, Hamburg) aus stellt sich eine vordringliche Notwendigkeit. Mit dem Ethernet-LAN-Pilotprojekt wurde versucht, erste Erfahrungen über optimierte Abläufe und Lösungen zu erarbeiten.

Ziel des Pilotprojekts Ethernet war es, Erfahrungen mit dem Einsatz einer multifunktionalen Arbeitsstation bei Fach- und Führungskräften zu gewinnen. Weiter galt es, die Text- und Grafik-Kommunikation innerhalb des Hauses in der Größe von zwei Bürogebäuden über Ethernet zu erproben oder das Anwendungspotential festzustellen und allgemeine Bürofunktionen zu unterstützen, insbesondere in Verbindung mit den bereits eingesetzten Textsystemen.

Das Pilotprojekt brachte unter anderem folgende Ergebnisse:

Die multifunktionalen Arbeitsstationen fanden bei den Pilotanwendern, Führungskräften mit einem hohen Anteil an Fachaufgaben, eine gute Akzeptanz; die Arbeitsstationen wurden freiwillig für eine Vielzahl von Aufgaben genutzt. Die Beherrschung des Geräts war aufgrund der Benutzerfreundlichkeit, etwa durch die Fenstertechnik und die Befehlseingabe mit der "Maus", in kurzer Zeit möglich, ohne daß vorherige EDV-Kenntnisse erforderlich waren.

Unter den Anwendungen spielte die Erzeugung von Grafik für Berichte, Vorlagen und Statistiken zur Erleichterung der Entscheidungsfindung eine besondere Rolle, aber auch die eigene Wissensorganisation also die elektronische Zusammenfassung von wichtigen Einzelinformationen sowie die Erstellung von Programmen für den eigenen Arbeitsbereich.

Für eine konkrete Aussage zur Nutzung der elektronischen Post war die Zahl der angeschlossenen kommunikationsfähigen Geräte (15) zu klein; eine Stichproben-Kommunikationsanalyse ergab jedoch, daß ein hoher Anteil an interner Post zur Übermittlung über Ethernet geeignet ist.

Die elektronische Ablage sowie das Retrieval wurden von Fach- und Führungskräften als einfacher empfunden als die Papierablage.

Umfangreiche Zeitmessungen konnten und sollten während des Pilotprojekts im Regelfall selbstverständlich nicht vorgenommen werden, da es in erster Linie um das Ausprobieren von Leistungsmerkmalen ging, nicht um einen quantitativen Vergleichstest. Dennoch hat das Bifoa in einigen ausgewählten Anwendungsfällen Zeitvergleiche anstellen können; die Zeiteinsparung bei Fach- und Führungskräften betrug bei Analysen, Berechnungen und Grafikerstellung 60 Prozent, bei der Übertragung und Verteilung von Nachrichten 90 Prozent und für Schriftgutverwaltung und Ablage (geschätzt) 50 Prozent.

Bezogen auf die Verteilung der einzelnen Tätigkeiten auf die Gesamtarbeitszeit von Fach- und Führungskräften wurde eine durchschnittliche Ersparnis von 8,4 Prozent der Gesamtarbeitszeit errechnet.

Für die Unterstützungskräfte beträgt die Einsparung bei Ethernet-Flächendeckung gegenüber dem bisherigen Verfahren bei der Übertragung, bei der Verteilung und beim Kopieren 90 Prozent, bei der Schriftgutverwaltung und Ablage 50 Prozent, also etwa 20 Prozent der Gesamtarbeitszeit, ohne die Produktivitätssteigerung durch das Textsystem zu berücksichtigen.

Die qualitativen Vorteile zeigen an erster Stelle die Verbesserungen der Arbeitsergebnisse qualitativ-inhaltlich durch Nutzung weiterer, bisher nicht erreichbarer Informationen, durch aktuellere Daten, durch das Rechnen zusätzlicher Varianten und durch die bessere Analyse von Informationen.

Im quantitativen Bereich zeigen sich Vorteile bei der Durchführung von Arbeiten die eigentlich notwendig sind, aber bisher wegen des hohen manuellen Aufwands nicht begonnen werden konnten oder mit konventionellen Mitteln nicht zu erledigen waren.

Terminliche Verbesserungen ergeben sich bei Bewältigung terminkritischer Situationen durch schnellere Erstellung und schnellere Kommunikation und qualitativ-darstellerische Verbesserungen entstehen insbesondere durch Grafik, um den vorgesetzten Instanzen schnellere und gegebenenfalls auch bessere Entscheidungen zu ermöglichen.

Zu nennen sind ferner die Verbesserungen der persönlichen Arbeitsorganisation und der persönlichen Arbeitszufriedenheit, unter anderem durch die ganzheitliche Bearbeitung von Vorgängen im Sinne der modernen Humanisierungsideen das System.

Die Bewertung dieser und sicher einer Reihe weiterer Vorteile muß jedes Unternehmen nach seiner individuellen Situation vornehmen. Unbestreitbar aber dürfte sein, daß bei ständig steigender Informationsflut das Büro seine Aufgabe als "Zentrum der Informationsverarbeitung" künftig nur dann erfüllen kann, wenn ihm die technologische Hilfe zur Verfügung gestellt wird, die in der Produktion schon lange selbstverständlich ist.

Prof. Sigram Schindler

TU Berlin

Kommunikationsleistung am Arbeitsplatz war seit eh und je notwendig: Anfangs wurde sie ausschließlich in mündlicher Form (für lokale Kommunikation) oder in schriftlicher Form (für Fernkommunikation) erbracht. Bekanntlich ist die erste dieser beiden Kommunikationsformen häufig unzuverlässig, weil die Aussagen nicht vollständig fixiert sind, und die zweite Kommunikationsform ist häufig zu langsam, weil die Mitteilungen zunächst einmal manuell auf einen geeigneten physischen Träger (im allgemeinen Papier) gebracht werden müssen und nur zusammen mit diesem übermittelt werden können.

Gesucht wurde also nach neuen technischen Kommunikationsformen - man sagt heute dazu "Kommunikationsdienste" -, die beide Nachteile vermeiden. Das Fernsprechen vermeidet zwar den zweiten Nachteil, nicht aber den ersten. Das Fernschreiben (Morsen oder Telexen) vermeidet den ersten Nachteil weitgehend, den zweiten allerdings nur teilweise: Sein Mangel besteht darin, daß die kommunizierten Aussagen weiterhin manuell von einer Schreibkraft an einer Morse- oder Telex-Anlage "eingegeben" werden müssen. Der große Schritt zur Beseitigung dieser verbleibenden Mängel des Fernschreibens gelang mit der Einbeziehung von Mikroprozessorsystemen in die Kommunikations-Endgeräte, also in die Arbeitsplatzsysteme. Die so ermöglichten neuen Verbindungsdienste zwischen den Arbeitsplatzsystemen, wie etwa Teletex, Telefax, Teletex/Fax, Telebox, Btx, CSS, etc. - kurz die Telematikdienste -, sind für die Abwicklung geschäftlicher Aufgaben sowohl hinreichend schnell als auch zuverlässig genug.

Die anfängliche Entwicklung der Telematik brachte nun allerdings ein Problem mit sich, das ihre Einbeziehung in die Büro- und Verwaltungstätigkeit erheblich behinderte. Für jeden der neuen Telematikdienste wurde nämlich ein eigenes Gerät entwickelt; so stehen es beispielsweise noch weithin Telexgeräte, Teletexgeräte, Telefaxgeräte, Bildschirmtextgeräte als selbständige Einheiten, die neben den normalen Bürogeräten. In den meisten Fällen gibt es auch noch ernsthafte Schwierigkeiten, Texte aus dem einen Telematikgerät in ein Gerät für einen anderen Telematikdienst zu transferieren, ganz abgesehen davon, daß jedes Gerät eine völlig andere Bedienung erfordert.

Diese anfänglichen Entwicklungsschwierigkeiten der Telematik sind heute jedoch überwunden. Wohl jeder Hersteller von Bürogeräten bemüht sich mittlerweile um die Integration mehrerer solcher Telematikdienste in sein Arbeitsplatzsystem.

Aus arbeitsökonomischer Sicht ist der Bedarf an Telematikdiensten eine unmittelbare Folge der Einführung von Textsystemen in Büros und Verwaltungen. Die traditionellen Postwege für den Austausch zwischen den Textsystemen solcher Geschäfts-/ Dienststellen zu benutzen, ist in den meisten Fällen teuer und vor allem langsam - die Entfaltung der Arbeitseffizienz der daran beteiligten Stellen wird so erheblich behindert. Die Integration von Telematikdiensten in die Arbeitsplatzsysteme gestattet also eine geschäfts- und verwaltungsmäßige Effizienzentfaltung der daran arbeitenden Personen, an die ohne die Telematik gar nicht zu denken ist.

Aus arbeitsideologischer Sicht bewirkt die Integration der Telematikdienste in ein Arbeitsplatzsystem die gleiche Anhebung der "Qualität des Büroarbeitsplatzes", wie sie vorher bereits mehrfach erfolgte, etwa durch den Übergang zu geräuscharmen Schreibmaschinen oder zu ergonomischem Mobiliar. Man beachte, daß die Qualität der Arbeitsplätze nicht nur die Achtung und Wertschätzung widerspiegelt, die ein Arbeitgeber seinen Beschäftigten entgegenbringt - vielmehr erfordern das Selbstwertgefühl dieser Beschäftigten und vor allem ihre "Job-dedication" einfach eine zeitgemäße Gestaltung ihrer beruflichen Tätigkeit und ihres Arbeitsplatzes.

Hans-Jürgen Schulz

Geschäftsführer des Daver-Rechenzentrums, Köln

Bei uns hatte diese Thematik seit 1979 höchste Priorität: sowohl die interne Kommunikation an den Arbeitsplätzen als auch der Rechenzentrumsbetrieb sowie die externe Arbeit mit den Kunden. Leider ist das ganze Projekt durch zu kleine und so nicht leistungsfähige Computer der IBM und durch zu teure Postleitungen abgewürgt worden. Insgesamt haben wir sieben Leitungen installiert, die jedoch immer wieder abgebaut wurden.

Fixe Kosten für Leitung, Modem und Terminal beliefen sich im Monat auf über 3000 Mark, ohne Programme. Von der Betreuung her sind kleinere und mittlere Anwender in der Regel besser im Rechenzentrum aufgehoben, denn das Problem von überaus komplizierten Softwareanwendungen hilft dem User vor Ort niemand lösen. Insofern kann es für kleinere Betriebe oft gefährlich werden, sich auf diese Lösungen einzulassen. Aber vom Prinzip her gesehen, hat diese Entwicklung natürlich Zukunft. Es scheint übrigens, als ob die Kleinen unserer Branche in diese Zukunft nicht rosig sehen können.