Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.11.2000 - 

Application on Demand

ASPs: die Integratoren des Internet-Zeitalters

Für den Einsatz von Software gibt es im Wesentlichen drei Modelle: den Kauf und Betrieb im eigenen Unternehmen, das Outsourcen an einen Dienstleister oder die Beauftragung eines Application-Service-Providers (ASP), der die gewünschte Applikation über das Internet auf Mietbasis zur Verfügung stellt. Von Peter Eisenbacher*

Während in den vergangenen 50 Jahren die Computerleistung um den Faktor eine Million zunahm, erhöhte sich die Software-Produktivität nur um das Zehnfache. Das gilt nicht nur für die Softwareentwicklung, sondern auch für deren Integration in das Unternehmensgeschehen. Neue Hardware läuft bereits nach wenigen Minuten, doch die vollständige Adaption einer neuen Software kann bis zu drei Jahre dauern. Alltäglich spielen sich vor unseren Augen Mini-Katastrophen ab, die zu der Frage führen, ob wir überhaupt in der Lage sind, die Software tatsächlich als Grundbaustein der New Economy zu nutzen. Denn nach einer 1997 veröffentlichten Untersuchung der Marktforschung Standish Group International, die 360 Unternehmen befragte,

- werden 40 Prozent aller Software-Projekte vorzeitig eingestellt,

- gehen 33 Prozent von ihnen verspätet in Produktion oder haben längst den Budgetrahmen gesprengt,

- sind nur 27 Prozent aller Projekte tatsächlich erfolgreich.

Das sind beängstigende Quoten, besonders vor dem Hintergrund, dass Software heute nahezu alle Ausgaben im IT-Bereich bestimmt. Zudem wird Software immer komplexer, und sie steckt voller Fehler. "Software gehört zu den am schlechtesten konstruierten, unzuverlässigsten und am wenigsten wartbaren technologischen Artefakten, die der Mensch je konstruiert hat", behauptet der Amerikaner Paul Strassmann, der in den neunziger Jahren im US-Verteidigungsministerium für die Informationssysteme verantwortlich war.

Allein in den Erwerb von Standardsoftware investiert die Welt laut IDC im Jahr 2000 rund 179 Milliarden Dollar. Noch mehr fließt in die zumeist selbst entwickelten Individualanwendungen. Diese werden in der Regel mit Standardprodukten wie SAP R/3 kombiniert. Auf diese Weise geben allein die USA jährlich 250 Milliarden Dollar für Software aus. Weltweit dürfte es doppelt so viel sein.

Doch woran scheitern die Projekte? In den seltensten Fällen ist es mangelndes Fachwissen oder fehlerhafte Technik. Letztere hat bei solchen Projekten nur einen Anteil von 25 Prozent. Viel schwieriger sind die Umsetzung der Geschäftsprozesse und der kulturelle Wandel, der mit solchen Transformationen verbunden ist. Hauptursache ist deshalb schlechtes Projekt-Management. Wir haben - Greencard hin oder her - keinen Mangel an guten Informatikern, sondern an erstklassigen Projektleitern. Deren Bedeutung wird in den nächsten zehn Jahren sogar noch enorm zunehmen. Denn die Softwareszene befindet sich mitten in einer der größten Transformationen seit ihrer Erfindung.

Expansion verändert Software-InfrastrukturNicht mehr große, monolithische Softwareblöcke bestimmen die Anwendungen der Zukunft, sondern der Zusammenbau vieler kleiner Standardkomponenten zu Softwarekomplexen, die individuell und in sich permanent ändernden Formationen zusammengestellt werden können. Diese Formationen umfassen nicht mehr nur die internen Belange eines Unternehmens, sondern dehnen sich weit über dessen Grenzen hinaus. Sie bilden das Geschehen bei den Zulieferern und Kunden ab, erstrecken sich über ganze Branchen und Märkte.

Diese Expansion der Software verlangt aber zugleich eine ganz andere Infrastruktur. Die Software muss nicht mehr nur innerhalb eines Unternehmens präsent sein, sondern vor allem im Internet. Und damit verändert sich alles. Wie Scott McNealy von Sun sagte: "Das Netz ist der Computer, es ist die Software, es ist die Organisation." Wer aber soll dieses Zusammenspiel ordnen? Wo sind die Projekt-Manager, die diese vielfältigen Softwarekompositionen arrangieren, Tag für Tag, Stunde für Stunde? Wer übernimmt vor allem für die drei Millionen Klein- und Mittelbetriebe die Aufgabe des Software-Dirigenten?

Das wird in den kommenden zehn Jahren mehr und mehr die Aufgabe von Application-Service-Providing (ASP) sein. Eigentlich meint dieser Begriff nicht mehr, als dass Unternehmen der unterschiedlichsten Couleur eine Vielzahl ihrer erfolgskritischen Anwendungen nicht mehr selbst vor Ort vorhalten, sondern aus dem Netz beziehen. Dazu gibt es spezielle IT-Organisationen, die Application-Service-Provider. Für sie ist ASP ein Wachstumsmarkt, der nach Einschätzung von Dataquest im Jahr 2003 rund 23 Milliarden Dollar weltweit umsetzen wird. Das ist eine Steigerung um mehr als das Zwanzigfache gegenüber 1998.

Natürlich ist dies im Vergleich zum Gesamtmarkt für Informationstechnik nur eine Nische. So ergab eine Untersuchung der Unternehmensberatung TTI Tectran, dass die deutschen Großunternehmen bis 2003 mindestens 13 Prozent ihres IT-Budgets für E-Business ausgeben wollen. Wie sollen da die Klein- und Mittelbetriebe mithalten, die zum großen Teil noch nicht einmal die Basisvoraussetzungen erfüllt und ERP-Systeme installiert haben, ohne die das E-Business niemals die erhofften Gewinne bringen wird? Genau hier liegt die große Chance der Application-Service-Provider. Denn in deren Rechenzentren stehen vor allem die ERP-Anwendungen.

Den gesamten Wertefluss eines Unternehmens zu erfassen ist die Hauptzielrichtung von ERP. Alles wird transparent. Da die Firmen eingepasst sind in diverse Zulieferketten, spontan eingebunden werden in wettbewerbsentscheidende Marktsituationen, dehnt sich diese Transparenz über die Unternehmensgrenzen hinweg aus. Sie werden Teil des E-Business, das weitere Anwendungen wie das Customer-Relationship-Management, das Supply-Chain-Management, die Logistik oder die E-Markets in das Spiel mit hineinbringen.

Ein Unternehmen betrachtet sich selbst und seine Aktivitäten am Markt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, muss aber auch akzeptieren, dass es von anderen ebenfalls durchleuchtet wird. Plötzlich steht man vor einem kaum zu bewältigenden Problem: Wie sollen diese verschiedenen Perspektiven, bestimmt durch individuell angepasste Zugriffsberechtigungen nach innen und außen sowie von innen und außen, überhaupt noch verwaltet werden? Wie soll das Zusammenspiel der einzelnen Softwarekomponenten in einem sich permanent verändernden, kaum planbaren Marktumfeld sicher geregelt werden?

Die Entwicklung droht nicht nur große Firmen zu überfordern, sie treibt vor allem den Mittelstand in eine Softwarekrise, die alles zu überschatten droht, was in den vergangenen dreißig Jahren an Problemen bei der Einführung komplexer Systeme bewältigt worden ist. Mehr noch: Viele Firmen werden zum ersten Mal diesem Softwareschock ausgesetzt. Zugleich aber hängt ihre Existenz davon ab, dass sie sich diesem Ansturm stellen. Doch im Kampf um die Spezialisten, die solche Einführungen meistern können, werden viele Betriebe auf der Strecke bleiben. Application-Service-Providing ist hier die einzig praktikable Alternative.

Ein dem ASP weitläufig verwandtes Geschäftsmodell ist das Outsourcing. Es ist zwar historisch älter als ASP, bietet aber weder für den Kunden noch für den Dienstleister derart große Chancen wie ASP. Beim Outsourcing von IT stellt der Service-Provider einem Kunden Rechner, Software und Personaldienstleistungen zur Verfügung. Das Unternehmen, das eine solche Dienstleistung in Anspruch nimmt, bleibt liquide und bindet sich vertraglich nur für kurze Intervalle. Der Nachteil: Unabhängig von Art und Umfang der Dienstleistung muss ein monatlicher Kostenbeitrag bezahlt werden. Der Service-Provider wiederum freut sich zwar über die eingehenden Mietbeiträge, doch er muss für jeden neuen Kunden exklusiv Hard- und Software zur Verfügung stellen.

Diesem "One-to-One-Prinzip" steht das chancenreichere "One-to-Many" des ASP-Modells gegenüber. Der ASPler stellt seine Software nicht einem, sondern im Idealfall sehr vielen Kunden zur Verfügung. Der Vorteil für die Anwender besteht darin, dass sie nur für die tatsächlich in Anspruch genommene Software pro Zeiteinheit oder pro Datenmenge zur Kasse gebeten werden.

ASP ist dabei mehr als nur Outsourcing über das Internet. Der DV-Arbeitsplatz der Zukunft wird aus Portalen bestehen. Jeder Mitarbeiter erhält die für seine Arbeit notwendigen Prozesse individuell auf der Basis von Internet-Technologien. Auf den Endbenutzer wird in Zukunft jedoch eine Vielzahl von Portalen zukommen. Dieser Herausforderung muss sich ein Provider stellen, indem er ein Meta-Portal für seine Kunden betreibt. Er wird die Regeln für Anwender und Prozesse definieren, die bestehenden Portale verknüpfen und den Workflow über alle IT-Welten - Internet, Intranet, Extranet und die Legacy-Systeme sichern. Der ASP wird somit zum Integrator des Internet-Zeitalters.

*Peter Eisenbacher ist Vorstandsvorsitzender der TDS AG, Neckarsulm

Das PotenzialInnerhalb der nächsten drei Jahre wird der ASP-Markt weltweit auf Umsätze von 23 Milliarden Dollar angewachsen sein. Das Potenzial, das mit ASP adressiert werden kann, ist aber unvergleichlich größer. Allein in Deutschland gibt es mehr als drei Millionen Betriebe, die sich in unterschiedlicher Ausprägung dem E-Business stellen müssen. Wie viele davon werden tatsächlich ASP nutzen?

Nach einer Untersuchung der Marktforschung Cahners In-Stat Group in den USA wollten im Jahr 2000 nur 6,4 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten ASP in Anspruch nehmen. Doch zwölf Prozent der Betriebe, die weniger als 100 Mitarbeiter zählen, zogen bereits 2000 dieses Angebot ernsthaft in Erwägung. Wendet man diese Prozentzahlen nun auf Deutschland an, dann müssten hierzulande 360000 Unternehmen den Schritt in Richtung ASP anpeilen. Das ist eine gewaltige Zahl, die wahrscheinlich gar nicht umsetzbar wäre und die ASPs völlig überfordern würde.

ASP müsste demnach eine weitaus stärkere Bedeutung haben, als die 23 Milliarden Dollar ausdrücken. Mit dieser Summe wird weniger das tatsächlich existierende Marktvolumen angesprochen, als vielmehr das, was in einem verantwortbaren Umfang von den Application-Service-Providern auch wirklich zu bewältigen ist.

Abb.1:Warum ASP die Welt verändert

Quelle: TDS

Abb.2: Vier-Welten-Modell

Die Integration der vier Welten soll künftig der Application-Service-Provider gewährleisten. Dabei geht es um mehr als nur die technische Abwicklung von Informationsprozessen. ASPler benötigen auch ein Verständnis für das unternehmerische Umfeld ihrer Kunden. Quelle: TDS