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04.06.2004 - 

CSC Ploenzke: Urlaubstage und Weihnachtsgeld gewinnbringend anlegen

Arbeitszeitkonten bringen Vorteile für alle

Arbeitgeber gewinnen an Attraktivität, wenn sie ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Viel versprechen sich Unternehmen von flexiblen Arbeitszeitkonzepten und Zeitwertkonten, wie das Beispiel der IT-Beratung CSC Ploenzke zeigt. Von Klaus Bindemann und Holger Weiser*

Aus dem beruflichen Alltag auszubrechen und die täglichen Verpflichtungen hinter sich zu lassen muss keine unstillbare Sehnsucht mehr sein. Während der eine auf Weltreise geht, lernt sein Kollege Spanisch in Costa Rica, um seinen beruflichen Marktwert zu steigern. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich für längere Zeit auszuklinken. Entweder sehen Arbeitgeber in "Sabbaticals" eine Chance, Personalkapazität ohne Kündigungen herunterzufahren, oder sie setzen die flexible Arbeitszeitgestaltung gezielt zur langfristigen Bindung von Mitarbeitern ein.

Zeitwertkonten bringen Geld

Ein Konzept, das weit über das Angebot längerer Auszeiten hinausgeht, ist das "Zeitwertkonto". Im Unterschied zu bisher favorisierten Modellen, die sich darauf beschränken, Urlaubsanspruch sowie Mehrarbeit im Verhältnis von eins zu eins abzugelten, ermöglicht das Zeitwertkonto einem Mitarbeiter nicht allein, vertraglich zugesicherte Urlaubsansprüche "anzusparen". Wie bei der betrieblichen Altersvorsorgung kann er auch Teile seines Gehalts sowie Prämien oder das Weihnachtsgeld in diese Anlageform investieren.

Das Zeitwertkonto ermöglicht die Gehaltsumwandlung aus Bruttobeträgen. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass Steuern und Sozialversicherungsbeiträge erst bei einer späteren Vergütung abgeführt werden müssen. Je nach Anlagedauer sammelt sich so ein Guthaben an, aus dem der Mitarbeiter entweder eine befristete Auszeit oder Teilzeit, eine Altersteilzeit oder den vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand auswählen kann - ohne Gehaltseinbußen. Dank der Anlage in Investmentfonds kann mit der Zeit ein üppiges Vermögen entstehen.

Zeitwertkonten, wie sie beispielsweise CSC Ploenzke seit März 2003 seinen Mitarbeitern anbietet, eröffnen einen größeren Handlungsspielraum als bisher. Insbesondere Firmen, deren Fach- und Führungskräfte zum überwiegenden Teil im Projektgeschäft tätig sind, profitieren von diesem Modell. Aufgrund der hohen Flexibilität, die in der Projektarbeit gefordert wird, gelingt es nämlich nur wenigen Mitarbeitern, ihren Urlaubsanspruch einzulösen. Viele arbeiten vor Ort beim Kunden, leben im Hotel und sehen ihre Familien höchstens an Wochenenden. Nicht ungewöhnlich ist es, dass sie daher einen hohen Urlaubsanspruch vor sich herschieben.

Engagierte Mitarbeiter erwarten, dass ihr Arbeitgeber ihnen bei der Vereinbarung von privaten und beruflichen Belangen entgegen kommt. Oft entscheidet sich gerade in dieser Frage, ob sie einen Anstellungsvertrag unterschreiben oder lieber bei der Konkurrenz anheuern.

Dabei fallen die Vorlieben recht unterschiedlich aus. Während jüngere Mitarbeiter das Zeitwertkonto vorrangig für Reisen, eine längere Weiterbildung oder für eine Familienauszeit verwenden dürften, verfolgen ältere Mitarbeiter eine langfristige Perspektive. Ist das Haus abbezahlt und sind die Kinder aus dem Haus, möchten sich viele Mitarbeiter entweder per Altersteilzeit allmählich aus dem Berufsleben zurückziehen oder aber vorzeitig in Rente gehen. Wer weder Urlaub noch vorzeitigen Ruhestand in Anspruch nimmt, kann den über die Jahre gewachsenen Erlös des Zeitwertkontos auch alternativ in die betriebliche Altersversorgung einbringen.

Bei der Gestaltung seines Zeitwertkontos hat sich CSC Ploenzke für das Dienstleistungsangebot "Zeit-Wertpapier" einer Hypo-Vereinsbank-Tochter entschieden. Das Modell trägt den Stempel von Peter Hartz, Personaldirektor der Volkswagen AG, der das Zeitwertpapier 1998 im Wolfsburger Automobilkonzern einführte.

Dank moderner Informationstechnik lässt sich das Zeitwertpapier in der betrieblichen Praxis komfortabel einsetzen. Passwortgeschützt greifen Mitarbeiter auf eine Internet-Plattform zu, die über das aktuelle Guthaben der bisher investierten Zeit- und Entgeltbeträge Aufschluss gibt und dem Mitarbeiter erlaubt, weitere Urlaubstage oder Vergütungsbestandteile einzupflegen. Modular konzipiert, eröffnet die Plattform dezentralen Zugriff per Browser und kann auch zentral von der Personalabteilung verwaltet werden. Über eine Schnittstelle fließen die aktuellen Daten automatisch in Systeme der IT-gestützten Lohn- und Gehaltsbuchhaltung wie SAP oder Paisy ein und entlasten damit die Personalabteilung von Verwaltungsarbeit.

Flexible Lösung für Mitarbeiter

Das Zeitwertkonto ist ein neuer Ansatz der flexiblen Lebensarbeitszeitplanung. Die Altersgrenze für die Sozialversicherungsrente nach vorangegangener Altersteilzeit wurde schrittweise vom 60sten auf das 63ste Lebensjahr angehoben. Auch die staatliche Förderung der Altersteilzeit gilt nur noch für Arbeitnehmer ab 55 Jahren, die ihre Arbeitszeit vor dem Jahr 2010 reduzieren wollen. Diese Förderung dürfte nach heutigem Ermessen kaum verlängert werden. Im Unterschied zu den nachteiligen gesetzlichen Regelungen für Arbeitnehmer setzt das Zeitwertkonto auf die betriebliche und private Vorsorge: Der Anspruch auf vorzeitigen Renteneintritt oder individuell vereinbarte Altersteilzeit, den sich ein Mitarbeiter durch langfristige Ansparungen im Zeitwertkonto erworben hat, wird somit Teil seiner Eigenvorsorge.

Abgesichert sind die Guthaben des Mitarbeiters durch ein Anlagekonzept, für dessen laufende Betreuung weder Depotgebühren noch der für Fonds übliche Ausgabeaufschlag zu berappen sind. Basis sind sieben thesaurierende Dachfonds sowie ein Geldmarktfonds, die individuell auf das gewünschte Risiko- oder Sicherheitsbedürfnis des Anlegers zugeschnitten werden. Favorisiert beispielsweise ein lediger Mitarbeiter in jungen Jahren eine renditeorientierte Anlage, wird sein älterer Kollege eher auf Sicherheit achten.

Kleingedrucktes lesen

Bei aller Attraktivität, die das Zeitwertkonto aus Sicht des Mitarbeiters mit sich bringt, sollten die Risiken freilich nicht verschwiegen werden. Der Beschäftigte erwirbt mit dem Zeitwertkonto weder eine Versorgungszusage noch einen Versicherungsschutz. Das Risiko des Werterhalts oder der Verzinsung des Guthabens liegt bei ihm. Gerät das Unternehmen oder sein Arbeitsplatz in Gefahr, hält sich das Risiko in Grenzen, zumal Guthaben auf Zeitwertkonten gegen Insolvenz zu schützen sind.

Doch was passiert mit dem Guthaben, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? Hier existieren drei Varianten. Hat das neue Unternehmen ebenfalls ein Zeitwertkonten-Modell eingeführt, kann sein Guthaben auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden. Anders als 1998 bei der Verabschiedung des "Gesetzes zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen" (Flexi-Gesetz) vom Gesetzgeber erwartet, haben sich bisher nur sehr wenige Unternehmen bereit erklärt, Zeitwertkonten in Geld zu führen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der neue Arbeitgeber ein Zeitwertkonto-Modell anbietet, noch gering. Damit verbleibt die Möglichkeit zur Übertragung des angesammelten Guthabens auf eine gesetzlich zugelassene Form der betrieblichen Altersvorsorge. Lehnt der Mitarbeiter diese Option ab, muss ihm das angesparte Kapital direkt ausgezahlt werden. Die beiden erstgenannten Alternativen sichern den günstigen Steuer- und Sozialversicherungsstatus, bei einer direkten Auszahlung ist das nicht der Fall.

Solche Faktoren sollten Firmen ins Kalkül einbeziehen und für jeden denkbaren Fall eine akzeptable Lösung entwickeln. Schließlich steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, wenn sie Fach- und Führungskräfte rekrutieren und langfristig an sich binden wollen. Neueren Untersuchungen zufolge, wollen Mitarbeiter genau wissen, ob sie ihre Guthaben tatsächlich in Anspruch nehmen können, wenn sie wollen, oder lediglich dann, wenn das Unternehmen gezwungen ist, Arbeitszeit abzubauen. Mitarbeiter von CSC Ploenzke haben daher einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf eine Freistellung aus dem Zeitwertkonto.

Immerhin 2350 Mitarbeiter der Deutschen Bank entschieden sich binnen sechs Monaten, ein Zeitwertkonto einzurichten. Bei VW investierten bisher etwa 110 000 Beschäftigte rund 420 Millionen Euro in das Zeitwertkonto. Trotz der heftigen Turbulenzen am Kapitalmarkt erwirtschafteten die Fonds eine durchschnittliche Rendite von mehr als fünf Prozent. Auch andere Unternehmen planen, ein Zeitwertkonto ins Leben zu rufen, oder sammeln bereits erste Erfahrungen. (hk)

*Klaus Bindemann ist Management Consultant, Holger Weiser ist Leiter Personal bei der CSC Ploenzke AG in Wiesbaden.