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Messe-Rundgang ASP

ASP-Angebote nehmen nur langsam konkrete Formen an

27.10.2000
Der Markt für Application-Service-Providing (ASP) steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, vor allem wenn es um komplexere Unternehmensanwendungen geht, die auch einen gewissen Integrationsaufwand erfordern. Die Anbieter formieren sich erst, auch beim Angebot bedarf es noch eines Zuschnitts auf diesen Markt. Eine Auswahl von ASP-Präsentationen auf der Systems hat Marcus Ehrenwirth* zusammengestellt.

Die Analysten sind sehr optimistisch, was das Wachstum des ASP-Markts angeht. Von der Euphorie der Branche für dieses Geschäftsmodell zeugten schon die zahlreichen einschlägigen Ankündigungen auf der vergangenen CeBIT. Allerdings gibt es auch erste Warnungen. So gehen Beobachter von der Meta Group davon aus, dass den ASP-Markt eine Konsolidierungsphase erfassen wird, noch bevor er sich richtig etablieren kann.

Das deutet auf ein strukturelles Problem bei den Anbietern hin. Denn ASP beschränkt sich nicht auf das Mieten von Standard-Office-Paketen. Interessant wird der Markt für viele Anwender erst dann, wenn sich auch komplexere Unternehmensanwendungen auslagern lassen und das Know-how dafür nicht mehr im eigenen Haus vorgehalten werden muss. An die ASPs stellt dies zwei grundlegende Anforderungen: Sie müssen ein in die Tiefe gehendes Produkt- und Integrationswissen zu den von ihnen angebotenen Applikationen vorweisen. Zugleich ist eine hochqualifizierte Mannschaft erforderlich, die auch den First Level Support sicherstellen kann.

Bündelung von KompetenzenIn einer guten Ausgangsposition bei der Markterschließung befinden sich deshalb Softwarehersteller sowie etablierte Beratungs- und Systemhäuser, die ihr Angebot um ASP-Dienste erweitern, sowie Netzbetreiber und Rechenzentren, die das Hosting der Applikationen übernehmen. Ob eine dieser Gruppen die ASP-Szene dominieren wird, ist derzeit noch offen. Wahrscheinlich kommt es zu einer Bündelung von Kompetenzen in Form von Partnerschaften zwischen Beteiligten. So gibt es zwar Softwarehersteller, die selbst ASP-Services anbieten, andere nutzen dafür jedoch die Erfahrungen und Anwendernähe ihrer Vertragspartner.

Die Formierung des Marktes ist also in vollem Gang. Viele Mitglieder des ASP-Konsortiums, die auf der Systems ein B-to-B-orientiertes ASP-Angebot vorstellen, befinden sich noch in der Evaluierungsphase und tüfteln an Preismodellen. Wer sich auf der Messe für dieses Thema interessiert und sich nicht mit schwammigen Versprechungen abspeisen lassen will, sollte deshalb vorab seine Anforderungen genau spezifizieren. Schließlich soll der Anbieter zu konkreten Aussagen bezüglich der Applikationen, deren Integration und Anpassbarkeit mit vorhandener IT, der Sicherheit und Verfügbarkeit des Hostings sowie der Preisstrukturen bewegt werden. Nur dann ist eine Aussage darüber möglich, ob sich ASP aus betriebswirtschaftlicher Sicht für den Anwender lohnt.

Ein Beispiel für ein kleines deutsches ASP-Startup-Unternehmen - Ende 2000 will man 20 feste Mitarbeiter beschäftigen - ist die Indecom GmbH (Halle B1, Stand 219). Das Angebot soll in der Endstufe alle Applikationen enthalten, die der Zielmarkt Mittelstand benötigt: angefangen von Standard-Office-Lösungen über Messaging-Produkte bis zu ERP-, CRM- und PPS-Systemen. Zurzeit enthält das Produktspektrum die ERP-Pakete "Axapta" von Damgaard und "Steps Business Solutions" der Step Ahead AG. Hinzu kommen die Visualisierungsplattform "Webflow 2000" von Webplanet, die Personalwirtschaftssoftware "Best!HR ASP" der HR Management Software GmbH sowie das Warenwirtschaftssystem der Comilex Software AG für den Großhandel mit Schwerpunkt Floristik und Dekoartikel. Die Microsoft-Applikationen Word, Excel, Powerpoint und Outlook sind ebenfalls mit von der Partie.

Als Services bietet Indecom unter anderem die Systemintegration zur Erstellung kundenspezifischer IT-Landschaften an, deren komplettes Management, ein Helpdesk als First Level Support für die Anwender sowie das komplette Billing. Das Preismodell sieht zwei Varianten vor: Festpreis pro Nutzer und Monat oder volumenabhängige Abrechnung.

Auch die Mobilcom E-Business GmbH (Halle B1, Stand 435/538) hat den Mittelstand im Visier. Das Tochterunternehmen der Mobilcom AG will sein Angebot an Applikationen durch Partnerschaften kontinuierlich in horizontaler und vertikaler Richtung erweitern.

Derzeit stehen inklusive Support die Finanzbuchhaltung von Lexware, die Intranetlösung "Genesis World" von C.A.S. Software, alle Applikationen der Microsoft "Office Standard Edition" sowie die Verwaltungssoftware "Euro-Driver" für Fahrschulen zur Verfügung. Über das Preismodell ist nach Aussage des Unternehmens noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Die Bäurer AG (Halle A1, Stand 337/436) bedient mittelständische Fertigungsbetriebe mit ERP-, PPS- und Warenwirtschaftssystemen. Hinzu kommen Speziallösungen für Handel und Transport. Das komplette Spektrum soll es auf Anfrage auch auf Mietbasis geben. Der konkrete Leistungsumfang und die Preise will man projektbezogen und in Einzelverhandlungen festlegen.

Anpassung nur in geringem UmfangIn SAPs (Halle A1) Mittelstandsinitiative fällt "Mysap.com Application Hosting". Die Dienstleistungen der Walldorfer, die man zusammen mit Partnern unter der Bezeichnung "Application Service Provision" anbietet, reichen von der Bereitstellung der Software und der Infrastruktur über die Implementierung bis zum nachfolgenden Support. Darüber hinaus können sich SAP-Kunden ihre Applikationslandschaft online zusammenstellen, deren Implementierung erfolgt dann in den Rechenzentren von SAP beziehungsweise der Partner. Dieses ASP-Angebot geht von der Voraussetzung eines nur sehr geringen kundenspezifischen Anpassungsaufwands aus. Abrechnungsbasis ist eine Gebühr pro Anwender und Monat. Für das Hosting komplexer Installationen sieht SAP eigene Services vor, wobei der Kunde Eigentümer der Produktlizenzen ist.

Dokumentenarchive via Web vermietet die Docuware AG (Halle A4, Stand 357/554). Die Zielgruppe dieses Anbieters reicht vom Kleinbetrieb bis zum Großunternehmen. Während man kleineren und mittleren Firmen standardisierte Lösungen anbietet, werden die Archive für große Kunden speziell an deren Anforderungen angepasst. Das Hosting und die Pflege der Archive übernimmt Docuware allerdings nicht selbst, sondern überlässt dies Kooperationspartnern wie Scan-Dienstleistern oder bereits etablierten ASPs, die auch für die Integration mit anderen Anwendungen sorgen sollen. Docuware bietet solchen Unternehmen ein speziell auf den ASP-Betrieb zugeschnittenes Lizenzmodell an.

Eine Verbindung von Dokumenten-Management und Workflow kommt von der COI GmbH (Halle A5, Stand 140-18). "Connect You" heißt das ASP-Angebot dieses Unternehmens, in dessen Rahmen die Funktionalitäten verschiedener COI-Produkte wie Formularwesen, Rechnungsprüfung oder Antragsbearbeitung zu mieten sind. Neben Betrieb und Pflege der Applikationen sieht COI einen Hotline-Support für Anwender vor. Das Preismodell: eine monatliche Gebühr pro Arbeitsplatz.

Den Bereich Groupware und Messaging in der neuen ASP-Welt möchte sich Lotus (Halle B4, Stand 151/246) über Vertragspartner sichern. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen das "ASP Solution Pack" entwickelt. Feste Bestandteile dieses Pakets sind Lotus Domino, IBM Websphere Application Server (Advanced Edition) sowie Lotus Sametime und Lotus Quickplace. Dabei sind auch verschiedene horizontale Applikationen einschließlich E-Mail und Terminverwaltung. Das ebenfalls im Lieferumfang enthaltene "Lotus Hosting Management System" (LHMS) ermittelt die Zahl der registrierten Nutzer pro Anwendung. Dieser Wert dient als Basis für die Abrechnung zwischen dem jeweiligen ASP und Lotus. Die Services rund um diese Applikationen werden den Lotus-Partnern überlassen, die auch für die Anwender-Preismodelle verantwortlich sind.

E-Commerce und CRM im MittelpunktAuf die Marktsegmente E-Commerce und Customer-Relationship-Management zielt das geplante ASP-Angebot der Dr. Materna GmbH (Halle A5, Stand 419) ab. Personalisierung von Beziehungen zu Kunden und Geschäftspartnern sowie Zulieferern heißt dabei das übergeordnete Ziel. Als Grundlage dient die vollständig Java-basierende Lösung "Dynamo 5" der Art Technology Group (ATG). Laut Anbieter befindet sich die ASP-Offerte jedoch noch in der Evaluierungsphase.

Eine ASP-Lösung für das Website-Management bei mittelständischen und großen Unternehmen bietet die OAR AG (Halle C2, Stand 323/422) mit ihrem Produkt "Interact". Erste Anwendungsbeispiele gibt es nach Herstellerangaben bereits im Verlagswesen, in der Industrie und bei Versicherungen. Die Funktionen umfassen die Struktur- und Inhaltsverwaltung der Unternehmens-Website, rollenbasierende Berechtigungsverwaltung für die Inhalte, statistische Auswertung der Nutzung sowie Zusammenarbeit der Mitarbeiter über Newsgroups und Chats. Darüber hinaus gehört eine Plattform für die Erstellung eines kompletten E-Shops zum Paket.

Preismodelle liegen oft noch nicht vorEbenfalls in den Bereich Website-Management fällt das ASP-Angebot von Exody (bei Indecom Halle B1, Stand 219 und bei Intershop Halle C2, Stand 441/540). Mit "Exody Corporate Solution" stellt das Unternehmen eine Analysesoftware zur Erfolgsmessung von E-Shops und Marketing-Kampagnen im Internet zur Verfügung. Die verschiedenen Auswertungen lassen sich über Browser abrufen. Der Service, den man über Partner anbieten will, ist für das Marketing, Controlling und Management in Unternehmen mit E-Commerce-Sites bestimmt. Bevorzugte Partner sind dabei ASPs aus dem E-Commerce-Umfeld. Das Preismodell liegt nach Unternehmensangaben noch nicht endgültig fest, im Vordergrund stünden jedoch individuelle Verhandlungen, heißt es.

Auch Suchmaschinen lassen sich über das ASP-Modell vermarkten. Dazu betreibt die Münchner Callino GmbH (Halle B6, Stand 319) den "Detection Server" ihrer Tochter "Clever and Search" für professionelle Website-Betreiber, Portalanbieter und ISPs. Die Suchmaschine lässt sich themenabhängig (etwa nach Branchen oder Ländern) konfigurieren, so dass sich die Zahl der Treffer erheblich reduziert. Gleichzeitig stehen die Suchergebnisse im gewünschten Kontext (zum Beispiel nur WebSeiten mit Bedeutung für die Versicherungswirtschaft). Abgerechnet wird nach der Trefferzahl.

Darüber hinaus hat Callino eine Videostreaming-Lösung zur Mitarbeiterschulung entwickelt. Die Kosten für die Nutzung der einzelnen Kurse beziehungsweise Lerneinheiten orientieren sich weder an der Dauer noch an dem übertragenen Datenvolumen, sondern an der Zahl der verwendeten Lektionen. Dadurch wirkt sich das von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedliche Lerntempo nicht auf die Kosten aus. Die Verfügbarkeit der beiden ASP-Produkte ist für Anfang nächsten Jahres vorgesehen. Dann soll auch eine Standard-Desktop-Lösung gegen eine monatliche Benutzungsgebühr zu haben sein.

*Marcus Ehrenwirth ist Fachjournalist in Augsburg.

Die AnbieterIndecom Independent Computing GmbH, Bad Homburg,(Halle B1, Stand 219)

Mobilcom E-Business GmbH, Kiel,(Halle B1, Stand 435/538)

Bäurer AG, Hüfingen,(Halle A1, Stand 337/436)

SAP AG, Walldorf,(Halle A1)

Docuware AG, Germering,(Halle A4, Stand 357/554)

COI GmbH, Herzogenaurach,(Halle A5, Stand 140-18)

Lotus, Ismaning, (Halle B4, Stand 151/246)

Dr. Materna GmbH, Dortmund,(Halle A5, Stand 419)

OAR AG, Oberursel,(Halle C2, Stand 323/422)

Exody, Eschborn,(bei Indecom Halle B1, Stand 219 und bei Intershop Halle C2, Stand 441/540)

Callino GmbH, München,(Halle B6, Stand 319)

Abb: Ein stetiges Wachstum prognostiziert die Yankee Group dem Markt für Internet-Hosting. Über 14 Milliarden Dollar sollen dort im Jahr 2003 umgesetzt werden. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Front- und Back-Office-Produkte. Quelle: Yankee/Hostlogic