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22.10.1976

Arbeitswissenschaftliche Aspekte beim Einsatz von Bildschirmen

Keine Frage, der Computer am Arbeitsplatz hat sich bewährt - der Einsatz der Dialogsysteme nimmt ständig zu. Kosten und Nutzen wurden oft genug als Entscheidungskriterien für den Bildschirm am Arbeitsplatz gegenübergestellt, auch über die nicht quantifizierbaren Vorteile ist man sich heute vollkommen im klaren. Oft genügen allein diese Argumente, um beim Management rotes Licht für die Online-Dialogverarbeitung zu bekommen. An den Vorzügen dieser Technologie gibt's scheinbar nichts zu

rütteln. Offen bleibt aber die Frage, ob hier nicht die Maschine dem Menschen davongelaufen ist. Welche Reihenfolge innerhalb der Auswahlkriterien nimmt denn der arbeitswissenschaftliche Aspekt, also auch die Gesundheit des Bildschirm-Sachbearbeiters, beim Einsatz dieser Systeme ein? hö

Alfons Albrecht, Abteilungsleiter Organisation Berliner Kraft-

und Licht AG(Bewag), Berlin

In unserem Unternehmen werden derzeit etwa 50 Bildschirm-Terminals eingesetzt - hauptsächlich im Bereich der Stromabrechnung, wo die Sachbearbeiter ständig online auf Anrufe und Fragen am Schalter antworten müssen. Den arbeitsmedizinischen Problemen, die der Terminal-Einsatz mit sich bringt, muß man sich unbedingt stellen. Bei der Auswahl der Bildschirme sollte nicht nur Preis und Nutzen im Vordergrund stehen, auch die Arbeitsfreundlichkeit wild hierbei eine wichtige Rolle spielen. Zu Beginn der Bildschirm-Euphorie lief die Technologie leider den gesundheitsmedizinischen Anforderungen davon. Die Richtlinien, wie mit einem Bildschirm zu arbeiten ist, gab es erst viel später - für manche vielleicht schon zu spät. Neben den reinen Hardware-Anforderungen muß auch die Umgebung des Arbeitsplatzes den gesundheitlichen Bedürfnissen entsprechen.

Als eine wichtige Vorkehrungsmaßnahme zur Vermeidung gesundheitlicher Schäden wurden alle Mitarbeiter bei uns einer betriebsärztlichen Augenuntersuchung unterzogen. Einige mehr müssen

heute eine Brille tragen - siecher nicht durch das Arbeiten mit dem Bildschirm, jedoch können bei diesen Mitarbeitern größere Sehschäden durch die Bildschirmarbeit verhindert werden.

Gerhard Brodersen, Leiter der EDV Otto-Versand, Hamburg

Wir haben uns mit den Problemen des Bildschirms am Arbeitsplatz sehr gründlich auseinandergesetzt und es unseren Mitarbeitern überlassen, einmal ganz klar und deutlich zu sagen, ob ihnen diese Arbeit zu anstrengend ist - vor allem bei Dauerbelastung.

Klagen hinsichtlich einer Sehschädigung kamen nicht zutage, lediglich das ganztägige Sitzen vor dem Bildschirm ruft bei einigen Unwohlsein hervor. Daraufhin werden wir jetzt mit einer Gymnastik am Arbeitsplatz beginnen. Zudem haben wir es den Mitarbeitern freigestellt, bei Bildschirm-Arbeitsplatz-Wechsel "ihre" gewohnte Tastatur mitzunehmen, da diese doch von Gerät zu Gerät etwas variieren in bezug auf Typenanordnung und Geräusch. Innerhalb einer Arbeitsgruppe kann jederzeit umgestellt werden, falls Reklamationen bezüglich des Lichtes kommen.

Von der Wirtschaftlichkeit her waren wir auf einen bestimmten Terminaltyp festgelegt. Heute allerdings läuft ein zweites System im Test. Die Auswahl für den Einsatz werden unsere Mitarbeiter ganz entscheidend mitbestimmen:

Sachbearbeiter, die bereits lange Erfahrung mit dem BiIdschirm-Einsatz haben, erproben diese Geräte und können hinsichtlich des Terminal-Designs bereits ganz klare Bedingungen stellen. Zum Beispiel hat sich herausgestellt, daß für unsere Belange die grüne Schrift wesentlich besser geeignet ist als das helle Blau bei anderen.

Des weiteren funktioniert unser Betriebsrat in dieser Beziehung ausgezeichnet, Sollten gewisse Klagen aufreten, würden wir umgehend von dort aus Resonanz bekommen und uns selbstverständlich auf seine Forderungen einrichten.

Brigitte Hahne, Vorsitzende des BundesBerufsgruppenausschusses kaufmännische Angestellte der IG Chemie Papier, Keramik Hannover

Meines Erachtens hat hier die Technik zugeschlagen, ohne die Rechnung mit dem Menschen zu machen. Wem hilft es, wenn die Menschen, die täglich 7 bis 8 Stunden an solchen "Fernsehern" sitzen, nach drei bis vier Jahren gesundheitlich derart überfordert sind, daß ihnen eine weitere Tätigkeit nicht mehr möglich ist?

Bereits heute klagen viele über Kopfschmerzen, Augenflimmern, vorzeitiges Nachlassen der Sehschärfe. Ich bin der Meinung, daß Hersteller und Wissenschaft die Aufgabe haben, vor Einsatz neuer technischer Anlagen diese eingehend zu untersuchen und zu testen, um Schäden gesundheitlicher Art auszuschalten. Jeder neu entwickelte Motor kommt auf einen Prüfstand und erhält ein Testpapier, aus dem die Höchstbelastbarkeit hervorgeht. Die Belastbarkeit des Menschen, der vor einem Bildschirm-Terminal sitzt, hat noch keiner geprüft. Die Hersteller sollten sich bereits vorhandene Erkenntnisse zunutze machen, indem sie für leicht lesbare Schriftzeichen sorgen. Der Bildschirm muß blendund flimmerfrei sein. Anwender, Werksärzte und Betriebsräte sollten darauf achten, daß nur höhenverstellbare Arbeitstische und Stühle zum Einsatz kommen. Die Anordnung des Arbeitsplatzes muß so organisiert sein, daß Haltungsschäden, hervorgerufen durch falsche Anwendung auch hinsichtlich der Beleuchtung - verhindert werden.

Diese Anregungen sind nur eine kleine Auswahl von Vorschlägen, die ohne großen Kostenaufwand erreichbar sind.

Peter Meier,

Leiter -des Rechenzentrums Osram KG, München

In unserem Unternehmen haben sich hinsichtlich der Bildschirm-Sachbearbeitung noch keine Probleme gezeigt. Die Mitarbeiter, die mit den Terminals arbeiten, sitzen niemals mehrere Stunden an den Geräten, sondern arbeiten dort nur sporadisch, vor allem weil wir feste Anschaltzeiten haben, die vier Stunden am Tag kaum übersteigen. Außerdem gibt es für mehrere Leute einen Bildschirm, so daß die Seh-Zeit des einzelnen noch geringer wird.

Unsere Terminal-Systeme sind gut ausgestattet und bereits vom Hersteller, mit einem entsprechenden Tisch versehen - also hat hier der arbeitsmedizinische Aspekt schön Anteil genommen. Aber leider setzen sich unsere Sachbearbeiter gar nicht erst hin, wenn sie sich Informationen holen, obwohl das viel bequemer wäre.

Meiner Ansicht nach müssen sich die Terminal-Anbieter hier Gedanken machen. Ein Trend geht ganz sicher dahin: Von der Firma Siemens bekamen wir vor kurzem einige Fragebogen, die sich mit den Anforderungen an die Bildschirmarbeitsplätze beschäftigen. Sollte die Bildschirm-Arbeit in einem Unternehmen sehr stark zunehmen, müssen allerdings ganz klare ergonometische Anforderungen an die Systeme gestellt werden.