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25.06.1982 - 

Elektronische Datenverarbeitung auf neuen (Um)wegen:

Arbeitsplatzrechner lösen Timesharing ab

Die Ära des Timesharings geht zu Ende. Timesharing entstand ab ein Weg, den Benutzer mit der Leistung eines großen interaktiven Computersystems zu versorgen, als diese Systeme viel zu kostspielig waren, um einem einzelnen Benutzer überlassen zu werden. Fortschritte in der Hardwaretechnologie eröffnen jedoch neue Möglichkeiten. Es sind besonders der qualitative Aspekt des Services, den ein Benutzer von einem Rechner erwartet, und der Trend zur Dezentralisierung der Aufgabenverrichtung, verbunden mit dem Bestreben nach einer Integration der Basistechnologien Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Nachrichtenvermittlung, die die Verbreitung von Arbeitplatzrechnern fördern werden.

Die ersten elektronischen Rechenanlagen waren Werkzeuge zur Lösung komplexer, für den menschlichen Verstand zu aufwendiger numerisch-analytischer Probleme in der Hand einiger Wissenschaftler. Für den einzelnen Benutzer boten sie jedoch zunächst nur wenig Komfort. Es gab keine Möglichkeit zur Interaktion mit dem Rechner und noch wenig Ressourcenteilung.

Timesharing war eine erste Lösung. Mit ihm war es möglich, daß mehrere Benutzer sich die Ressourcen des Computersystems wirtschaftlich teilen konnten. Zudem verbesserten sich die Interaktionsmöglichkeiten mit dem Rechner. Doch mit steigender Zahl der Benutzer näherten sich zwar die Kosten für den einzelnen dem Optimum, andererseits aber erreichte die Belastung des Systems ihr Maximum, mit rapide anwachsenden Antwortzeiten und geringem Durchsatz. Die erreichte Qualität des Services litt und die Produktivität des einzelnen ebenfalls.

Diese Mißstände verhalfen den Minicomputer-Herstellern zum Durchbruch. Dedizierte Minicomputer gaben dem Datenverarbeitungsprofi die Möglichkeiten, die sie im Timesharing auf großen Rechnern missen mußten. Aber auch hier zeigten sich Grenzen. Der Durchsatz und die Antwortzeiten werden vom Workload der Maschine und der Anzahl der Benutzer bestimmt. Teuere Peripherie kann von den Minicomputern nicht mit den Großrechnern geteilt werden.

Während sich die Hersteller von Minicomputern bemühen, durch immer größere Leistung der Prozessoren den Übeln des Timesharings zu begegnen, hat sich eine neue Art der professionellen Datenverarbeitung entwickelt.

Fortschreitende Hardwaretechnologie, verbunden mit der Nutzung softwaretechnologischer Erkenntnisse, ist es, die diese Ära der Single-User-Systeme, der Arbeitsplatzrechner ermöglicht. Insbesondere der Trend, die einstmals dezentrale Verrichtung der Arbeit, vom Computer zentralisiert, wieder zu dezentralisieren, unterstützt die Konzeption der Arbeitsplatzrechner. Die Philosophie der Arbeitsplatzrechner basiert auf dem Bestreben, daß jeder Anwender sein System mit der vollen Leistung eines Minicomputers völlig unabhängig von weiteren Anwendern nutzt, dabei jedoch alle Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation mit anderen hat, mit der Zielsetzung höchster Produktivität.

Dies wird erreicht durch:

- leistungsfähige Hardware, die direkt am Arbeitsplatz untergebracht ist und komplexe Datenverarbeitungsprozesse abarbeiten kann. Ein Adreßraum von 32 Bit und etwa 1 Mips sind Kennzahlen hierfür;

- hochsprachengerichtete Systemarchitektur;

- die Integration von Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Nachrichtenvermittlung die über ein lokales Netzwerk mit 10 Millionen Bits/Sekunde und mehr vorgenommen wird.

Zur direkten Kommunikation des Benutzers mit dem System sind Arbeitsplatzrechner mit hochauflösenden Rasterbildschirmen ausgestattet. Als Standard scheint sich eine Auflösung von 1024 x 768 Punkten oder 100 Punkte pro Zoll durchzusetzen. Diese Auflösung auf einem DIN A4 entsprechenden Bildschirm erlaubt die Erstellung von Grafik und Textverarbeitung in natürlicher Erscheinung.

Die Software und das Rasterdisplay erlauben eine sogenannte "Window-Technik". Dabei werden verschiedene Teile des Bildschirms als "virtuelle" Bildschirme verschiedenen Prozessen oder Programmen zugeordnet, wobei die "Fenster" beliebige Große haben und sich diese auch in beliebiger Vielzahl überlappen können.

Um als einzelner Arbeitsplatz autonom sein zu können, sind Arbeitsplatzrechner mit eigenen Sekundärspeichern ausgestattet. Die Winchester-Technologie erlaubt Speichervolumen von mehr als 20 MB, integriert in das Gehäuse eines unter dem Schreibtisch stehenden Rechners. Andererseits erlaubt die Konzeption auch den direkten Zugriff auf Daten und Programme anderer Rechner. Dies geschieht über das lokale Netz mit einer Übertragungsgeschwindigkeit, die mit dem Zugriff zur eigenen Magnetplatte vergleichbar ist.

Arbeitsplatzrechner werden die Arbeitswelt des Datenverarbeitungsprofis nachhaltig verändern. Dedizierte Computerleistung mit integrierten Funktionen im Verbund von lokalen Netzen sind der logische Schritt in eine dezentrale Zukunft. Ob sie dabei zur Softwareentwicklung, grafischem Design oder zur Erstellung von Drucklayouts herangezogen werden, mit all den oben beschriebenen Möglichkeiten sind sie ein wirtschaftliches Werkzeug in der Hand des professionellen Nutzers von Computerleistung.

Harald Summa, ICL Deutschland, Nürnberg