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29.11.2004

Arcor forciert den Kampf um Breitbandkunden

Trotz solider Halbjahreszahlen muss der Festnetzbetreiber aufpassen, im wichtigen DSL-Geschäft nicht den Anschluss zu verlieren.

Breitband sorgt für einen Festnetz-Boom", lautete das Fazit von Arcor-Chef Harald Stöber anlässlich der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen. Der nach der Deutschen Telekom zweitgrößte Festnetzanbieter in Deutschland versucht seit Anfang November, mit neuen Angeboten Kunden zu ködern. Die Pakete sind aus ISDN-Telefon- und DSL-Anschlüssen sowie Pauschaltarifen für herkömmliche Telefongespräche und Internet-Nutzung geschnürt. Wie viele Kunden Arcor damit bislang gewonnen hat, wollte Stöber nicht verraten. Man sei mit der Resonanz jedoch sehr zufrieden.

Arcor profitiert dabei von seinem rund 22 000 Kilometer langen Glasfasernetz, mit dem der Anbieter etwa 200 deutsche Großstädte abdeckt. Damit erreicht die Vodafone-Tochter rund 40 Prozent der deutschen Bevölkerung mit ihrer eigenen Infrastruktur. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/05 steigerte Arcor die Zahl seiner DSL-Kunden um 54 000 auf 223000. Insgesamt gingen Ende September 2004 etwa 424000 Kunden über einen Arcor-Anschluss ins World Wide Web. Das sind 67 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Konkurrenz lockt Kunden

Der Kampf um die Breitbandklientel wird für Arcor trotz der respektablen Steigerungsraten jedoch härter. So konnten die Wettbewerber in den zurückliegenden Monaten mit höheren Wachstumsraten in Sachen DSL glänzen. Zum Beispiel verkaufte die Deutsche Telekom allein im dritten Quartal 2004 zirka 450000 DSL-Anschlüsse. United Internet steigerte während der ersten neun Monate dieses Jahres die Zahl seiner DSL-Kunden um 280000 auf insgesamt 930000. Vor einem Jahr waren es noch 540000 Kunden. Freenet gewann nach eigenen Angaben allein im dritten Quartal 2004 etwa 65000 neue DSL-Kunden hinzu. Ausgehend von aktuell rund 265000 Breitbandanschlüssen rechnen die Verantwortlichen bis zum Jahresende mit zirka 300000 Breitbandkunden.

Stöber will sich von den Erfolgen der Konkurrenz jedoch nicht bange machen lassen. Arcor habe seine Position als stärkster Konkurrent der Telekom behauptet, bekräftigt er. Um dies zu festigen, müsse jedoch weiter investiert werden. Arcor will im laufenden Jahr rund 120 Millionen Euro in den Ausbau seiner Netze stecken. Damit lägen die Aufwendungen etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings hinkt der Anbieter seinen Vorgaben etwas hinterher. Im ersten Geschäftshalbjahr 2004/05 hat Arcor erst 40 Millionen Euro investiert. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 64 Millionen Euro.

Stöber liebäugelt auch mit neuen Techniken. Mit Hilfe der breitbandigen Funktechnik Worldwide Interoperability for Microwave Access (Wimax), die eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern erlaubt, ließen sich auch ländliche Regionen für DSL erschließen. Bislang scheuen die Telkos allerdings noch vor Investitionen in den Aufbau entsprechender Netze zurück. Zu wenig kalkulierbar scheint der Erfolg. Auch Stöber äußert sich in Sachen Wimax eher unverbindlich. Sollte sich Arcor für die neue Funktechnik entscheiden, werde man in den nächsten zwei Jahren mit entsprechenden Netzinvestitionen beginnen.

Neue Multimedia-Kombinationen

Bis dahin muss Arcor in seinen angestammten Geschäftsfeldern bestehen. Um seine DSL-Angebote zu unterstützen, testet der Telekommunikationsanbieter derzeit eine Zusatzbox für Fernsehgeräte. Damit sollen Kunden Videos aus dem Netz auf den heimischen Rechner herunterladen und via Funkverbindung auf dem TV-Gerät abspielen können. Denkbar seien auch Kooperationen, um Festnetz- und Mobilfunkangebote zu bündeln, orakelt Stöber.

Ob dabei die Arcor-Mutter Vodafone mitspielt, ist jedoch fraglich. Die Briten, die Arcor im Zuge der Mannesmann-Übernahme geschluckt hatten, versuchen seit geraumer Zeit, die ungeliebte Festnetztochter loszuschlagen. Allerdings fand sich bislang kein potenter Käufer, der bereit ist, die geforderte Mindestsumme von einer Milliarde Euro auf den Tisch zu legen.

Ende der Preisspirale?

Stöbers Waffe im sich verschärfenden Wettbewerb wird daher auch künftig der Preis sein. Der Spielraum für nominelle Preissenkungen sei jedoch weitgehend ausgereizt, prognostiziert der Arcor-Chef. Stattdessen würden Kunden in Zukunft für das gleiche Geld mehr Leistung bekommen. So rechnet Stöber in absehbarer Zeit mit Übertragungsraten von 4 oder 5 Mbit pro Sekunde. Wann Arcor entsprechende Angebote präsentiert, wollte er nicht verraten. (ba)