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21.09.1979 - 

Tengelmann installiert NCR-Kassensystem:

Artikel zum Nutzen des Kunden EAN-codiert

WIESBADEN (je) - Ein Scanner, dessen Laserstrahl strich-codierte Warenauszeichnungen in ein NCR-System einliest, ist das Hauptelement der neuen Checkout-Line im Grosso-Markt, Wiesbaden. Das von NCR unter Mitwirkung der Grosso-Mutter Tengelmann entwickelte System basiert auf ähnlichen amerikanischen Anwendungen. Die Kosten für Hard- und entbündelte Software beziffert Tengelmann auf rund 700 000 Mark.

"Grosso hat jetzt das modernste Kassensystem Europas eingeführt, damit wir Sie noch schneller bedienen können und so mehr Zeit für Ihre Beratung haben", führt ein Tengelmann-Comic die Neuerung bei den Kunden ein. Die im Grosso-Markt installierte Konfiguration besteht aus 18 Kassenterminals NCR 2552, zwei Hintergrundrechnern NCR 6060 mit je 64 K Worten Kernspeicher, zwei Magnetplatteneinheiten NCR 656 mit je 9,8 MB, einem Matrixdrucker NCR 6440, einem Handleser NCR 787 für den Wareneingang und 13 Scanner-Einheiten NCR 782 in den Kassentischen.

Mit dieser Hardware will man im Grosso-Markt ein geschlossenes Wirtschaftssystem realisieren, das unter anderem folgende Berichte und Informationen liefern soll:

- Kassierer-Abrechnung

- Wareneingänge,

- periodischer Filialbericht,

- verschiedene Leistungs- und Kennzahlen,

- automatische Pfandverkettung.

Die Arbeitsweise des Systems: Die an Logik und Speicher des Kontrollrechners angeschlossenen Kassenterminals registrieren die Einkäufe der Kunden durch maschinelle (Scanner-)Lesung oder auch durch manuelle Dateneingabe. Der Scanner - fest eingebaut in den von Harr, Sindelfingen, speziell entwickelten Kassentisch - liest die strich-codierten Warenauszeichnungen. Lesbar ist der EAN- (Europäische Artikelnummer), UPC- (Universal Product Code) und ein sechsstelliger er hauseigener Code.

Die vom Scanner eingelesenen Informationen dienen als Abrufnummer für die benötigten Artikeldaten. Das Einlesen geht so vor sich, daß die Kassiererin die Waren Stück für Stück mit dem Strichcode-Etikett nach unten über die Lesestation bugsiert, wobei Richtung und Neigungswinkel keine Rolle spielen. Eine Fotozelle aktiviert einen Soft-Laserstrahl, der als Balkenmuster über ein Spiegel/Filter-System abtastet. Der Scanner decodiert die erhaltenen Informationen, wandelt sie binär um und überträgt sie (nach Prüfung) an das Terminal.

Zur weiteren Ausrüstung des Kassentisches gehören eine Tastatur mit Bedieneranzeige, ein Bondrucker, ein Journalstreifendrucker, ein Scheckdrucker und eine separate Kundenanzeige. Kunden, die mit Euroscheck zahlen wollen, brauchen nur noch den vom Scheckdrucker preparierten Scheck zu unterschreiben. Neben den 13 in den Kassentischen installierten Terminals sind weitere fünf in anderen Abteilungen des Grosso-Markts im Einsatz.

Alle Terminals werden zentral gesteuert vom Kontrollrechner NCR 6060 - oder im Bedarfsfall vom identisch ausgelegten Backup-Rechner. Der Kontrollrechner speichert, verdichtet und verarbeitet die über die Kassenterminals eingegebenen Daten. Das Eingeben einer Artikelnummer per Scanner oder manuell löst im Hintergrundrechner die Rückübertragung des gerade geltenden Artikelpreises zu den Anzeigen-Displays aus und veranlaßt das Ausdrucken von Journal- und Kassenbonstreifen.

Die in diesem "Price-Lookup"-Verfahren liegenden Rationalisierungschancen (einmalige, zentral durchgeführte Preiskorrektur) kann Tengelmann nur bedingt nutzen, da die Auszeichnung jedes einzelnen Artikels mit einer "Klartext"-Preisangabe weiterhin - mit wenigen Ausnahmen - Vorschrift ist. Außerdem möchte Tengelmann die Kosten für die Strichcodierung der Waren gerne auf die Lieferanten und Hersteller überwälzen und moniert, daß die Verbreitung des EAN-Codes noch zu wünschen übrig lasse.

Gegen einen OCR-Code hat Tengelmann sich vor allem deshalb entschieden, weil dieser relativ anfällig gegen Verkratzungen und Verschmutzungen sowie nur eindeutig verwendbar sei. Tengelmann sieht sich als Wegbereiter und Pionier auf dem Scanning-Sektor und Adolf Hauter, Tengelmann-Projektmanager für Warenwirtschaftssysteme, betonte auf der Wiesbadener Einführungsveranstaltung nachdrücklich das experimentelle Stadium, in dem sich das Vorhaben "Realtime-Scannerkasse'' mangels praktischer Erprobung noch befinde. Zum endgültigen Gelingen - so Hauter - bedürfe es des Beitrages aller Beteiligten (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, NCR).

Wie Tengelmann klarstellt, geht das Risiko dieser (offen so bezeichneten) Testinstallation zu eigenen Lasten Ein Scheitern des Vorhabens mag man sich auf beiden Seiten nicht vorstellen, Tengelmann betrachtet diesen Test vielmehr als ersten Akt einer internationalen Zusammenarbeit zwischen NCR, Tengelmann und der amerikanischen Tengelmann-Tochter Great Atlantic & Pacific Tea Company.

Zum Stichwort Ergonomie äußert NCR. Die Aggregate (Scanner, Tastatur, Scheckdrucker etc.) werden "einzeln am Kassenstand so eingebaut, wie es unter ergonomischen Gesichtspunkten am sinnvollsten ist". NCR behauptet also nicht, sämtliche ergonomische Erfordernisse beachtet zu haben, und auch bei Tengelmann hat man - so Hauter - keine einschlägigen Untersuchungen angestellt. Wer die - zugebenermaßen wenig routinierte - Dame bei der praktischen Vorführung der Scanner-Kasse agieren sah, konnte den Eindruck gewinnen, daß das einhändige, konzentrierte Führen der Artikel über den Scanner hinweg alsbald zu Ermüdungserscheinungen im einseitig belasteten (linken) Arm führen kann, derweil der rechte Arm in Tastaturnähe ruht.