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23.09.1994

Argumente fuer den Einsatz von CBT Dem Wunsch nach Flexibilitaet beim Unterricht gerecht werden

Vor allem die finanziellen Einsparungen durch Computer Based Training (CBT) gegenueber herkoemmlichen Schulungsmethoden haben Schlagzeilen gemacht. Der Computer als Lehrer verursacht geringere Veranstaltungs- und Reisekosten. Die Ausbildung nimmt weniger Arbeitszeit in Anspruch, somit sind die Personalkosten niedriger. Joachim Weidenboerner* zeigt auf, welche Detailschritte fuer eine erfolgreiche Einfuehrung von CBT notwendig sind und wo die Moeglichkeiten, aber auch die Grenzen der neuen interaktiven Lernmedien liegen.

Sicherlich ist es kein Zufall, dass der Einzug der Computer in die Welt der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zu Zeiten der wirtschaftlichen Rezession erfolgte. Wohl der wichtigste Vorteil des computerunterstuetzten Unterrichts ist, dass die Lerninhalte sich individuell an die Lerngeschwindigkeit, den Lernbedarf und den vorhandenen Kenntnisstand des Schuelers anpassen lassen.

Der Einstieg ist jederzeit moeglich

Fuer eher zurueckhaltende Mitarbeiter, die im Klassenzimmer lieber keine Fragen stellen, ist der CBT-Tutor damit genauso interessant wie fuer die typischen Ueberflieger, die im herkoemmlichen Unterricht nach kuerzester Zeit gelangweilt abschalten - und erst dann wieder "auftauchen", wenn sie den Anschluss bereits verpasst haben.

Auch Quer- oder Seiteneinsteiger koennen mit dem computergestuetzten Lernsystem jederzeit in die betriebliche Weiterbildung einsteigen. Dies ist besonders interessant fuer neu eingestellte Mitarbeiter, die eingearbeitet werden muessen. Sie brauchen nicht auf ein neues Seminarprogramm zu warten, sondern koennen direkt am Anfang, wenn ihr Informationsbedarf naturgemaess am hoechsten ist, direkt in alle relevanten CBT-Kurse einsteigen.

Lernen am Bildschirm muss Spass machen

Grundsaetzlich kann die Schulung am PC immer dann erfolgen, wenn es mit den betrieblichen Aufgaben vereinbar ist - und nicht umgekehrt. Gute CBT-Systeme haben immer auch ein bisschen mit Computerspielen gemein: Sie setzen Grafik, Farben, Animation und Multimedia so ein, dass das Lernen Spass macht. Simulationen koennen darueber hinaus neue Dimensionen im Lernen eroeffnen, vermitteln sie doch ein Erfahrungswissen im Umgang mit vernetzten Systemen, exponentiellem Wachstum etc., das sich - so wichtig es ist - im herkoemmlichen Unterricht vielfach kaum erlernen laesst. Hinzu kommt, dass "Learning by doing", das Erwerben von Wissen in der konkreten Situation mit akutem Handlungsbedarf, nachweislich mit besseren Lerneffekten einhergeht - ein Grund dafuer, dass einige CBT-Systeme fuer den Direktaufruf in konkreten Arbeitssituationen, etwa zur Einfuehrung neuer Verfahrensablaeufe im Unternehmen, massgeschneidert werden.

Diese direkte Einbindung des computergestuetzten Lernens in das konkrete Arbeitsumfeld wirkt sich auch dadurch effizienzsteigernd aus, dass Fehlerquellen ausgemerzt werden, die sich sonst bei unvollstaendiger oder gar unzuverlaessiger "kollegialer" Hilfe ungehindert einschleichen und weiter vermehren koennten. Auch die Zahl zeitintensiver Einzelanfragen an die Kollegen, an Vorgesetzte oder an die Mitarbeiter des Help-Desk laesst sich durch CBT-Systeme senken. Vielfach wird CBT auch mit Erfolg eingesetzt, um die Nutzung teurer Computertechnologie effektiv zu gestalten.

Derartige Ansprueche werden allerdings nicht gerade von handelsueblicher CBT-Software "off the shelf" erfuellt. Bei der Entwicklung einer guten, auf die Beduerfnisse des Unternehmens zugeschnittenen CBT-Software entstehen vergleichsweise hohe Kosten: Fuer die Entwicklung einer Seminarstunde gilt in unserem Unternehmen etwa eine Mann-Woche als Faustregel. Eine Investition, die sich daher in erster Linie fuer groessere Unternehmen lohnt.

Legent ist eines der weltweit fuehrenden Softwareunternehmen fuer Tools und Services zur Mitarbeiterschulung, das mit einer neuen, weitgehend selbstaendig operierenden Information Technology Division (ITD) in den Markt fuer computergestuetzte Schulungssoftware und Online-Help-Systeme eingestiegen ist.

Grundsaetzlich wendet das Unternehmen eine sechsstufige Arbeitsmethodik zur Entwicklung von CBT-Kursen an und konzipiert diese Kurse auf der Basis hauseigener CBT-Softwaretools wie Phoenix und Syllabus, die auf verschiedene Rechnerumgebungen zugeschnitten sind. Aber auch Kunden, die die Entwicklungsarbeit an den Schulungskursen in Eigenregie unternommen haben, sind mit dieser Methodik zu einem massgeschneiderten CBT-System gelangt.

Wichtig fuer den spaeteren Erfolg eines Trainingsprogramms ist in der Startphase (Phase 1/Bedarfsanalyse) zunaechst die Analyse der Zielgruppe, ihrer Voraussetzungen, Motivationen und der Aufgabenstellungen. Hieraus sollte ein Ueberblick ueber die Lerninhalte und den Dokumentationsbedarf abgeleitet werden.

Als Grundlage fuer die Kostenkalkulation werden in dieser Phase die erforderlichen Systemkonzepte, -verfahren und Prozeduren fuer die einzelnen Verantwortungsbereiche der Anwender beschrieben und mit entsprechenden Software-Empfehlungen ausgestattet. Der Bedarf an CBT-Kursen, Online- und Hardcopy-Referenzmaterial und -Hilfen sollte abgeschaetzt werden. Bei Kenntnis der vorhandenen Ressourcen (Hardwareplattformen, Unterrichtsmaterial) ist es dann moeglich, die Kosten fuer eine CBT-Installation realistisch abzuschaetzen. An dieser Stelle sollte die Entscheidung fuer oder wider die Durchfuehrung eines CBT-Projekts fallen.

In der zweiten Phase des Systementwurfs werden die konkreten Lernziele formuliert, vorhandene Materialien und Dokumentationen gesichtet und in CBT-Units gegliedert. Am besten wird hierbei moeglichst eng mit den jeweiligen Sachverstaendigen des Unternehmens zusammengearbeitet. Bereits jetzt sollten Fragen der Indexierung von Lerninhalten fuer die Computer Based Reference (CBR/computergestuetzte Nachschlagewerke) grundsaetzlich geregelt werden. So laesst sich dann von Anfang an ein aufeinander aufbauendes System mit verschiedenen Lernpfaden installieren. Unterlaeuft einem Schulungsteilnehmer beispielsweise spaeter zum x- ten Mal ein Fehler derselben Kategorie, so wird der Computer dies bemerken und ihn mit Aufgaben und Uebungen aus anderen Seminaren wieder an das eigentliche Kursniveau heranholen. Auch sollte in dieser Phase bereits festgelegt werden, welche Module die Moeglichkeiten des interaktiven Lernens (IL) nutzen. Sorgfaeltige Vorueberlegungen helfen hier spaeter viele unnoetige Kosten ersparen. Erfahrungsgemaess wird bei Legent etwa ein Viertel der gesamten Entwicklungszeit fuer die ersten beiden Phasen aufgewendet.

In der dritten Phase der Entwicklung und Produktion der CBT- Courseware werden dann der Online- oder wahlweise Hardcopy- Prototyp sowie der Plan fuer die spaetere Pilotstudie erstellt. Die Intensitaet der Ausarbeitung haengt stark vom Stand des vorhandenen Lehrmaterials ab: inwieweit praktische Uebungen bereits vorstrukturiert sind, wie viele Verzweigungen das Unterrichtsmaterial fuer verschiedene Lernpfade anbietet, wie stark Tests und Feedback-Installationen oder Simulationen gestaltet werden muessen. Zwar werden die Mitarbeiter des Unternehmens fuer inhaltliche Fragen benoetigt, die Hauptarbeit lastet in dieser Phase aber auf dem CBT-Entwicklungsteam, ob hauseigen oder extern.

In der sogenannten Validations- und Testphase empfiehlt sich die inhaltliche Bewertung und Korrektur des zusammengestellten Unterrichtsmaterials sowie die Pruefung technischer Details. Gleichzeitig kann der Plan fuer die Implementierung des CBT- Programms entwickelt werden. Die Pilotphase kann beginnen, sobald die Korrekturen sowohl von seiten der Tester als auch der Technik in die Anwendung uebernommen wurden. In dieser Phase liegt die Hauptverantwortung fuer ein gutes Gelingen beim Unternehmen, das Zeit und Personal fuer die Pilotstudie zur Verfuegung stellen muss. Ausgewertete Frageboegen der Versuchspersonen erleichtern die Umsetzung von Modifikationen.

Wenn die fertige, vollstaendig ausgetestete CBT- und IL-Courseware schliesslich implementiert worden ist (Phase 6/Implementierung), verfuegt der Kunde auch ueber eine vollstaendige Dokumentation des Materials, ueber Online-Baende und -Hilfen sowie ueber entsprechendes Referenzmaterial als Hardcopy. Um Akzeptanzproblemen bei den CBT- Kursen vorzubeugen, sollte das Lehrpersonal die Funktionen der neuen Lernmethoden moeglichst persoenlich in den Abteilungen erlaeutern. Kurze, einfache Anweisungen oder Empfehlungen zur Nutzung des Systems sollten auf jeden Fall schriftlich verteilt werden. Sinnvoll ist es, auch eine Telefon-Hotline anzugeben, unter der eventuell auftauchende Probleme sich sofort loesen lassen.

Wie bei jedem Lehrplan wird es von Zeit zu Zeit notwendig, das Curriculum zu ueberarbeiten. Dank der positiven Erfahrungen mit dieser neuen Lerntechnologie dehnen sich auch die Aufgabenbereiche von CBT-Systemen immer staerker aus: Sprachen und Programmiersprachen, Arbeits- und Reparaturtechniken, Organisations- und betriebswirtschaftliche Ablaeufe (allgemein und individuell), die Anwendung oder Bedienung von Computerprogrammen und technischen Systemen, der Umgang mit neuen Technologien, der (Modell-)Bau eines Schiffs, ja sogar die Entwicklung von CBT- Kursen selbst lassen sich mit Hilfe von CBT-Kursen erlernen. In Zukunft werden neue technische Moeglichkeiten, etwa weiterentwickelte Expertensysteme, hohe Speicherkapazitaeten (CD- ROM) und interaktive Medien immer neue Anwendungsbereiche fuer computergestuetztes Lernen eroeffnen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht nur fuer Organisationen mit mehreren Hardwareplattformen wichtig, dass die Autoren-Software eine Transportierbarkeit zwischen verschiedenen Computersystemen ermoeglicht. Auf dem Markt sind jetzt bereits Loesungen fuer die DV- Plattformen MVS, VM, VSE, ferner PC-DOS, Windows, OS/2 und Unix. In Kuerze wird Legent ITD eine professionelle CBT-Loesung auf Client-Server-Ebene auf den Markt bringen.

Natuerlich gibt es auch Grenzen fuer computergestuetztes Lernen. Zum einen rechnen sich die doch hohen Investitionen in die Entwicklung massgeschneiderter CBT-Systeme derzeit eigentlich nur fuer Grossunternehmen. Zum anderen sind die Grenzen solchen Lernens ueberall dort zu ziehen, wo es darum geht, menschliches Verhalten zu schulen. Fuehrungseigenschaften, Kollegialitaet, Teamfaehigkeit, Sozialkompetenz und dergleichen lassen nicht ausschliesslich am Computer erlernen. Es wird also immer Anwendungsbereiche geben, fuer die das gute alte Klassenzimmer den geeigneten Rahmen darstellt.

Ueberhaupt sollte die Diskussion zwischen herkoemmlichen Unterrichtsmethoden und CBT nicht als

"Entweder-Oder"-Debatte gefuehrt werden. Denn beide Methoden koennen sich gut ergaenzen: etwa, indem das Absolvieren eines CBT-Kurses zur Teilnahmevoraussetzung eines klassischen Seminars gemacht wird.

So laesst sich beispielsweise sicherstellen, dass nur Mitarbeiter mit aehnlichen Kenntnissen teilnehmen - ein Umstand, der von den Kursteilnehmern sehr begruesst wird. Auch koennen geeignete Kursinhalte - wie praktische Uebungen, die Aneignung theoretischer Grundkenntnisse und Fertigkeiten - auf den Computer ausgelagert werden, so dass sich die teure Arbeitszeit, die Mitarbeiter im Seminar verbringen, auf ein Minimum reduziert. Schliesslich empfiehlt sich die Fortsetzung klassischer Methoden durch computergestuetzte Kurse auch dort, wo ein Kenntnisstand immer wieder ueberpruefbar aktualisiert werden muss.

Fuer CBT sprechen auch inhaltliche Aspekte

Alles in allem sprechen nicht nur Kosten-, sondern auch inhaltliche Argumente fuer eine Einfuehrung computergestuetzter Schulungssysteme. Allerdings ist es nicht ganz einfach, den Computer zum Lehrer zu machen. Eine enge Kooperation zwischen den CBT-Sachverstaendigen und den beteiligten Unternehmen ist in jedem Fall dringend zu empfehlen.

Von groesstem Interesse duerfte der Einsparungseffekt innerhalb der Schulungsabteilungen der einzelnen Unternehmen sein. Fuer die Weiterbildung geben Betriebe im deutschsprachigen Raum pro Jahr etwa 35 Milliarden Mark aus.

EDS beispielsweise spart pro Jahr durch Einsatz der Legent-ITD- Produkte rund sieben Millionen Dollar ein, weil beispielsweise die Finanzierung des Lehrmaterials und der Schulungskurse entfallen.