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20.11.1992

AS400-Software: Wert gegen null

Big Blue gilt längst nicht mehr als Wallstreets Darling, das zeigt die Entwicklung des IBM-Aktienkurses. Der Meinungswechsel läßt mittlerweile sogar die Bereitschaft bei den Analysten erkennen, eine Wette gegen IBM zu riskieren. Daß unter IBM-Mitarbeitern über einen Rücktritt von IBM-Chef John Akers spekuliert wird, wirft ein Licht auf den Stand der Firmenkultur. In der Tat stiftet vieles Verwirrung, was gegenwärtig über die Repositionierungs-Strategie des Mainframe-Marktführers veröffentlicht wird. Sicher ist nur, daß Armonk keine sichere Adresse mehr ist - weder für die Anleger noch als Arbeitsplatz.

Und woran können sich die Anwender halten? Über den Zustand der Großrechner-Entwicklung bei IBM, wurde bereits alles gesagt. Bei der Hardwaretechnologie der 25 Jahre alten 360/370-Architektur ist das Ende der Fahnenstange erreicht, wobei nicht so sehr die reine Performance das Maß darstellt. Es geht um mehr, nämlich um ein neues DV-Paradigma: weg von proprietären, hierarchisch organisierten Systemen, hin zu bedarfsorientierten, verteilten und flexiblen Lösungen auf der Basis von anerkannten Standards.

Viele IBM-Anwender mögen daran glauben, daß Big Blue ein kontrollierter Übergang von der /370-Generation auf massiv-parallele RISC-Superserver gelingt, wie er sich für die zweite Hälfte der 90er Jahre abzeichnet. HP, DEC, Sun und Konsorten sehen das natürlich anders. Sie legen mit sich überschlagenden RISC-Ankündigungen, in denen sie Absichten auf die Mainframe-Nachfolge anmelden, ein Höllentempo vor - offen, ob IBM noch das Gesetz des Handelns bestimmt. Beantwortet ist diese Frage für die Schlacht um den Corporate Desktop, die Microsoft mit MS-DOS und Windows gewonnen hat. Wenn Billig-PCs heute von IBM per Mailorder erhältlich sind, dann profitiert davon indirekt Bill Gates, weil sich der DOS-Markt stabilisiert - eindeutiger Verlierer ist OS/2. Mit dieser Niederlage wird sich die IBM abfinden müssen.

Bleibt das Midrange-System AS/400 ein Trostpflaster für Mother Blue. Auf den ersten Blick sind die Verkaufserfolge beeindruckend. Doch Armonk ist sich der schwierigen Situation bewußt, die MVS-Systeme sowie die RS/6000 schützen und eine Kannibalisierung verhindern zu müssen. Die Frage spitzt sich zu: Ist umgekehrt die AS/400

schützenswert? Nur eine kurzsichtige IBM wird die Proprietät des Anwendungssystems für einen Vorteil halten. Zugegeben: Die IBM kann sich der AS/400-Kunden sicher sein, der Lock-in-Mechanismus funktioniert. Aus der Sicht der Anwender hat die Sache allerdings einen Haken: Der Wert ihrer Softwarepakete geht gegen Null, weil diese eben nur auf der AS/400 eingesetzt werden können, für die es im Markt keine Entsprechung gibt. Wenn das kein Verkaufshindernis ist?