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08.11.1996 - 

Beim Messaging weist Corba noch Schwächen auf

AS/400-Spezialisten drängen in den NT- und Unix-Markt

Mit der Zerlegung von Standardpaketen in möglichst kleine Komponenten oder Objekte ändern sich mittlerweile auch die Paradigmen für Software-Architekturen. Statt Integration hat jetzt die Kommunikation Priorität, wobei die Messaging-Verfahren von n-Tier-Lösungen zu den kritischen Techniken gehören.

Jüngste Produkte, die im Bereich des Enterprise Resource Planning (ERP) diesem Konzept folgen, sind "Oneworld" von J.D.Edwards (JDE) und "BPCS 6.0" von SSA. Beide Hersteller lehnen sich eng an die Common Request Broker Architecture (Corba) von der Object Management Group (OMG) an. Zu den wesentlichen Komponenten beider Programmpakete gehören neben verschiedenen Objektarten ein Repository, ein grafischer Objektbaukasten, der die Modellierung unterschiedlicher Geschäftsprozesse unterstützt, sowie ein Kommunikations-Layer in Form eines Object Request Broker (ORB) beziehungsweise einer Middleware.

Ob die Standard-ERP-Lösungen nach ihrem Re-Design auch außerhalb der AS/400-Welt einen Erfolg gegenüber der SAP- und Baan-Konkurrenz feiern können, ist vorerst zumindest im Bereich der Großanwender fraglich. Erhebliche Schwächen bezüglich Corba sieht Metagroup-Analyst Wolfgang Martin derzeit noch im Hinblick auf die Transaktions-Performance. Der Broker stellt eine eigene Schicht mit zusätzlichen Services dar, wodurch das Messaging langsam wird. Unternehmensweit eingesetzte Standardpakete hätten jedoch vielfach eine wachsende Benutzerzahl zur Folge, so daß eine höhere ORB-Leistung erforderlich wird.

Object Request Broker für maximal 500 User

Die bislang untersuchten, auf Corba basierenden Client-Server-Lösungen eigneten sich dagegen bestenfalls für 500 Anwender, nach Auffassung Martins eher für 300. Jenseits dieser Grenze müsse man mit Remote Procedure Calls (RPCs) ohne ORB, ab 1000 User mit OLTP-Anwendungen (OLTP = Online Transaction Processing) arbeiten. Dies sei unter anderem ein Grund dafür, weshalb sich SAP mit R/3 in großen Unternehmen durchgesetzt habe.

Die Situation kann sich laut Martin allerdings ändern, wenn die OMG-Spezifikationen für die Object Transaction Services (OTS) greifen, für die derzeit erste Produkte wie "Orbix" von Iona ausgeliefert werden. Dann bestünde die Chance, daß die Object Request Broker über OTS mit Transaktionsmonitor-Lösungen zusammenwachsen.

Eine gegenüber den bisherigen ORB-Implementierungen bessere Messaging-Performance läßt sich durch eine vom Hersteller zugeschnittene Middleware erreichen. Diesen Weg geht J.D.Edwards aus Langen mit Oneworld. Das Programm stammt von der Host-zentrierten RPG-400-Lösung "World Software" und wurde in ein offenes C-Produkt umgeschrieben. Das Paket arbeitet mit sieben Objektarten, die von einem sogenannten Object Configuration Manager (OCM) verwaltet werden: Datenseitig wurden das "Data Dictionary" als Repository, die "Tables" und als Subset der Tabellen die "Business Views" definiert. Im Data Dictionary sind vor allem die Tabellenelemente mit ihrer Ausprägung (Größe, Attribute etc.) und ihrer Verwendung beschrieben. Tables können je nach ihren Inhalten wie Stammdaten- oder Buchungselemente auf die verschiedenen Server und auf die Clients verteilt werden. Business Views stellen Spezifikationen bezüglich der Tabellen bereit, so daß Dateizugriffe beschleunigt und die Netzlast verringert wird: Bei einer Datenabfrage werden nur die mit den Business Views verknüpften Felder importiert.

Die übrigen vier Objektarten gehören in den applikationsorientierten Bereich: Zur Steuerung der Ereignislogik innerhalb der Programme wurden die "Named Event Rules" eingeführt.

Sie sollen nach und nach die Aufgaben der "Business Functions" übernehmen, mit denen derzeit noch komplexe Routinen abgearbeitet werden. Unter den Objektarten "Interactive Applications" subsummiert JDE beispielsweise Front-end-Definitionen, der "Universal Server Agent" umfaßt Hintergrund- oder Listprogramme.

Den Ablauf der Applikationselemente steuert JDE über ein sogenanntes Mapping des Object Configuration Managers. Hier greift eine vom Hersteller als Configurable Network Computing (CNC) bezeichnete Technik. Mit Hilfe der Mapping-Funktionen wird zu Beginn der Prozeßmodellierung festgelegt, wo ein Objekt innerhalb des Netzwerks liegen soll. Auf diese Weise ist eine dynamische Rekonfiguration des Systems möglich, bei der Unternehmensprozesse je nach Belastung im Netzwerk umverteilt werden können.

In der Praxis bedeutet das, daß sich zum Beispiel ein Buchungsprogramm auf einen anderen Server verschieben läßt, ohne daß der Anwender umständliche Einstellungen an der Softwarekonfiguration vornehmen muß. Bei einem Front-end-Aufruf weiß der OCM aufgrund des Mappings, wo die für die Abarbeitung des Requests notwendigen Objekte liegen. Die Desktop-Anfrage wird vom OCM als SQL-Statement an die von JDE eingesetzte Middleware weitergeleitet, wo sich die ODBC-Treiber zur Übersetzung für das Zielsystem befinden. Über diese Architektur könne man momentan mit vier verschiedenen Datenbanken und sechs Betriebssystemen kommunizieren, heißt es beim Hersteller.

Deutlich näher als JDE orientiert sich SSA an Corba. Der Düsseldorfer Hersteller ist selbst Mitglied in der OMG und führte mit dem vor wenigen Wochen vorgestellten BPCS 6.x die Distributed Object Compu-ting Architecture (Doca) ein. Herzstück der Message-basierten Architektur ist ein Object Request Broker (ORB), der zwischen den Client Workstations mit einem separierten Model-View-Layer und dem Business Object Server vermittelt. Neben den Business Objects liegen auf dem Server unter anderem auch die Datenbankadapter-Objekte. Über Konfigurations-Files wird dem ORB mitgeteilt, wo sich die einzelnen Elemente befinden.

Als besonderes Merkmal der Business Objects nennt SSAs Technologie-Manager Thomas Xander deren Fähigkeit zum semantischen Nachrichtenaustausch. Während die Kommunikation zwischen zwei Objekten normalerweise über den Datentyp und die Aufrufsequenz streng vorgegeben ist, können semantische Messaging-Objekte lose gekoppelt miteinander in Verbindung treten. Das Empfängerobjekt liest dabei lediglich die Informationen, die es verstehen kann. Der Vorteil: Sollte sich an der Schnittstelle oder der Implementierung etwas ändern, müssen nicht alle anderen Objekte entsprechend modifiziert beziehungsweise neu kompiliert werden. Zusammen mit der aktuellen Version 6.0.02 wird auch ein Gateway für semantisches Messaging ausgeliefert, das die Echtzeit-Interoperabilität mit Fremdsystemen ermöglicht.

Für BPCS wird eine Object Development Workbench für Windows 95 angeboten, wobei das auf einem NT-Server laufende Repository die gesamten Systeminformationen einschließlich der Business-Objekte, Geschäftsregeln und Datenmodelle speichert. Die Entwicklungsumgebung enthält für jedes Zielsystem einen Codegenerator, der das Modell beziehungsweise die Masken für die jeweils eingesetzte Plattform bereitstellt.

Als nächste Stufe plant SSA einen Business-Regel-Editor, mit dessen Hilfe man Objektänderungen zur Laufzeit vornehmen kann, so daß die Event-Services auch alle diesbezüglich offenen Vorgänge informieren. Viel verspricht sich Xander von dem OMG-Standard für Business Object Facility (BOF), der die Kombination verschiedener ORB-Implementierungen definiert. Dann ließe sich beispielsweise SSAs ORB etwa mit den Transaktionsservices des ORB von Iona verknüpfen.

Die kommenden zwei bis drei Jahre werden in den Augen des Metagroup-Analysten Martin zeigen, ob Objekttechniker wie JDE und SSA ihren AS/400-Erfolg auch auf anderen Plattformen fortsetzen und SAP Paroli bieten können. Während die Walldorfer mit ihrem Applikationsensemble hinsichtlich der Funktionalität und Integration allen anderen Produkten überlegen seien, liege die Chance der Konkurrenz darin, die Komponenten von erfolgreichen Anwendungsspezialisten über Corba an das eigene System anzukoppeln. Hier könne man Schwächen von R/3 ausnutzen, die bislang noch unmittelbar im Bereich der Produktion oder im sogenannten Human-Relation-Management liegen.