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01.09.1989 - 

20 Millionen Dollar Quartalsverlust - US-Mutter setz Rotstift an:

Ashton-Tate muß sich Systems '89 verkneifen

MÜNCHEN (CW) - Der Dbase-Hersteller Ashton-Tate wird nicht an der Systems '89 in München teilnehmen. Offizielle Begründung: Die amerikanische Muttergesellschaft habe ein "rigoroses Sparprogramm" verordnet, nachdem die Corporation im zweiten Quartal einen Verlust von fast 20 Millionen Dollar hinnehmen mußte.

Für das dritte Quartal erwarten die Amerikaner ebenfalls rote Zahlen. Danach soll ein Sanierungsprogramm den Hersteller wieder in eine rosa Zone bringen. In der offiziellen Stellungnahme der deutschen Tochter in Frankfurt wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das Fernbleiben von der diesjährigen Systems "nichts mit den in den USA aufgetretenen Probleme bei Dbase IV zu tun" habe.

Gleichzeitig begründet Ed Esber, Chairman und Chief Executive Officer von Ashton-Tate, die rückläufigen Geschäftsergebnisse mit dem "nach wie vor ungewissen Auslieferungsdatum von Dbase IV, Version 1.1".

Esber will sich auf kein Datum mehr festlegen, hat doch die voreilige Auslieferung der fehlerhaften Version 1.0 für genug Turbulenzen im Unternehmen gesorgt. "lch habe genug von künstlichen Terminen. Das Produkt wird ausgeliefert, wenn es fertiggestellt ist."

Nach seinen Aussagen wäre der Dbase-III-Nachfolger niemals an die Kunden gegangen, hätte er Informationen Über die Lücken und Tücken der neuen Version gehabt. Indes nahmen zwei Ashton-Tate-Manager ihren Hut: der amerikanische President Luther Nussbaum und der Geschäftsführer der deutschen Tochter, Ulf-Piet Stange. In Frankfurt ist man immer noch auf der Suche nach einem Nachfolger für Stange.

Um eine zweite Bruchlandung mit Dbase IV zu vermeiden und das Unternehmen langfristig in die schwarzen Zahlen zu steuern, hat Esber einige Maßnahmen angekündigt. So soll das Datenbankprodukt in zwei Varianten auf den Markt kommen: Die erste, Dbase IV 1.1, kommt mit 640 Kilobyte Arbeitsspeicher aus und besitzt keine SQL-Schnittstelle; die zweite Form, Dbase IV 1.1 Server Edition, hat diese SQL-Schnittstelle und wird ein Extended Memory bis 16 Megabyte unterstützen.

Für die interne Sanierung hat der Ashton-Tate-Manager dem Gesamtkonzern eine Sparkur verordnet. Neben der Entlassung von 250 Mitarbeitern in den USA hat der Unternehmenschef einige Entwicklungsprojekte gestrichen und in der hauseigenen Produktpalette Prioritäten gesetzt: "Produkte ohne strategische Bedeutung werden nicht mehr weiterentwickelt."

Auch die deutsche Tochter muß den Gürtel enger schnallen. Obwohl der stellvertretende Geschäftsführer Joachim Tennigkeit versichert, mit Entlassungen sei hierzulande nicht zu rechnen, werden freiwerdende Stellen vorerst nicht mehr besetzt. "Wir wollen vor allem bei den Gemeinkosten einsparen", erläutert der Manager.

Den Amerikanern wollten die Dollars aus der Reisekasse jedoch nicht genügen und so fiel auch die diesjährige Systems dem Rotstift zum Opfer. Ungefähr eine Viertelmillion Mark wird nach Einschätzung von Branchenkenner Brian Aiken, Geschäftsführer des Münchner Distributors Access, durch die Absage eingespart. Dabei wäre nur ein Fünftel dieser Summe als Standflächenmiete in die Kasse der Münchner Messegesellschaft gegangen. Der weitaus größere Betrag wurde durch Personal- und Marketingkosten verschlungen.

Obwohl das Geschäft des US-Herstellers über Distributoren und den Fachhandel läuft, will man auf der Münchner DV-Messe nur ungern fehlen: "Eigentlich besteht für Ashton-Tate bei der Systems Präsenzpflicht", urteilt Volker Brümmer, Pressesprecher bei der deutschen Niederlassung.

Wichtig sei hier der enge Kontakt zum Kunden. "Bei einer Messe wie der Systems geht es weniger um das reine Geschäft als vielmehr um das Feedback aus dem Kreis der Anwender", meint auch Access-Chef Brian Aiken. "Ich glaube daher, daß das Fernbleiben einen großen imageverlust zur Folge haben wird, zumal die Konkurrenten Microsoft und Lotus mit Ständen vertreten sind." Bis zur CeBIT '90 will Ed Esber sein Unternehmen aus dem Tief herausgeholt haben. Brümmer: "Dann sind wir auf jeden Fall wieder dabei."