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11.09.1992 - 

IBM-MIDRANGE-WELT

AS/400 muß jetzt schon mit der RS/6000 um das /36-Erbe raufen

Die technologische Entwicklung der AS/400 interessiert viele /36-Anwender, denen klar ist, daß sie aufgrund von Kapazitätsproblemen oder zu hohen Wartungskosten den Umstieg auf neue Hardware zwar hinauszögern, aber nicht vermeiden können. Das System RS/6000 hat sich in den letzten beiden Jahren neben der AS/400 als Nachfolger von /36-Installationen qualifiziert. In der Öffentlichkeit werden die beiden Alternativen oft diskutiert. In der Praxis jedoch ist die Anzahl der Umsteiger von System /36 auf RS/6000 noch gering.

Beide IBM-Systeme konkurrieren technologisch auf' das Heftigste, ihre Positionierung ist aber nach wie vor recht deutlich zu unterscheiden. Grundsätzlich ist die RS/6000 in erster Linie auf Performance optimiert. Die Entwickler wollen die Leistung der Maschinen alle 12 bis 18 Monate verdoppeln. Für die AS/400 hingegen wurde bei der neuesten Hardwaregeneration eine durchschnittliche Performance-Verbesserung um 15 bis 45 Prozent erreicht. Reine Leistung war hier nicht das oberste Designziel.

Auch die direkt ansprechbare externe Festplattenkapazität vergleichbarer Modelle (zum Beispiel RS/6000 520H versus IBM 9406 E90) divergiert. Bei der RS/6000 sind Platten mit Kapazitäten bis zu 26,5 GB, bei der AS/400 im Gegensatz dazu 124,68 GB anschließbar. Die AS/400 ist hier deutlich voraus, was auch ihren Einsatz als Server in PC-Netzwerken oftmals empfehlenswert macht. Die beiden Systeme rivalisieren auch in der Ausweitung ihrer Connectivity-Optionen (siehe Seite 47 und 41) oder gar, was die Verfügbarkeit von Compilern und Programmier-Tools (siehe Seite 50) angeht.

Hier wäre ein noch härterer Wettstreit für den potentiellen Käufer sehr gut, der vielfach auf das Angebot von Drittherstellern angewiesen ist.

Die erste Frage: Lohnt sich der Umstieg?

Der Umstieg auf neue Hardware ist für die /36-Anwender nicht vermeidbar. Steigende Wartungskosten, Kapazitätsengpässe und die Notwendigkeit neuer Peripherie lassen auf die Dauer keine andere Wahl. Frank Pieper, Leiter AS/400-Marketing bei IBM in Stuttgart, berichtet, daß zirka die Hälfte der heutigen AS/400-Anwender den Umstieg bereits gewagt haben.

Von den 14 000 Usern der AS/400-Maschinen haben 7000 vorher ein System /36 eingesetzt. Doch noch immer stehen 13 000 dieser Rechner unverändert an ihrem Platz. Für ihre Anwender stellt sich die Frage des Wechsels.

Der aggressive Preiskampf im Workstation- und Minicomputer-Markt (siehe Seite 43) hat für attraktive Preise bei neuen Maschinen gesorgt. Performance-Verbesserungen bis zum Faktor 8 ließen sich für portierte /36-Anwendungen auf einem System RS/6000 erzielen.

Grundsätzlich, so betont der AS/400-Marketing-Leiter, werde die AS/400 immer an der Transaktionsseite optimiert. RISC-Maschinen seien nicht dafür gebaut worden, pro Minute l000mal das Drücken der "Enter"-Taste zu verkraften. Ist der fragliche Anwendungsmix besonders Performance-intensiv, dann ergibt sich eine leichte Präferenz zugunsten des Systems RS/6000, bei speicherintensiven Anwendungen dagegen eher für die AS/400. Wenig Auswahl bleibt trotz der neuen Möglichkeiten, wenn die Connectivity-Optionen zwingend vorgegeben sind. So hat die RS/6000 ihre Wurzeln eindeutig in der heterogenen Netzwelt des Workstation-Marktes, und es ist immer noch schwierig, sie in reine SAA-SNA-Netzumgebungen einzupassen. Der Ethernet- Adapter ist beispielsweise bereits in das System eingebaut, der Token-Ring-Anschluß muß jedoch für teures Geld gekauft werden.

Umgekehrt tut sich die AS/400 in einer heterogenen Netzwelt auch recht schwer, obwohl eine AS/400 via TCP/IP in eine Workstation-Welt integriert werden könnte. Eine Kundenumfrage bei amerikanischen Großunternehmen ergab schlechte Noten für folgende Fähigkeiten der AS/400:

- ihre Verbindung mit Systemen, die eine andere Klasse von Prozessoren haben,

- den Support für Multivendor- Netze und

- die Portabilität von Anwendungen.

Soll man bestehende /36-Anwendungen portieren?

Viele IBM-Kunden glauben immer noch, daß ihre selbstentwickelten /36-Anwendungen nur auf das System AS/400 portierbar seien. Die Übersetzung gilt oft als unrentabel, weil die AS/400-Hardwarevorteile durch den Emulationsmodus für die alten Anwendungen wieder aufgehoben werden. Diese unmodifiziert auf neuer Hardware laufen zu lassen, ist tatsächlich nur im äußersten Notfall sinnvoll. Laut Frank Pieper dient der View-Modus der IBM eigenen Migrations-Hilfe für mehr als 60 Prozent aller Umsteiger auf die AS/400 als Übergangslösung. Es sei jedoch nicht im Sinne von IBM, die Anwendungen dort zu belassen. Deshalb biete man einerseits die Programmers Tools, andererseits das Produkt MPS/400 an, das neben einer Ist-Analyse des bestehenden Codes auch eine Aufwandsschätzung vornehme. Über Vertriebspartner werden diese Produkte geschult. Angebote von IBM -Vertriebspartnern zur Konvertierung alter Anwendungen in den Native-Modus der AS/400 oder auf das System RS/6000 sind also vorhanden. Auf der RS/6000-Seite haben sich Firmen wie Soba, PDV oder Return Online mit ihren Konvertierungs-Tools einen recht guten Namen gemacht.

Bei diesen Werkzeugen muß beachtet werden, ob sie den vorhandenen Code komplett in die neue Zielumgebung umsetzen oder nur Teile davon bearbeiten.

Gelegentlich wird der Code auch nicht recompiliert, sondern zur Ausführungszeit jeweils uminterpretiert. Manche Tools übersetzen die bestehenden Masken neu, andere versuchen sogar bewußt, das alte Bild auf der neuen Hardware zu erhalten Die Umstellung ist sicherlich eine teure Sache, doch fallen die Kosten glücklicherweise nur einmal an.

Welche Maschine für Neuentwicklungen?

Wer heute neben der Portierung alter Anwendungen neue Software für Systeme AS/400 oder alternativ dazu RS/6000 plant, der kann sich von den aktuellen Diskussionen um moderne Programmierkonzepte wie objektorientierte Programmierung, Client-Server-Konzepte etc. nicht ausschließen. Er muß versuchen, die Neuentwicklung den modernen Gegebenheiten anzupassen, sie also weitgehend portabel zu machen. Die immer noch weit verbreiteten Methoden zur PC-Anbindung, Terminalemulation und für den Filetransfer haben nicht viel mit Client-Server-Verarbeitung zu tun.

PCs als Front-ends und die LAN-Anbindung von PCs an beide alternativen Maschinentypen müssen die Grundvoraussetzung für die Planung sein, wenn man Anwendungen schreiben will, die einige Jahre aktuell bleiben sollen. Portable Anwendungen verbinden viele Programmierer heute mit der Programmiersprache C, welche nicht nur für RS/6000, sondern auch für die AS/400 angeboten wird. Dazu noch einmal Frank Pieper: "Die meisten unserer AS/400-Kunden benutzen RPG, ein Teil verwendet Cobol, und nur sehr wenige haben sich auf C konzentriert. Die Softwarehäuser, viele unserer Vertriebspartner rufen nach C." Dies ist ein klares Indiz für den Wunsch nach Portabilität. Was den Softwarehäusern recht ist, sollte den Entwicklern in der Firma billig sein. Die Qualität des C-Compilers auf beiden Maschinen ist dabei außen vor.

Zuverlässigkeit versus Connecitivity

Wer die freie Wahl bei einer Neuinstallation hat, greife eher zur AS/400, wenn die Zuverlässigkeit des Systems im Vordergrund und wenig Personal zur Verfügung steht. Handelt es sich um ein streng SAA- konformes Umfeld, ist also die Connectivity- Umgebung auf SNA beziehungsweise APPC/APPN standardisiert, stellt die AS/400 ebenfalls die leichter beherrschbare Maschine dar.

Bei einer rein dezentralen Installation, in der das System als File-Server dient, sind der PC- Support und zum Beispiel Rumba/400 eine gute Möglichkeit zur Anbindung grafischer Windows-PCs.

Die RS/6000 ist hingegen das Zielsystem für den /36- Anwender, wenn ein verteiltes Umfeld vorhanden ist, in dem nur offene Plattformen eine Chance haben. Wenn die neuesten Standards der internationalen Softwareszene gefragt sind - DCE/ DME von der OSF/1 (vgl. CW Nr. 35 vom 28. August 1992, Seite 36), dann bietet die RS/6000 hier sicherlich schneller das Gewünschte.

Mit X-Terminals oder X-Software auf PCs lassen sich Endgeräte recht preisgünstig anbinden. Viele Komponenten sind im PC-Markt erhältlich und können in die RS/6000 eingebaut werden, woraus sich ein erheblicher Preisvorteil ergibt. Nach wie vor besteht allerdings das Handikap der mangelnden Verfügbarkeit kommerzieller Anwendungen, was sich aber in den nächsten Jahren ändern dürfte.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der RS/6000 ist die Tatsache, daß man hier auf dem Markt andere Maschinen ähnlichen Design bekommen kann, so daß ein eventueller Herstellerwechsel bei Unzufriedenheit nicht ausgeschlossen ist. Natürlich bereitet dies in der Realität Schwierigkeiten, doch allein die Option hilft viel.

Die Frage nach der Überlebensfähigkeit der RS/6000-Architektur braucht man sich als potentieller Kunde in keinem Falle zu stellen. Im Gegenteil-vor zirka einem Jahr hat IBM entschieden, daß die Single-Chip-Implementation der Architektur als Basis für die zukünftige PC- Linie der Power-PCs dienen soll. Damit steht einer Verbreitung im ganz großen Stil um das Jahr 1995 herum nichts im Wege.

Susanne Müller- Zantop ist Herausgeberin des Newsletters "Tid Bits", ihr gehört die Beratungsfirma MZ Projekte in München.

AU: Susanne Müller-Zantop