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Lebensversicherungen ohne Wartezeit


15.09.2000 - 

Aspecta-Vertrieb policiert mit künstlicher Intelligenz

Die Aspecta Lebensversicherung AG, Hamburg, vermarktet ihre Produkte über rund 15000 Makler und Mehrfachagenten. Zu deren Unterstützung schuf die Versicherung mit "Titan II Pos" ein Client-Server-Vertriebssystem, das sich auf ein lernfähiges Expertensystem mit KI-Modul und Datenreplikation stützt. Es gestattet das unmittelbare Ausstellen von Policen, wie Michael Beetz* berichtet.

Bei Aspecta vergehen höchstens fünf Tage von der Antragstellung bis zur Übergabe der Police. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise dauert es im Schnitt drei bis sechs Wochen, bis Versicherungskunden die Police in Händen halten.

Die marktüblichen Wartezeiten ergeben sich aus der Risikoprüfung in der Hauptverwaltung. Denn in aller Regel leiten Vertriebsmitarbeiter ihre Antragsdaten an qualifizierte Prüfer weiter. Diese müssen sich bei Nachfragen an den Vertrieb wenden, und das zieht das Verfahren in die Länge.

Doch das muss nicht sein, so die Überlegungen der Aspecta. In rund 80 Prozent aller Fälle bilden Versicherungssumme, Alter und Gesundheitszustand des Versicherungswilligen eine hinreichende und überschaubare Basis für eine Risikoabschätzung. Beim Tochterunternehmen der HDI-Gruppe (HDI = Haftpflicht der deutschen Industrie ) bilden diese Informationen nun die Grundlage für ein Expertensystem.

Die Versicherung hat das Risikoprüfmodul in Zusammenarbeit mit der Züricher Infexpert Holding AG auf Grundlage vorhandener Systeme für Rückversicherer selbst entwickelt. Die Software kann beispielsweise aus der Kombination einzelner, für sich genommen harmloser medizinischer Symptome Risiken ableiten, die für den Laien nicht erkennbar sind. Umgekehrt stößt sie Fragen an, die ein auf den ersten Blick großes Risiko relativieren können.

Für die Lernfähigkeit des Risikoprüfsystems sorgt eine KI-Komponente (KI = Künstliche Intelligenz). Sie stand als Baustein vom Anbieter Cogensys Corp. aus La Jolla, Kalifornien, bereit und musste lediglich für den PC-Gebrauch portiert werden. Dank dieser Technik merkt sich das System Entscheidungen und zieht Parallelen zu ähnlichen Fällen.

Ist beispielsweise die Trefferwahrscheinlichkeit für die richtige Bewertung des Risikos zu gering, um die Police vom Agenten ausstellen zu lassen, gibt das System den Vorgang automatisch zur weiteren Risikoprüfung an die Hauptverwaltung weiter. Kommt der Antragsprüfer dort zu dem Schluss, dass das Risiko mit einem Zuschlag auf die Prämie oder Einschränkungen durch Gefahrenausschlüsse doch noch versichert werden kann, speichert das System diese Entscheidung. Nach dem - derzeit etwa halbjährlichen - Update der dezentralen Server mit der aktualisierten Datenbank können solche Anträge später ebenfalls vor Ort policiert werden. Das für die lokale Datenhaltung verwendete Datenbanksystem "Adaptive Server Anywhere" stammt vom kalifornischen Hersteller Sybase.

Die Architektur der Anwendung entspricht der zweigeteilten Struktur des Aspecta-Vertriebs. Während der Großteil der Makler und Mehrfachagenten von inzwischen elf Vertriebs- und Bezirksdirektionen betreut wird, haben einige Groß-Vertriebspartner eine Maklerversion der Applikation direkt bei sich installiert. Vier Monate nach dem Projektanstoß konnten Anfang 1999 die ersten Vertriebsdirektionen die Versicherungsscheine direkt ausstellen.

Für die Groß-Vertriebspartner kam nur eine Fat-Client-Lösung in Frage, da sie ihre eigenen Bestände verwalten und als selbständige Unternehmer Wert auf ihre Unabhängigkeit legen. Sie setzen das Vertriebssystem als Stand-alone-Lösung ein und überspielen einmal täglich die Daten der neuen Vorgänge nach Hamburg zu Aspecta.

Die Vertriebs- und Bezirksdirektionen hingegen sollen ab Frühjahr 2001 mit einer Thin-Client-Version arbeiten. Der Zugriff auf den Applikations-Server erfolgt dann via Web. Heute erfassen die Außendienstmitarbeiter die Antragsdaten beim Kunden noch auf Papier. Die Daten aus den Antragsformularen werden in den Vertriebs- und Bezirksdirektionen oder in der Verwaltung eines Großmaklers in das System eingegeben. Ein interaktiver Dialog führt durch die Risikoprüfung.

Innerhalb der NT-Server-basierten lokalen Netze interagieren die auf den Workstations installierten Applikationen mit dem lokalen Datenbank-Server, je einem pro Vertriebsdirektion beziehungsweise Groß-Vertriebspartner. In der Regel endet die Prüfung mit dem Ausdruck der Police und dem Überspielen der Vertragsdaten in die Aspecta-Hauptverwaltung. Dort dient der "Sybase Replication Server" als Informationsdrehscheibe. Er sorgt für den Datenabgleich in zwei Richtungen: in eine Datenbank, die die Bestandssysteme auf dem Unix-Host (mit Informix-Datenbank) füttert, und in ein Daten-Zwischenlager für weitere Verfahren, zum Beispiel für Data-Warehouse-Anwendungen.

Für die Datenkommunikation nutzt Aspecta das Frame-Relay-Netz des HDI, während die Server der externen Partner per ISDN-Verbindung angebunden sind. Die Hardware-Mindestanforderungen auf der Partnerseite beschränken sich auf einen Standard-PC mit 100-Megahertz-Pentium und 64 MB Hauptspeicher, NT-Betriebssystem und ISDN-Karte.

Mit der Steuerdiskussion Ende 1999 in Deutschland, die einen Ansturm auf Lebensversicherungen auslöste, konnte die Vertriebslösung erstmals ihre Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Das neue Policierungssystem musste plötzlich ein fünzigmal höheres Antragsvolumen bewältigen, als bei der Entwicklung geplant war.

Die Apecta konnte den Anstieg bewältigen, indem sie die Server-Hardware aufstockte. Gegen Jahresende arbeiteten einige Vertriebsdirektionen im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Dabei blieb nicht einmal Zeit, das System zur Datensicherung herunterzufahren.

Unter 20 Prozent liegt inzwischen der Anteil von Anträgen, die von Aspecta nicht sofort bearbeitet und policiert werden können, zum Beispiel weil aufwändige Gesundheitsüberprüfungen erforderlich sind. Diese Vorgänge erhalten den Status "schwebend" und werden an die Antragsbearbeitung in der Hauptverwaltung weitergeleitet. Eine Doppelerfassung von Antrags- und Bearbeitungsdaten ist nicht erforderlich.

Derzeit plant Aspecta drei weitere Schritte. Zum einen sollen zwei europäische Auslandsgesellschaften, die die Versicherung dieses Jahr gründen will, mit der Applikation ausgestattet werden. Zweitens steht die Einführung des Transformations-Tools "Ardent Data Stage" von der kalifornischen Informix Software Inc. bevor; es soll für die automatische Datenübertragung in die Host-Systeme sorgen und eine eigens programmierte Emulation ersetzen. Zum dritten werden alle vertriebsrelevanten Daten - Rückläufe, Provisionsabrechnungen sowie Bestands- und Inkassoinformationen - in Kürze über ein geschütztes Vertriebspartner-Portal im Web zugänglich sein.

*Michael Beetz (mbeetz@aspecta.com) leitet die Abteilung Technologie Service Vertrieb in der Aspecta-Hauptverwaltung, Hamburg.

Auf ErfolgskursDie Aspecta Lebensversicherungs AG, Hamburg, gehört - neben der HDI, der CiV und der PB - zu den Lebensversicherern des HDI-Konzerns (HDI = Haftpflicht der Industrie). Im Geschäftsjahr 1999 konnte die rund 430 Mitarbeiter zählende Aspecta ihr Neugeschäft um rund 350 Prozent auf 14,1 Milliarden Mark steigern - bei einem gleichzeitigen Anstieg der Ertragsstärke. Im selben Zeitraum sank die Abschlusskostenquote von 5,8 Prozent der Beitragssumme im Jahr 1998 auf 4,9 Prozent im vergangenen Jahr.