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13.12.1991

AS400 bald ein "offenes System"?

Ralf-Robert Köhler

Inhaber eines Unternehmens für AS/400-Remote-System-Management

Bei der Neuvorstellung von OS/400, Version 2, Release 1, ließ IBM am Horizont der Midrange-Welt die Vision einer "interoperablen" AS/400 aufscheinen. Über die nunmehr eingebundenen Features OSI X.500 Directory Services sowie OSI CMIP hinaus sollen bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres Schnittstellen zu OSI FTAM File Transfer und zu X.400 Message Protocol in das Betriebssystem der AS/400 implementiert werden. Abgerundet wird die lange Liste der vollzogenen und beabsichtigten Verbesserungen durch die Einführung erster Client-Server-Technologien. Die Highlights sind dabei der Remote-SQL-Zugriff für PCs sowie der Front-end-Remote-Zugriff auf Warteschlangen; sogar die Koexistenz mit Windows 3.0 und Novells Netware ist inzwischen realisiert.

Bisherige Innovationen im Schnittstellen- und Management-Bereich von OS/400 brachten fast regelmäßig einen gravierenden Nachteil mit sich: Die Performance der Midrange-Engines ließ bei Einbindung von "fremden" Produkten, für die die OS/400-Architektur ursprünglich nicht konzipiert war, deutlich zu wünschen übrig. Als problematisch erwiesen sich etwa die Einführung der Token-Ring-Verbindung, die Implementierung der ersten SQL-Schnittstelle sowie Terminalemulationen und Filetransfers bei PC-Support.

Vor diesem Hintergrund hoffen viele Anwender, daß die IBM-Entwickler endlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und ihre Produkte nicht erst auf Proteste hin nachbessern. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß die IBM die leidige Performance-Debatte eher dadurch zu ersticken versucht, daß sie die Basisleistung der AS/400-Modelle bei jeder neuen Baureihe signifikant erhöht - so geschehen bei der Auslieferung der aktuellen D-Modelle.

Nicht erst langfristig, sondern in einer realistischen Zeitperspektive wird IBMs Midrange-Kundschaft nach weiteren Schnittstellen verlangen, die ihr beispielsweise die Unterstützung vielfältiger C-Technologien durch die AS/400 ermöglichen. Denn die Integration von kommerziellen und technischen Anwendungen ist für kleine und mittlere Produktionsbetriebe inzwischen überlebenswichtig.

Die in diesem Bereich entstehende Nachfrage wurde nicht zuletzt von der IBM selbst provoziert, indem die AS/400 in vollmundigen Erklärungen zum zukünftigen Kommunikationsserver stilisiert wurde. Bis den "Strich-Systemen" 400 dieses Etikett zu Recht aufgeklebt werden kann, müssen jedoch noch einige Hürden genommen werden: Die Integration von OSF/DCE-Schnittstellen, von MVS-Datenintegrations-Modulen sowie des Network-File-System (NSF)-Protokolls in OS/400 liegt zur Zeit noch in weiter Ferne.

Seit langem ist unstrittig, daß sich die AS/400 als DV-System für herkömmliche kommerzielle Anwendungen hervorragend bewährt hat. Insbesondere der Name IBM steht bei den mittelständischen Betrieben, die das MDT-System überwiegend einsetzen, berechtigterweise für gesicherte Investitionen. Unabhängig davon monieren viele Anwender zu Recht die mangelhafte PC-Integration, fehlende Interoperabilität und limitierte portierungsstandards sowie die eingeschränkte Zugriffsmöglichkeit von Third-Party-Produkten auf Systemfunktionen.

Aus den Ankündigungen der IBM ist in letzter Zeit zu entnehmen, daß sie sich diese Kritik zu Herzen nimmt. Man kann davon ausgehen daß die neuralgischen Punkte jetzt kontinuierlich bearbeitet werden, auch wenn die Umsetzung in marktreife Produkte erfahrungsgemäß zunächst in virtuelle Schritten erfolgt - frei nach dem Motto: Heute ankündige nächstes Jahr ausliefern. De noch ist zu hoffen, daß zukünftige Software-Entwicklungen in Richtung offene Systeme nicht mehr automatisch zu Lasten des Datendurchsatzes gehen, der dann seinerseits nur noch durch Hardware-Aufrüstungen kompensiert werden kann. Nur wenn die Schnittstellen endlich effektiv realisiert werden, steht den AS/400-Anwendern die Zukunft "offen".