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21.02.2003 - 

MPLS in Virtual Private Networks

Arcor: Vier-Gang-Getriebe für Anwendungen

MÜNCHEN (pg) - Der Festnetzbetreiber Arcor führt zum besseren Traffic-Management in Unternehmensnetzen Multi Protocol Label Switching (MPLS) ein. Damit können Firmen bei der Vernetzung von Standorten über Virtual Private Networks (VPN) zeitkritische Anwendungen priorisieren.

Die wesentlichste Neuerung, die Arcor mittelständischen und großen Unternehmen zur CeBIT präsentieren wird, betrifft den Bereich VPN. Der Carrier wird im März für alle Services seines IP-VPN-Angebots "Company Net" MPLS einführen (siehe Kasten "Multi Protocol Label Switching), um zeitkritische Anwendungen wie Sprach- und Videodienste besser in IP-basierende Firmennetze zu integrieren. MPLS wird dabei, wie Hartmut Kremling, Vorstand Technik und Operations, sagte, künftig Bestandteil aller Company-Net-Dienste sein und unter den Kosten vergleichbarer ATM-Produkte liegen.

Bernhard Demuth, Bereichsleiter Marketing Geschäftskunden, sieht für Mittelständler und Großbetriebe, die sowohl Sprache als auch Daten und Multimedia über ein IP-Netzwerk fahren, dringenden Bedarf an MPLS. Sein Argument: "Voice over IP hat heute noch nicht die Qualität von ISDN." Nur mit MPLS, so Demuth, könne diese Sprachqualität derzeit in IP-Netzen erreicht werden.

Die Kritik des Arcor-Managers an Voice-over-IP-Lösungen ist zwar gewagt, weil sich die Systeme in Sachen Sprachqualität erheblich verbessert haben (siehe CW 7/03, Seite 16), dennoch kann der MPLS-Betrieb zur effizienteren Auslastung von IP-Netzen beitragen. Im Rahmen dieses Ansatzes bieten die Eschborner nämlich vier Quality-of-Service-Klassen an, die unterschiedliche Priorisierungskategorien für den Transport von Anwendungen im Netz erlauben.

Die Serviceklasse "Basic" ist als Grundstufe für unkritische Anwendungen wie zum Beispiel E-Mail oder Internet-Recherche gedacht. Die nächsthöhere Klasse "Advanced" eignet sich laut Arcor für E-Commerce-Anwendungen, SAP oder die Nutzung Web-basierender Dienste. Die dritte Kategorie "Multimedia" ist für Video und andere Anwendungen mit Echtzeitanforderungen vorgesehen. Die oberste Stufe mit der Bezeichnung "Voice" ist für Sprachdienste im VPN reserviert und erfüllt dem Carrier zufolge die Anforderungen an eine sehr gute Sprachqualität.

Zunächst, so Kremling, wird die Klassifizierung der Anwendungen statisch sein. Für Arcor-Kunden heißt das, sie müssen für alle ihre Applikationstypen eine der vier Qualitätskategorien festlegen, die der Carrier dann in die Software seiner Router einspeist. Änderungen bei der Zuweisung von Klassen kann der Anwender heute selbst nicht vornehmen, mit Hilfe des Web-basierenden Management-Tools "CN Manager" aber bei Arcor signalisieren. Eine eigenständige und flexible Einstellung der Klassen durch den Kunden ist Kremling zufolge geplant. Die Kontrolle der Servicegüte ist jedoch mit dem "CN Monitor" von Arcor möglich.

Nach Ansicht von Kremling dokumentieren diese vier Serviceklassen das Plus von MPLS, weil der Standard das Beste aus den Transportverfahren Frame Relay und ATM sowie IP vereint. Seitens Frame Relay sind das seiner Meinung nach die variablen Rahmenlängen sowie die Verbindungsorientierung. Von ATM sind unter anderem Quality of Service, Bandbreiten-Management und Multiservice-Unterstützung in MPLS eingeflossen. IP wiederum hat mit der Adressierung, Class of Service und variablen Paketlängen zu MPLS beigetragen.

Arcor sieht nicht zuletzt wegen MPLS einen anhaltenden Trend zu VPNs. Dieser Nachfrage will das Unternehmen mit dem modularen Aufbau seiner VPN-Produktfamilie Company Net sowie einer strikten Sicherheitspolitik Rechnung tragen. So wird der Datenverkehr nur über das Arcor-eigene IP-Backbone geroutet. Allerdings steht die Vodafone-Festnetztochter mit ihrem Angebot nicht allein. Auch andere Carrier wie die Deutsche Telekom, BT, AT&T oder Equant bieten MPLS für IP-Netze und VPN-Services an.

Mit der Einführung von MPLS liegen die Eschborner jedenfalls im Trend. Einer Untersuchung der Marktforscher von Infonetics Research zufolge spielt der Standard in neuen IP-Netzen bereits eine wesentliche Rolle bei Traffic Engineering sowie VPN-Diensten und gewinnt zudem als Technik bei der Konsolidierung von getrennten Legacy- und IP-Datennetzen auf ein einheitliches Kernnetz an Bedeutung. In ATM- und Frame-Relay-Netzen wird MPLS Infonetics zufolge aber erst kommendes Jahr Einzug halten.

Multi Protocol Label Switching

Multi Protocol Label Switching (MPLS) ist ein von der Internet Engineering Task Force (IETF) definierter Standard, der unter anderem aus dem von Cisco entwickelten Tag Switching generiert wurde. Er soll helfen, den stark wachsenden IP-Verkehr im WAN besser zu organisieren, und stellt außerdem eine Dienstegüte (Quality of Service) in IP-Netzen bereit, die den Transport von Echtzeitdaten wie Sprache oder Video über paketbasierende Netze vereinfacht. Technische Grundlage von MPLS ist ein Label-basierender Transportmechanismus. Bei dem Verfahren werden die IP-Pakete entsprechend ihrer Priorität mit Etiketten, so genannten Labels, versehen und über Label Switched Paths (LSP) übertragen. MPLS weist den Datenpaketen Verbindungen mit der erforderlichen Bandbreite zu und räumt ihnen Vorrang vor weniger wichtigen Informationen ein.

Abb: Arcor Company Net

Quelle: Arcor