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03.04.1978

Arbeitswissenschaftler fordern organisierte Bewegungspausen für den Bildschirm-Bediener

Die ergonomisch günstige Gestaltung der Bildschirmarbeit setzt optimale Abstimmung des Datensichtgerätes, des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumwelt aufeinander und ihre Anpassung an die physischen und psychischen Eigengesetzlichkeiten des Menschen und darüber hinaus eine optimale Arbeitsorganisation voraus.

Dies sind die wichtigsten ergonomischen Forderungen an den Bildschirmarbeitsplatz:

Datensichtgerät: Das Datensichtgerät muß eine optimale Darstellung der vom Rechner dargebotenen Information gewährleisten sowie eine ergonomisch günstige Eingabemöglichkeit bieten. Es kann kurz als ein Hilfsmittel für den Menschen zur Durchführung eines Dialogs mit einem Rechner charakterisiert werden. Es besitzt eine Anzeigeeinheit zur visuellen Informationsausgabe und eine Tastatur - unter Umständen weitere Elemente - zur Eingabe.

Das wichtigste Kriterium für die Güte der visuellen Informationsübertragung zwischen Bildschirm und Mensch ist die Sehschärfe, die unter anderem eine Funktion des Kontrastes zwischen dem Zeichen und dem Bildschirmhintergrund sowie der Helligkeit des Hintergrundes ist. Die Leuchtdichte des Hintergrundes sollte unter Beleuchtungsbedingungen im Büro 15 cd/m2 nicht unterschreiten. Die Zeichenleuchtdichte sollte einstellbar sein und einen Mindestkontrast von 1:3 ohne Ineinanderfließen und Verzerrung der Zeichen sicherstellen.

Der Bildschirm sollte so wenig wie möglich gerichtet reflektieren. Der Grad der diffusen Reflexion sollte mehr als 0,15 betragen. Zur Entspiegelung des Bildschirmes sollten möglichst keine Filter verwendet werden, da diese die Güte der Zeichen herabsetzen. Bei senkrechter Anordnung einer intern beschichteten, äußerlich leicht mattierten Oberfläche lassen sich die meisten Reflexionsprobleme lösen.

Die optimale Zeichenhöhe beträgt 16' bis 20' bei einer Zeichenbreite von 70 Prozent der Höhe. Bei Verwendung von Punktrastern ist mindestens eine 7x5-Matrix - besser 7x9 oder mehr- vorzusehen.

Die Tastatur sollte unbedingt von der Anzeigeeinheit getrennt aufstellbar und möglichst flach sein (zirka 30 mm in der Mittelreihe). Die Oberfläche sollte keine gerichtete Reflexion aufweisen (glänzende Tasten führen zu Reflexblendung) und einen Grad der gestreuten Reflexion von 0,4 bis 0,6 aufweisen. Wenn ein nennenswerter Teil der Eingabe aus numerischen Zeichen besteht, ist die Verwendung eines Zehnerblocks zu empfehlen. Felder für die Funktionstasten sollten farblich gekennzeichnet, Sende- und Löschtasten gegen unbeabsichtigte Benutzung geschützt sein.

Um die Belastung der Klimaanlage herabzusetzen, sollte das Gerät einen möglichst geringen Stromverbrauch haben. Die Verlustleistung sollte möglichst ohne Gebläse abgeführt werden. Es ist dafür zu sorgen, daß eventuell verwendete Gebläse die Luft nicht horizontal - auf den Rücken des Nachbarn - und auch nicht in den Fußraum abführen. Die an die Umgebung abgegebene Energie darf weder durch Konvektion noch durch Strahlung in den Fußraum gelangen.

Arbeitsplatzgestaltung Tätigkeitsunabhängige Kriterien:

Die Tischplatte sollte 720 mm hoch sein, die Mittelreihe der Tastatur 750 mm. Tastaturen, deren Bauhöhe 30 mm überschreitet, sollten in die Tischplatte eingelassen werden. Es empfiehlt sich, eine maximale Bauhöhe von 60 mm nicht zu überschreiten (Beinraum). Eine Anpassung an unterschiedliche Körpergrößen ist vorzugsweise mit verstellbaren Fußstützen und Stühlen vorzunehmen.

Die Sehentfernungen sind so zu wählen, daß Bildschirm, Beleg und Tastatur etwa gleiche Entfernung aufweisen. Die optimale Entfernung beträgt 500 mm für alle Elemente. Bei gelegentlicher Benutzung (zum Beispiel Reisebüro) kann die Sehentfernung zum Bildschirm größer sein (bis 700 mm).

Die Höhe des Bildschirmes sollte möglichst unabhängig von Tisch- und Tastaturhöhe wählbar sein. Die Oberkante des Bildschirmes muß auf jeden Fall unter der Augenhöhe liegen.

Tätigkeitsspezifische Kriterien:

Dateneingabe: Der Dateneingabeplatz wird in der Regel von versierten Schreibkräften benutzt, die sehr wenige Fehler machen. Sie benutzen ihren Arbeitsplatz ganztägig bei einer mittleren Eingaberate von 6000 bis 18 000 (meist 8000 bis 12 000) Anschlägen in der Stunde. Sie drehen ihren Kopf sehr oft und bewegen ihren Blick ständig zwischen Bildschirm, Beleg und Tastatur. Diese drei Elemente sollten daher räumlich dicht beieinander liegen, die Kopfbewegungen sind zu optimieren (Kopf- und Augenbewegungen vorzugsweise in der Horizontalen). Bei Belegen, deren Bearbeitungsdauer eine Minute übersteigt, ist die Verwendung eines Beleghalters zu empfehlen, der 20 Grad zur Horizontalen geneigt neben dem Bildschirm angeordnet werden sollte. Die eigentliche Informationsquelle für den Menschen ist hier der Beleg.

Sachbearbeitung, Dialog: An diesen Arbeitsplätzen wird im Mittel zirka 4 Stunden täglich mit dem Datensichtgerät gearbeitet. Der Arbeitsplatz sollte aus einer Kombination eines Eingabe- und eines Schreibplatzmodells bestehen, die eine einheitliche Höhe von 720 mm aufweisen sollten. Der Übergang zwischen beiden Teilen des Arbeitsplatzes sollte schnell und unbehindert erfolgen können (keine Tischbeine, Unterbauten, Steuergeräte etc. in dem Bewegungsbereich).

Materialeigenschaften: Die Tische sollten aus antistatischem Material mit einem Reflexionsgrad von 0,4 bis 0 6 gefertigt sein. Glänzende Tischoberflächen sind zu vermeiden.

Gestaltung der Umwelt

Klimatisierung: Die Temperatur im Raum sollte bei einer Luftfeuchte von 50 - 65 Prozent 23 Grad Celsius nicht übersteigen. Beide Werte dürfen keine starken tageszeitlichen Schwankungen aufweisen.

Die Geschwindigkeit der Luftströmung darf nicht höher als 0,1 m/s sein.

Lärmpegel: Da alle Arbeiten, die an diesen Arbeitsplätzen ausgeführt werden, eine starke Aufmerksamkeit erfordern, sollte der allgemeine Lärmpegel 55 dB (A) nicht übersteigen. Um eine gegenseitige Störung bei Gesprächen etc. zu vermeiden, sollte der Pegel bei Arbeitsräumen für mehrere Personen nicht unter 50 dB (A) liegen.

Räume, die ausschließlich mit Datensichtarbeitsplätzen belegt sind, zeichnen sich durch einen niedrigen Lärmpegel aus. Bei Aufstellung von anderen Geräten muß dieser Umstand berücksichtigt werden. Geräte mit höherer Schallemission sollten akustisch isoliert (Kopiergeräte, Drucker etc.) oder in andere Däume verlegt werden.

Beleuchtung: Bei der Gestaltung der künstlichen Beleuchtung ist auf bestmögliche Blendungsbegrenzung (Direkt- und Reflexblendung durch Bildschirme, Tastaturen, Tische) zu achten. Die optimale Gestaltung läßt sich mit Leuchten mit einer Trübglasabdeckung und einem zusätzlichen Raster realisieren, das seitliche Lichtabstrahlung unter Winkeln größer als 45 Grad unterbindet. Raster- und Prismenleuchten ermöglichen ausreichenden Schutz gegen Direkt-, jedoch nicht gegen Reflexblendung

Die Leuchten sollten möglichst parallel zur Blickrichtung ausgerichtet sein und mit Lampen der Lichtfarben "neutralweiß" oder "tageslichtweiß" bestückt werden, um Zwielichteffekte zu vermeiden. Die Lampen sollten den Anforderungen der Farbwiedergabestufe 1 genügen. Die künstliche Beleuchtung sollte eine Beleuchtungsstärke von 500 lx (Gebrauchswert) erzeugen.

Die Verwendung von Klimaleuchten kann auch bei dieser Beleuchtungsstärke empfohlen werden, da die Räume durch die Geräte höher wärmehrastet sind als normale Büroräume.

Fenster und Vorhänge: Um das Wohlbefinden der Menschen nicht negativ zu beeinflussen, ist für ausreichenden und ungehinderten Blickkontakt zur Außenwelt zu sorgen, so daß man zumindest den tageszeitlichen Verlauf der Lichtverhältnisse und das Wettergeschehen miterleben kann. Die Fenster sind gegen direkten Sonnenlichteinfall durch Außenjalousien zu schützen und mit Vorhängen zu versehen. Eventuelle Reflexblendung durch den Himmelsausschnitt ist durch geeignete Aufstellung und nicht durch Vorhänge zu vermeiden. Diese müßten nämlich dann bei klarem und bei bedecktem Himmel geschlossen bleiben.

Gestaltungshinweise zur Arbeit

Auch an einem ergonomisch optimalen Arbeitsplatz wird unter einer "Zwangshaltung" gearbeitet, da zuwendest die Bedienung der Tastatur eine bestimmte Haltung vorschreibt. Viele Muskeln des Körpers werden dabei statisch beansprucht. Es ist daher sinnvoll, die Arbeit durch Kurzpausen zu unterbrechen oder durch andere Verrichtungen zu erweitern, die weniger statische Körperhaltung erfordern. Es sollte täglich eine organisierte Bewegungspause unter fachlicher Anleitung gewährt werden.

Besonders kritisch ist die Erfassungstätigkeit, da sie eine einförmige, stark repetitive Arbeit mit starker Ausrichtung auf visuelle Informationsaufnahme und motorische Übertragung darstellt, die ganztägig ausgeübt wird. Sie stellt hohe Ansprüche an die Konzentrationsfähigkeit des Menschen. Diese Tätigkeit sollte zumindest durch Elemente erweitert werden, die andere Anforderungen an den Menschen stellen.

In der Regel sind die an den Arbeitsplätzen verwendeten Belege von geringerer optischer Qualität als die Bildschirme. Es ist somit auch Aufgabe der Arbeitsorganisation, die Personen die viel mit Belegen arbeiten, mit qualitativ besseren Vorlagen zu versorgen.

Ziele der ergonomischen Gestaltung der Bildschirmarbeit sind also:

- Vermeidung von einseitiger Belastung

- Verbesserung der Körperhaltung, Vermeidung von Zwangshaltung

- Erreichen optimaler visueller Informationsdarbietung auf Papier und Bildschirm

- menschengerechte Umweltgestaltung

- günstigere Organisation des Arbeitsablaufs

*Achmed Cakir ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Arbeitswissenschaft an der TU Berlin