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11.03.1983

Arm und reich

Obwohl die Vertriebsbosse der Nicht-Kompatiblen immer wieder betonen, sie könnten auf die Markentreue ihrer Altkunden bauen, kommen heuer ständig neue Schreckensnachrichten aus dem BUNCH-Lager (Seite 1): Da rüsten Shell und BAT, um nur die bekanntesten Konvertiten zu nennen, auf Hardware des Marktführers um, liebäugeln, mehr oder weniger offen, andere Großanwender mit der IBM-Alternative. Die Gründe für das "Fremdweh" sind bekannt: Big-Blue-Technik repräsentiert nun einmal den Industrie-Standard.

Branchenkenner wissen das: Mix-Möglichkeiten für IBM-Anwender gibt es überreichlich - den Rest der Computerwelt kann da nur der Neid packen. Und daß die alteingesessenen US-Mainframer Burroughs, Univac, NCR, Control Data und Honeywell wie die Schießhunde auf ihren Kundenpark aufpassen müssen, damit auch ja kein Schäfchen entläuft, ist auch nicht neu. Die Initiative für Umstellungsverhandlungen ging stets von den Anwendern aus - IBM selbst geriet nie in den Morast von Abwerbungsversuchen und Replacement-Kungelei. Im Gegenteil: Es waren die Erzrivalen des Marktführers, neben den BUNCH-Vertretern auch die Europäer Siemens und ICL, die den Staub des Emigrationspfades jeweils in die gute Stube eines anderen trugen. Bislang blieb es jedoch meist beim Flirt, wurde der Ehebruch de facto nur selten vollzogen. So hielt sich die Fluktuation in Grenzen, sowohl zwischen den beiden großen Lagern - die IBM plus PCM, da BUNCH plus ICL/Siemens - als auch zwischen den einzelnen Herstellern.

Jetzt scheinen Nicht-IBM-Großanwender in Scharen auf IBM-Kurs zu gehen, "als ob eine Lawine losgetreten wurde", wie DV-Consulter berichten. Um ihre langfristige DV-Investitionspolitik nicht zu gefährden, wollen einige Großanwender die Umstellung auf IBM-Hardware nicht länger hinauszögern. Manche befürchten, daß die Kluft zwischen der "reichen IBM-Welt" und der "armen BUNCH-Welt" noch breiter wird: Der Computerriese sei dabei, so Branchenbeobachter, seine Märkte gegen Fremdprodukte durch MVS- und SNA-Erweiterungen abzuschotten. Aus bestimmten Nischen, etwa im Bankenbereich oder im Luftverkehr, werden sich Burroughs, Univac & Co. wohl kaum vertreiben lassen. Ums Überleben geht's für die BUNCH-Mitglieder allemal.

Siemens und die britische ICL haben den Weg der IBM-Kompatibilität bereits eingeschlagen, vertreiben Japanische Fujitsu-Rechner, die mit der IBM-Architektur verträglich sind. Doch konzentrieren wir uns auf Siemens. Die Münchner scheinen auf der bundesdeutschen Szene über den Berg zu sein. Als einzigen ist es ihnen gelungen, der IBM durch Ablösegeschäfte Marktanteilspunkte abzunehmen. Über das Fujitsu-Betriebssystem BS3000 haben sie Zugang zum gesamten MVS-kompatiblen Softwaremarkt. Doch da ist ein Pferdefuß: Weil Siemens für die eigenen Systemfamilien das BS2000 forciert, kommt es zwangsläufig zu Konfliktsituationen aufgrund der geforderten IBM-Kompatibilität. Diesen Punkt stellt auch das Strategiepapier der Benutzergruppen SCOUT und WASCO heraus (CW Nr. 8 vom 18. Februar 1983, Seite 1). Die Münchner werden sich zu entscheiden haben, ob sie eigenen innovativen Entwicklungen in der BS2000-Linie den Vorrang geben oder weiter der IBM nachlaufen wollen. Ihr japanischer Partner hat darauf für sich bereits eine Antwort gegeben. Sie heißt "Fünfte Generation". Und das bedeutet: Der IBM nicht nachlaufen, sondern ihr einen Schritt voraus sein.