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11.08.2000 - 

Drei von fünf Anbietern werden Konsolidierungsphase nicht überleben

ASP-Branche im Fieber - doch die Anwender zögern

MÜNCHEN (CW) - Obwohl Application-Service-Provider (ASPs) inzwischen wie Pilze aus dem Boden schießen, ist nur rund ein Drittel der deutschen IT-Leiter über diese spezielle Form des Outsourcings informiert. Dennoch prognostiziert eine Studie der Meta Group* dem ASP-Markt ein kräftiges Wachstum, das allerdings auch von einer heftigen Konsolidierung auf Anbieterseite geprägt sein wird.

Startup-Firmen, Softwarehersteller und -distributoren, Telekommunikationsunternehmen, Internet-Service-Provider und Outsourcer teilen derzeit eine Leidenschaft: Sie alle haben das Application-Service-Providing als einen der wichtigsten Zukunftsmärkte für sich entdeckt. Keine Woche vergeht, ohne dass neue ASP-Allianzen gemeldet werden und vollmundige Ankündigungen zur jeweils angebotenen Softwarepalette erfolgen. Auf die Frage nach Referenzkunden muss jedoch ein Großteil der ASP-Anbieter bislang passen.

Ein Grund hierfür ist - neben ungeklärten technischen und wirtschaftlichen Aspekten der Vermietung von Softwarelizenzen - der geringe Informationsstand der Anwender. Obwohl die Fachpresse spätestens seit der von ASP-Ankündigungen geprägten CeBIT im Frühjahr das Thema ausgiebig behandelt und sich mit dem ASP-Konsortium (www.asp-konsortium.de) eine deutsche Interessengruppe gebildet hat, dämmert das neue Softwarezeitalter noch nicht allen. Dies belegt eine umfangreiche Studie der Meta Group. Die Marktforscher kontaktierten 1320 Unternehmen und stellten dabei fest, dass sich weniger als ein Drittel der deutschen IT-Leiter mit ASP auseinander setzen.

Von den 403 Unternehmen, die den Fragebogen beantwortet haben, können sich jedoch 74 Prozent vorstellen, das ASP-Modell als künftige Outsourcing-Strategie einzusetzen. Die potenzielle Anwendergruppe hält sich zwar bis 2001 noch zurück, für das Jahr 2002 prognostiziert die Studie dagegen ein deutliches Wachstum. 26,2 Prozent wollen dann einen ASP-Vertrag abschließen. In der ersten Phase sind es tendenziell kleinere Firmen, die die Entwicklung tragen. Derzeit ist das Serviceangebot noch zu klein und zu wenig erprobt, als dass es den Anforderungen größerer Unternehmen genügen könnte. Den meisten ASPs mangelt es noch an Kompetenzen zur Applikationsanpassung und Integration sowie den notwendigen Supportleistungen. In dieser frühen Marktphase eignet sich das Mietmodell also nur, wenn weitgehend standardisierte Software eingesetzt werden soll, die nicht in bestehende IT-Strukturen integriert werden muss. So gaben 66 Prozent der Befragten an, im laufenden Jahr kein ASP-Budget veranschlagt zu haben. Immerhin planen jedoch 16 Prozent der Unternehmen, mehr als 100000 Mark auszugeben. Dabei setzt sich das für die Jahre 2000 und 2001 errechnete Marktvolumen zum Großteil aus Verträgen für Messaging-Dienste und E-Commerce-Services wie Webshop-Hosting zusammen.

Der Studie zufolge wird sich der Markt ab 2002 jedoch ändern. Mit zunehmender Reife sowohl der Anwendungen als auch des begleitenden Serviceangebots wird ASP zunehmend für mittelständische und große Unternehmen interessant.

So sollen es ab 2002 hauptsächlich mittelständische Unternehmen mit 500 bis 1000 Mitarbeitern sein, die den vorausgesagten Boom tragen. Der deutsche Markt soll von 95 Millionen Dollar im laufenden Jahr auf rund 1,26 Milliarden Dollar im Jahr 2004 anwachsen. Dabei stellen das herstellende Gewerbe, Banken und Versicherungen sowie Behörden die voraussichtlich am stärksten vertretenen Branchen dar (siehe Grafik "Deutscher ASP-Markt").

Genährt wird der Trend hauptsächlich von der Erwartung, durch das ASP-Modell hohe IT-Investitionssummen vermeiden zu können und Ressourcen zur Implementierung und Wartung der Systeme in Grenzen zu halten. 80 Prozent der befragten Unternehmen hoffen, mittels ASP Kosten einsparen zu können. Manche mittelständische Firma kann so erst Lösungen einsetzen, die bisher nur großen Unternehmen mit hohen IT-Budgets zur Verfügung standen, da die entsprechende Software zu kalkulierbaren Preisen angeboten und meist monatlich abgerechnet wird. Interessant ist dieses Servicemodell wegen der orts- und zeitunabhängigen Datenzugriffsmöglichkeiten auch für Firmen, welche die Produktivität ihrer Außendienstmitarbeiter steigern oder Telearbeitsplätze anbieten wollen. Ein weiteres, momentan besonders brisantes Problem, das mit ASP umschifft werden kann, ist die oft aussichtslose Suche nach geeignetem IT-Personal.

Allerdings kämpft die Branche derzeit noch mit mangelndem Vertrauen. Zu wichtig sind Fragen, die die Zuverlässigkeit des ASP-Modells betreffen. Neben der Sicherung des Datenaustausches vor unzulässigen Zugriffen steht hier vor allem die Einhaltung von Service-Level-Agreements im Vordergrund. Application-Service-Provider sollen nicht nur die zugesicherte Performanz von Systemen und Anwendungen gewährleisten, sondern auch die erforderliche Netzleistung garantieren. Hier rät die Meta Group Anwendern, beim Abschluss von Verträgen mindestens eine Verfügbarkeit von 99,5 Prozent festzuschreiben. Dies entspricht einer ungeplanten Ausfallszeit von 3,6 Stunden pro Monat. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter der Qualität von Helpdesk-Funktionen sowie der Schulung von Mitarbeitern.

Je komplexer die via Internet bereitgestellte Software ist, umso mehr spielen die genannten Faktoren eine kritische Rolle. Daraus ergeben sich je nach Anwendungsart unterschiedliche Zeiträume für deren Durchbruch im ASP-Markt. Die Studie der Meta Group unterscheidet hier zwischen den Bereichen Messaging, Business Process, Enterprise Resource Planning (ERP) und Customer-Relationship-Management (CRM) sowie E-Commerce. Die derzeit am häufigsten genutzten ASP-Anwendungen lassen sich unter dem Begriff Messaging zusammenfassen. Neben der Bereitstellung von E-Mail-Services zählen hierzu Groupware- und Unified-Messaging-Lösungen wie "MS Exchange" oder "Lotus Notes".

Ein ASP-Feld, das voraussichtlich sehr schnell und überproportional stark wachsen wird, ist die Vermietung von E-Commerce-Anwendungen. Die meisten IT-Abteilungen von mittelständischen Unternehmen, die das Web als Verkaufsplattform nutzen wollen, sind mit der Installation geeigneter Systeme schlichtweg überfordert. Da viele Firmen möglichst bald im Internet vertreten sein möchten, der Web-Auftritt professionell wirken soll und meist auch noch Legacy-Systeme eingebunden werden müssen, rechnen die Marktforscher mit rosigen Zeiten für Anbieter aus den Bereichen Web-Hosting, Internet-Shops und Web-Publishing.

Ebenfalls für das ASP-Modell geeignet sind weitgehend standardisierte Geschäftsprozess-Applikationen wie Programme für die Gehaltsabrechnung oder die Personalverwaltung. Wenn diese bisher für kleinere und mittelständische Unternehmen angebotenen Lösungen ihre Kinderkrankheiten überwunden haben, erwartet die Meta Group einen zunehmenden Einsatz auch in der Industrie.

Wenngleich ERP- und CRM-Systeme ein besonders lukratives Betätigungsfeld darstellen, so wird doch deren Outsourcing im ASP-Modell am längsten brauchen, um sich am Markt zu etablieren. Eine Vorreiterrolle auf Kundenseite werden kleine, innovative Unternehmen einnehmen, die überproportional schnell wachsen. Der klassische deutsche Mittelstand dürfte dagegen noch sehr zurückhaltend reagieren. Mittlerweile arbeiten fast alle ERP-Hersteller fieberhaft an der "Webifizierung" ihrer Lösungspakete. Beispiele sind die Mysap.com-Strategie von SAP oder die nun Internet-taugliche Produktpalette "Peoplesoft 8". Die Analysten rechnen jedoch damit, dass sich zunächst die kleineren ERP-Hersteller am ASP-Markt durchsetzen werden, da deren branchenspezifische Lösungen besser auf die mittelständische Klientel zugeschnitten sind.

Auf dem im Vergleich zu ERP weitaus weniger stark gesättigten CRM-Markt kann sich das ASP-Modell laut Meta Group schneller durchsetzen. Wieder sind es die mittelständischen Unternehmen, von denen eine entsprechende Nachfrage ausgehen wird. Zumindest in der Anfangsphase müssen diese jedoch mit einer limitierten Funktionspalette für das Kundenbeziehungs-Management rechnen.

Der insgesamt erwartete Boom führt zu großen Veränderungen auf der Anbieterseite. Derzeit verweisen alle Marktteilnehmer - wie sollte es anders sein - auf ihre traditionelle Kernkompetenz, die sie für das Application-Service-Providing geradezu prädestiniere. In der Praxis verfügen allerdings die wenigsten Unternehmen über die Fähigkeit, sämtliche Aspekte der ASP-Lieferkette selbst anzubieten. Dies erklärt auch die wahre Flut von Kooperationen, mit der die ASP-Firmen ihre Portfolios gegenseitig vervollständigen wollen. Selbst große IT-Anbieter wie Softwarehersteller oder Telekommunikationsgesellschaften decken mit ihren angestammten Geschäftsfeldern nur einen Teil des gesamten Servicespektrums ab. Die derzeit noch äußerst heterogene Anbieterlandschaft dürfte jedoch bald eine Bereinigung erfahren. Nur Unternehmen, denen es gelingt, die richtigen Partnerschaften einzugehen und diese in erfolgreiche ASP-Lösungen umzusetzen, haben auf dem hart umkämpften Markt eine langfristige Chance. Die Meta Group geht davon aus, dass rund 60 Prozent der zur Zeit existierenden ASPs einer für die Jahre 2001 und 2002 erwarteten Konsolidierung zum Opfer fallen werden. Mit zunehmender Akzeptanz und wachsendem Reifegrad von ASP-Lösungen steigen auch die Markteintrittsbarrieren. Sie lassen ab 2004 keinen Raum mehr für neue Anbieter, so die Analysten.

Deutliche Konsolidierung für 2002 erwartetFür den Ausbau ihrer ASP-Sparte werden die großen IT-Firmen im Erfolgsfall ihre Partner aufkaufen. Andererseits könnten sich die Branchenschwergewichte schnell wieder zurückziehen, sollte sich dieses Geschäftsmodell als zu wenig rentabel erweisen. Zumindest die Softwarehersteller erwarten gravierende Auswirkungen auf ihr Geschäftsfeld. Eine von AMR Research in Amerika erarbeitete Studie ergab, dass 80 Prozent der Softwareunternehmen mit ihren ASP-Aktivitäten mehr Umsatz erwirtschaften wollen als mit dem Verkauf von Lizenzen.

Bemerkenswerterweise scheint der ASP-Trend nicht das Kerngeschäft der traditionellen Outsourcing-Unternehmen zu untergraben. Die Marktforscher erwarten vielmehr, dass sich der neue Dienstleistungszweig auf Kosten von unternehmensinternen IT-Leistungen entwickelt. Obwohl man annehmen möchte, dass sich die großen Outsourcer besonders stark auf das ASP-Modell als zusätzlichen Vertriebsweg stürzen, verhalten sich die meisten eher abwartend.

Eine weitere große Anbietergruppe sind Telcos und Internet-Service-Provider (ISPs). Durch die stark sinkenden Preise für die Bereitstellung von Bandbreite sehen sie den Servicebereich als willkommenes Zusatzgeschäft an. Besonders in Partnerschaften kommen deren Stärken zum Tragen. Beispiele sind hier die Kooperationen von SAP und Deutscher Telekom oder KPN Quest, das Joint Venture von KPN und Quest. Reine Beratungshäuser und Distributoren sind unter den ASP-Dienstleistern die Gruppe, die am meisten auf Allianzen mit den oben genannten Unternehmensarten angewiesen sein wird, wollen sie eine aussichtsreiche Position erlangen.

Für Anwender erhöhen die genannten Turbulenzen am ASP-Markt den Druck, auf den richtigen Anbieter zu setzen. Wenn der von der Bildfläche verschwindet, ohne zumindest in einer Kooperation aufgegangen zu sein, könnte dies die betroffenen Kunden in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Viele interessierte Firmen dürften daher noch zögern, bis die erwartete Marktkonsolidierung abgeschlossen ist.

* Die Studie der Meta Group trägt den Titel "Application Service Providing in Deutschland 2000: Markt oder Markteuphorie?", die Autoren sind Anita Liess und Rüdiger Spies. Weitere Informationen unter www.metagroup.com

ASP versus OutsourcingAlle Definitionen des Application-Service-Providing weisen Unschärfen auf, wodurch sie sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Studien wie die hier vorgestellte Untersuchung der Meta Group kämpfen daher mit dem Problem, dass auf Seiten der befragten Unternehmen oft Unklarheit herrscht, wodurch sich ASP vom klassischen Outsourcing unterscheidet. Verwechslungen sind hier programmiert, da ASP-Leistungen zum Teil bereits von Outsourcern angeboten werden. Wesentliche von der Meta Group verwandte Kriterien für ASP sind:

- Der ASP-Anbieter ist Eigentümer der Software und verwaltet die Lizenzen.

- Die Infrastruktur befindet sich im Datenzentrum des ASP, ihm gehört die Hardware.

- Der Service wird über eine monatliche Pauschale abgerechnet (nutzungsabhängige Billing-Systeme stecken noch in den Kinderschuhen).

- Standard-Implementierungen sind durch die Gebühren abgedeckt, darüber hinausgehende Leistungen verursachen zusätzliche Kosten

- Der ASP ist für System-Management und -Betrieb verantwortlich.

- Die Applikationsfunktionen werden via Internet zur Verfügung gestellt.

- Die Lizenzen werden an mehrere Nutzer vermietet ("one-to-many") und sollten daher mandantenfähig sein.

Abb.1: ASP-Anbietergruppen

ASP: Für Anbieter ein sensibles Partnergeschäft. Quelle: Meta Group Deutschland

Abb.2: Wichtige Aspekte zur ASP-Marktentwicklung

Technologische, strukturelle und wirtschaftliche Aspekte, die von den befragten Unternehmen für die Entwicklung des ASP-Marktes als maßgeblich eingestuft wurden. Quelle: Meta Group Deutschland

Abb.3: Gegenargumente zum ASP-Modell

Mehr als ein Drittel der Anwender will seine geschäftskritischen Prozesse keinem ASP anvertrauen. Quelle: Meta Group Deutschland

Abb.4: Deutscher ASP-Markt

Vor allem mittelständische Firmen und schnell wachsende Startups tragen das ASP-Wachstum. Quelle: Meta Group Deutschland