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17.03.2000 - 

Interview

"ASPs sind die Integratoren des Internet-Zeitalters"

17.03.2000
Mit Peter Eisenbacher, dem Vorstandsvorsitzenden der TDS AG, sprachen die CW-Redakteure Heinrich Vaske und Alexander Freimark

CW: Sie nennen TDS seit Anfang des Jahres "The ASP-Company". Wie wird Ihre ASP-Welt künftig aussehen?

Eisenbacher: Die Frage ist, was den Arbeitsplatz des Endbenutzers in drei Jahren ausmacht. Es wird das Internet geben, es wird Intranets mit Groupware-Lösungen geben, und es finden sich dort Web-fähige Legacy-Systeme. Weitaus spannender sind jedoch die Extranets und die Business-Service-Provider. Hierzu zählen virtuelle Marktplätze und spezielle Dienstleister, die Services über das Internet anbieten oder vermitteln. Es wird darauf hinauslaufen, dass Firmen ihre Geschäftsprozesse offen legen und interessierte Dritte mit hineinnehmen.

CW: Werden auf der Anbieterseite die Großen der IT-Szene, also Microsoft, IBM oder SAP, auch diesen Markt dominieren?

Eisenbacher: Durch das Internet entsteht etwas, das es in der DV-Geschichte bisher noch nie gegeben hat: Es gibt wirklich einen herstellerneutralen Standard. Alle anderen Vereinheitlichungen wie SNA, Windows oder auch R/3 als Quasi-Standards waren herstellerspezifisch. Doch mit dem Internet und offener Software verändert sich die Welt. Ich bin davon überzeugt, dass die Business-Service-Provider kommen werden und SAP künftig bei virtuellen Marktplätzen einen Anteil von vielleicht zehn bis 20 Prozent kontrollieren wird. Die 60 Prozent Anteile, die SAP gegenwärtig im ERP-Markt besitzt, sind in der neuen Welt nicht mehr zu halten.

CW: Welche Folgen hat dieser Wandel für die Anwender?

Eisenbacher: Die Anwender brauchen etwas, das die verschiedenen Welten zusammenführt. Jeder Anbieter hat ja inzwischen ein eigenes Portal, also benötigen die Anwender ein Metaportal. Die moderne IT läuft dann prozessgesteuert unter seiner Portaloberfläche ab. Der Nutzer selbst hat nur einen Browser, die Anwendungssoftware liegt auf einem - wie wir das nennen - Integration-Plattform-Server, der nichts anderes macht, als die Prozesse zu verbinden.

CW: Haben Sie sich deshalb am amerikanischen Portalanbieter Vision One beteiligt?

Eisenbacher: Das Unternehmen wird in erster Linie als Ideengeber fungieren. Bei der Integration und Portaltechnik ist uns das Silicon Valley immer ein paar Monate voraus. Da sind wir gut beraten, wenn wir mit unserem Entwicklungszentrum vor Ort sind.

CW: Positionieren Sie sich durch die Beteiligung nicht direkt gegen die SAP und ihr Portal "Mysap.com"?

Eisenbacher: Unsere Lösung "Ice" ist nicht gegen Mysap. com aufgestellt. Die Zielrichtung von TDS ist die Verknüpfung von Applikationen zahlreicher Unternehmen unter einer Oberfläche. ASPs sind für mich die Integratoren des Internet-Zeitalters, die die verschiedenen Anwendungen zusammenführen. Sie sollten nicht versuchen, alles selbst zu machen. Sie müssen schnell sein, über Management- und Consulting-Know-how verfügen und den Kunden sagen können, wo sie die passenden Business-Service-Provider im Internet finden.

CW: Was verkaufen Sie Ihren Kunden künftig? Eine via Pflichtenheft gewünschte Funktionalität oder wie bisher ein Produkt à la R/3?

Eisenbacher: Das wird unterschiedlich sein. Beispielsweise werden wir für Kunden Marktplätze einrichten oder sie in Fragen zur ERP-Software beraten.

CW: Wie stark können Sie sich auf Kundenwünsche einlassen, wenn Sie ein ASP- oder Hosting-Angebot unterbreiten?

Eisenbacher: Ihre Frage resultiert aus dem weit verbreiteten Trugschluss, dass ASP bedeutet: Millionen von Usern greifen auf ein Rechenzentrum zu, und nichts darf geändert werden, damit alles schnell und billig ist. Es ist ein Irrglaube, dass wir nicht effizient customizen müssen, wenn der Kunde spezielle Wünsche hat. Auch eine Ready-to-Work-Lösung wird immer Anpassungsaufwand bedeuten.

CW: SAP hatte nicht zuletzt Erfolg, weil sich viele Geschäftsleitungen für die Software entschieden haben. Wie wollen Sie sich gegen die starke Marke und die wirtschaftlichen Argumente behaupten?

Eisenbacher: Die Welt wird sich dramatisch verändern. Wenn Business-Service-Provider künftig ganze Geschäftsprozesse eines Unternehmens betreuen, wird das Thema ERP-Software automatisch in den Hintergrund gedrängt. Die letzten Jahre waren durch die Frage geprägt: Hast du SAP? Die zukünftige Frage wird lauten: Welchen Business-Service-Provider hast du? Dann ist die Auswahl der Plattform für die Integration nicht mehr so wichtig, es ist eben zufällig R/3.