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17.05.1996 - 

IT in der öffentlichen Verwaltung/Transparenz und Prävention im Dienst der Gesundheit

Arbeitsschutz: Ad-hoc-Abfragen in Problem- und Unfallgebieten

Mit den technischen und organisatorischen Innovationen in der Arbeitswelt haben sich auch die Anforderungen an den Arbeitsschutz grundlegend gewandelt. Die staatlichen Arbeitsschutzverwaltungen stehen heute vor der Aufgabe, moderne Schutzkonzepte zu entwickeln, die neben der reinen Überwachung verstärkt der betrieblichen und überbetrieblichen Prävention dienen. Hierbei kommt dem Einsatz umfassender DV-Lösungen erhebliche Bedeutung zu.

Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Hessische Arbeitsschutzverwaltung mit dem Hessischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Sozialordnung (HMFS) in Wiesbaden an der Spitze, die in den Bereichen Arbeitsschutz, Sicherheitstechnik und betrieblicher Gesundheitsschutz für die Überwachung von rund 190000 Betrieben zuständig ist.

Ämter hatten keinen Zugriff auf eigene Daten

Im Hessischen Arbeitsschutz werden bereits seit 1972 DV-Verfahren eingesetzt. Damals arbeitete man mit einem Großrechner und bleistiftkodierten Erfassungsbelegen zur Anlage eines Gewerbekatasters. Die Belege wurden von den Arbeitsschutzämtern ausgefüllt, wobei nur die wichtigsten Inhalte erfaßt werden konnten. Aus diesem Datenbestand wurde der gesetzlich vorgeschriebene Jahresbericht der Gewerbeaufsicht erstellt. Für die Ämter selbst war besonders unbefriedigend, daß sie keinen Zugriff im heutigen Sinne auf ihre eigenen Daten hatten.

1990 stellte das HMFS dann ein Fachkonzept fertig, in dem die Anforderungen an ein neu zu implementierendes System festgelegt wurden. Nach einer Ausschreibung vergab man den Auftrag zur Realisierung an die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG. Im darauffolgenden Jahr wurde ein Prototyp der heutigen Lösung entwickelt.

Die endgültige Einführung des Informations- und Managementsystems für den Arbeitsschutz (IFAS) und des Informations- und Kommunikationssystems für gefährliche und umweltrelevante Stoffe (IGS) begann 1992 zeitgleich mit einer Neuorganisation der staatlichen Ämter für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik in Hessen. Ende 1992 wurde das erste Basissystem in der Version 1.0 unter einer Unix-Oberfläche im Amt Wiesbaden installiert. 1993 vollzog man die Portierung auf die inzwischen verfügbare Version 2.0, die als Client-Server-Lösung unter MS-Windows läuft. Als Datenbank kommt Adabas D von SAG zum Einsatz, wobei ein Programmzugriff auf die relationalen Datenbanken Informix, Ingres, Access und Oracle ebenso möglich wäre.

Das neue Informationssystem ermöglicht die vollständige Erstellung und Weiterbearbeitung von Betriebsstätten-und Anlagenkatastern und führt in Verbindung mit verschiedenen fachspezifischen Anwendungen zentrale, integrierte Personen- und Adreßkarteien. Echte Arbeitserleichterungen stellen für die hessischen Beamten die programmeigenen Ausfüllhilfen und Textbausteine dar, die die Erstellung aller Schreiben unterstützen. Neben der nun automatisierten Erzeugung des Jahresberichts können weitere Berichte und Statistiken frei definiert werden. Neue Fachanwendungen lassen sich aufgrund der modularen Architektur des Systems einfach integrieren. Die Anwendung wurde in der Version 1.0 unter Beteiligung von Praktikern aus den Arbeitsschutzämtern, der Zentrale für Arbeitsschutz (ZfA) und dem Ministerium entwickelt.

In die weitere Entwicklung der aktuellen Version 2.0 wurden zudem die Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt einbezogen, wo das System seit 1994 verwendet wird (vgl. Abbildung). Als DV-Anwendung für den Bereich Gefahrstoffe kommt eingebunden in IFAS das IGS-System zum Einsatz. Die Anwendung ist eine Gemeinschaftsentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen und SNI.

Nach Aussage des Leiters der Abteilung III (Arbeitsschutz, Sicherheitstechnik, betrieblicher Gesundheitsschutz), Ministerialdirigent Gerd Albracht, "wurden in Hessen mit IFAS zum erstenmal zentral und systematisch Daten aus allen Bereichen des Arbeitsschutzes, der Anlagensicherheit und der Arbeitsmedizin zusammen mit den Funktionsträgern erfaßt. Dies ist aus unserer Sicht für eine Arbeitsschutzinspektion sehr wichtig, da gerade in diesem Bereich aktuelle Daten sehr schnell für jeden Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz zur Verfügung stehen müssen."

Bei der Gestaltung eines derartigen Informationssystems für Arbeitsschutz und Gefahrstoffe kommt daher der Betriebsstättendatenbank eine zentrale Rolle zu. Sie bildet die Basis aller Tätigkeiten und späteren Ausbaustufen. Hier werden alle für den Arbeitsschutz relevanten Daten wie Art und Größe von Betrieben oder verantwortliche Personen festgehalten. Das einzelne Unternehmen wird hierarchisch in Betriebsstätten, Teilbetriebsstätten, Betriebsbereiche sowie Anlagen strukturiert und erfaßt. Jede dieser vier Ebenen wird mit den jeweils maßgeblichen Rechtsgebieten verknüpft und in entsprechende Wirtschaftsklassen-Systematiken (Branchenzuordnungen) eingebunden.

Zu jeder Ebene lassen sich darüber hinaus Anmerkungen und Aktennotizen des Bearbeiters speichern. Betriebsstätten werden über einen erweiterten Suchalgorithmus gefunden. Neben der Betriebsstättendatenbank gehören eine zentrale Personen- und Adreßdatei sowie die Verwaltung von Struktur- und Fachdaten zum Repertoire der in Hessen realisierten Lösung.

Eine zentrale Aufgabe der Ämter und der Abteilung III des HMFS ist die statistische Erfassung und Auswertung aller Aktivitäten im Arbeitsschutz in Form des Jahresberichts. Kumulierte Daten der Ämter werden an die ZfA übermittelt, die diese Einzelbestände zu einer Gesamtdatenbasis zusammenführt, aus der dann neben dem Jahresbericht verschiedene weitere Berichte und Statistiken erstellt werden.

"Es war für uns entscheidend, den Inspektoren der Arbeitsschutzämter mit einer Softwarelösung geeignete Instrumente an die Hand zu geben", so Albracht, "die sowohl für normale Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten als auch für gezielte Schwerpunktaktionen wie zum Beispiel bei Kontrollen in den Bereichen Kinderarbeit, Druckbehälterüberwachung oder der besonderen Überprüfung von Chemieanlagen eingesetzt werden können."

Heute wird das System in Client-Server-Architektur vom Ministerium, der ZfA und den fünf Staatlichen Ämtern für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik mit Außenstellen auf 300 SNI-PC-Arbeitsplätzen genutzt. Insgesamt kommen neun Unix-Server der Modelle RM 400, 300 und 200 von SNI zum Einsatz.

Bürolösungen werden mit einbezogen

IFAS und IGS laufen dabei unter derselben Oberfläche von Windows 3.11. Jedes Amt und jeder Mitarbeiter kann inzwischen auf System und gemeinsame Datenbasis zugreifen. Über systemeigene Funktionen werden innerhalb der Ämter Rundabfragen zu aktuellen Problemgebieten durchgeführt. Die verwendete Standardsoftware, in diesem Fall Bürolösungen von Microsoft, wird bei der Bearbeitung über Schnittstellen einbezogen, um beispielsweise Textteile, Tabellen oder Grafiken zu erstellen.

Am Beispiel der Chemieunfälle im Frankfurter Werk der Hoechst AG wurde deutlich, wie wertvoll die Betriebsstätten- und Gefahrstoffdatenbank für die Hessische Arbeitsschutzverwaltung ist. Über Abfragen stand schon nach kurzer Zeit eine erste Einschätzung über die Zusammensetzung des entwichenen Gemischs fest. Durch den sofortigen Zugriff auf die vorhandenen Daten war es den verantwortlichen Arbeitsinspektoren vor Ort möglich, umgehend die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten: "Das System hat sich gerade in diesem Fall als ein effizientes, weit entwickeltes und sehr flexibles Instrument für Information und Management in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz erwiesen", so Albracht.

Für die Zukunft will er seine Verwaltung weiter ausbauen und noch schlagkräftiger machen. Im Einsatz der Beamten vor Ort soll in Kürze Mobile Computing eingeführt werden, so daß sich Revisionen im Unternehmen künftig direkt in das System eingeben lassen. Die bestehende Lösung wurde von Albracht gemeinsam mit SNI bei mehreren internationalen Arbeitsschutzveranstaltungen präsentiert. Die Resonanz zeigte sich unter anderem in der Einschätzung des EU-Gremiums im Arbeitsschutz, in dem die höchsten Vertreter der Arbeitsschutzverwaltungen der 15 EU-Staaten das System als beispielhaft für den Einsatz in Fachverwaltungen bezeichneten. Das Land Hessen ist inzwischen an Projekten mit den Arbeitsschutzverwaltungen mehrerer europäischer Länder beteiligt.

Kurz und bündig

Gleichzeitig mit der Neuorganisation der Staatlichen Ämter für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik in Hessen wurde dort vom Ministerium für Frauen, Arbeit und Sozialordnung (HMFS) ein Informations- und Managementsystem für Arbeitsschutz- und Sicherheitstechnik (IFAS) eingeführt. Die Arbeitsschutzverwaltung ist zuständig für die Überwachung des Gesundheitschutzes in rund 190000 Betrieben. Installiert wurde das System - unter Unix - im Amt Wiesbaden. Als Datenbank kommt Adabas D zum Einsatz. In die weitere Entwicklung wurden die Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt eingebunden daran arbeitet auch das Land Nordrhein-Westfalen zusammen mit SNI.

*Hubert Rasig ist freier Journalist in Alsbach.