Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.12.1993

AS/400 steht bei Kraftverkehr Nagel vor der Abloesung Spedition verspricht sich von PC-Strategie mehr Kundennaehe

VERSMOLD (hv) - Mit viel Engagement vollzieht die Kraftverkehr Nagel GmbH, Versmold, den Umstieg aus ihrer AS/400-Welt in eine verteilte Client-Server-Umgebung auf PC-Basis. Die neue DV- Strategie, entstanden nicht zuletzt auf Druck der Anwender, basiert auf Microsoft-Produkten sowie auf Logistik- und Betriebswirtschaftsloesungen kleinerer Anbieter.

"Unsere Strategie geht mit aller Konsequenz in Richtung Client- Server", macht Geschaeftsfuehrer Ulrich Buecker, verantwortlich fuer die kaufmaennische Verwaltung, deutlich. Kraftverkehr Nagel ziehe DV-technisch die Konsequenz aus einer schon heute weitgehend dezentralen Organisation: Insgesamt 3000 Mitarbeiter sind in 22 deutschen sowie mehreren auslaendischen Niederlassungen beschaeftigt.

Zu Beginn der 80er Jahre hatte sich das auf Kuehlgueter spezialisierte Transportunternehmen dazu entschlossen, "in die /3x-Welt der IBM hineinzuwachsen". In der Unternehmenszentrale steht zur Zeit noch eine AS/400, Modell E70, die Zentralaufgaben wie Rechnungswesen oder Lohn- und Gehaltsabrechnung uebernimmt.

Die Niederlassungen sind jeweils mit /36-Rechnern ausgestattet. Arbeiten wie Auftragserfassung, Frachtbearbeitung oder Fakturierung erfolgen tagsueber vor Ort. Nachts werden die Daten der einzelnen Filialen zu Konsolidierungszwecken in die Zentrale ueberspielt, um rechtzeitige Sendungsdispositionen in die Distribution zu ermoeglichen.

Der Druck der Anwender war es laut Buecker, der sein Unternehmen dazu brachte, die vorhandene DV-Strategie grundsaetzlich zu ueberdenken. "Die Ansprueche der Endbenutzer stiegen mit den technischen Moeglichkeiten", konstatiert der Geschaeftsfuehrer. "So wurde in der Zentrale neben der AS/400-Welt ein umfangreiches Novell-Netz aufgebaut. Ploetzlich existierten zwei Strukturen parallel nebeneinander."

Die Anwender haetten nun eine Vereinheitlichung der Rechnerwelten gefordert; daraufhin sei die Geschaeftsleitung zu dem Schluss gekommen, ihre unternehmensweite DV-Strategie zugunsten einer Client-Server-basierten PC-Architektur zu aendern. Das Unternehmen habe ohnehin mit dem Gedanken gespielt, sich aus der proprietaeren IBM-Welt zurueckzuziehen, meint Buecker.

Kostenvorteile sprechen fuer die PC-LAN-Loesung

Fuer die PC-LAN-Loesung sprechen aus Sicht des Verwaltungschefs nicht zuletzt handfeste Kostenvorteile. "Es ist einfacher und besser argumentierbar, in unregelmaessigen Abstaenden vier- oder fuenfstellige Betraege auszugeben, als alle paar Jahre Millionen fuer die neue AS/400 zu investieren." Zudem lege man sich mit der Wahl groesserer Rechnersysteme zu lange auf eine bestimmte DV-Umgebung fest.

Die Entscheidung fuer einen radikalen Einschnitt wurde dem Verantwortlichen leicht gemacht, da die alten /36-Systeme ohnehin abgeloest werden sollten. Kraftverkehr Nagel haelt dem Anbieter dieser Software, der Nuernberger RGL Logistik GmbH, weiterhin die Treue. Das Unternehmen hatte sich naemlich schon vor einiger Zeit auf bevorstehende Marktentwicklungen eingestellt und damit begonnen, seine Speditionssoftware als "Offenes Logistik System" fuer Client-Server-Umgebungen auf PC-Basis komplett neu zu schreiben. Das Softwarehaus benutzt dazu das Entwicklungswerkzeug Uniface, das nun bei Nagel ebenfalls zum Standard erhoben wird. Auch das komplette Rechnungswesen einschliesslich Finanz- und Anlagenbuchhaltung sowie Kostenrechnung wird im Laufe des Jahres 1995 auf Client-Server-Verarbeitung umgestellt. Hier entschied sich Nagel fuer die ABS Aktiv Hard- und Software GmbH in Herford, eine Vertriebsgesellschaft, die ihrerseits sehr eng mit RGL Logistik und dem Muenchner Softwarehaus MSG Technologies GmbH kooperiert. Die Muenchner entwickeln die Client-Server-basierte Loesung fuer das Rechnungswesen.

Fuer MSG ist das Versmolder Transportunternehmen einer der wichtigsten Pilotkunden. Das Softwarehaus, das zuvor Buchhaltungssoftware fuer die Wang-VS-Welt vermarktet hatte, entschied sich aehnlich wie RGL fuer einen Neuanfang auf zukunftsweisenden Rechnerplattformen. Es entwickelt derzeit mit seinem vorhandenen Know-how im Bereich Rechnungswesen eine komplett neue Loesung fuer die PC-LAN-Welt.

Als Entwicklungsumgebung waehlte MSG Technologies SQL-Windows von Gupta. "Wir werden die Software nicht ins Blaue hinein entwickeln, sondern eng mit unserem Kunden Kraftverkehr Nagel zusammenarbeiten", kuendigt Vertriebsleiter Markus Langheinrich an. Wenn das Produkt fertig sei - bis heute sind etwa 20 Prozent erstellt -, werde es dem Markt als Standardsoftware angeboten.

NT als strategisches Server-System

Der Versmolder Pilotkunde wird sich aller Voraussicht nach weitgehend auf eine Microsoft-Produktstrategie einlassen. So ist der Einsatz von Windows NT Advanced Server ebenso beschlossene Sache wie die Verwendung des SQL Server als unternehmensweites Datenbanksystem. Strategische Beratung bezieht der Spediteur ebenfalls von der Microsoft Consulting Service GmbH, Unterschleissheim.

Dennoch kommen die Versmolder laut Buecker ohne einen Generalunternehmer aus. Sie definieren ihren IT-Fahrplan selbst. So laeuft gegenwaertig ein Imaging-Projekt, dessen Ziel die Verarbeitung von Frachtpapieren per PC ist. Bei 15 000 Sendungen pro Tag sind laut Buecker rund 40 000 Blatt Papier zu verarbeiten. Mit Hilfe des Image-Systems - im Gespraech ist unter anderem Software von Wang und US-Anbieter Saros - koennten den Kunden in erheblich kuerzeren Zeitraeumen die angeforderten Liefernachweise ausgehaendigt werden.

Ebenfalls dem Kundenservice soll ein parallel laufendes Logistikkosten-Informationssystem ab Januar naechsten Jahres dienen. Kunden der Spedition sollen damit die Moeglichkeit erhalten, sich an eine Server-Datenbank - zunaechst noch die vorhandene AS/400 - anzuhaengen, um sich ueber den Bearbeitungstand bestimmter Auftraege zu informieren. Zu diesem Zweck wird die zentrale Datenbank mit Statusinformationen aus allen Vertriebsgesellschaften in Deutschland und Europa gefuettert.

Produkte wie Microsoft Access oder Dbase von Borland sollen den Kunden die Generierung von Abfragen ermoeglichen. Die Daten koennen zu Statistikzwecken aus der Datenbank gezogen werden. So erhalten die Kunden Aufschluss ueber wichtige Daten wie etwa die Entwicklung von Frachtkosten oder Lastgewichten.