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IT in Versicherungen/Softwareevaluierung und Gründung der Meag gingen Hand in Hand


16.02.2001 - 

Asset-Management für Versicherungsträger

Die Münchner Rück und die Ergo-Versicherungsgruppe haben für ihr Vermögens-Management eine Tochtergesellschaft, die Meag, gegründet. Das Haus ist mittlerweile einer der größten Vermögensverwalter in Europa. Von Claudio-Peter Prutz*

Asset-Management ist im Versicherungsgeschäft auf dem Vormarsch. Zunehmend wird die Versicherungsverwaltung zum Hauptumsatzträger in der Versicherungsbranche. Anbieter dieser Art von Dienstleistung erzielen Gewinne und stärken ihre Wettbewerbsposition. Dies hat die Münchner Rück erkannt, als sie sich entschloss, Asset-Management als dritte Säule in ihre Konzernstrategie aufzunehmen.

Die eigens hierzu gegründete Munich Ergo Asset-Management Gesellschaft mbH (Meag), ein Tochterunternehmen der Münchner Rück und der Ergo-Versicherungsgruppe, zu der die Versicherungsgesellschaften Hamburg Mannheimer, Victoria, DKV und D.A.S gehören, verwaltet insgesamt ein Vermögen von über 130 Milliarden Euro. Um ein zentrales Portfolio-Management-System zu installieren, suchte man nach einer Investment-Management-Software, die hohen Anforderungen hinsichtlich

-Funktionalität beziehungsweise Flexibilität der Trades,

-Benutzeroberfläche und Handhabung,

-Integration der Module und

- Schnittstellen-Management

gerecht wird.

Nach ausführlicher Recherche, bei der in der ersten Auswahlphase 98 potenzielle Portfoliosysteme zur Auswahl standen, entschied sich das Unternehmen für die Softwarelösung TMS 2000 von Sim Corp., Bad Homburg.

Die Meag ist die Muttergesellschaft folgender Unternehmen: der

-Kapitalanlagegesellschaft mbH (KAG), der

-Securities Management GmbH, der

-Real Estate Management GmbH und der - Munich Ergo Real Investment GmbH.

Zurzeit verwaltet die KAG mehr als 32 Milliarden Euro und wächst. Die Securities Management verwaltet die Direktanlagen im Wert von über 100 Milliarden Euro.

Anforderungen an das SystemDer Projektgruppe gehörten Mitglieder aus den Verwaltungseinheiten in München, Düsseldorf und Hamburg an. Sie setzte 14 Monate Planungszeit an, innerhalb der das zentrale Asset-Management-System mit optimalen Strukturen und abgestimmten Prozessen laufen sollte. Um die Kapitalanlageeinheiten der verschiedenen Unternehmen mit unterschiedlichen Systemen und Arbeitsprozessen zusammenzuführen, musste man sich zunächst auf ein gemeinsames Business-Modell einigen. Außerdem war zu berücksichtigen, dass die Mandanten - in diesem Fall die Gründungsgesellschaften der Meag - jeweils ihre eigenen Back-Office-Systeme und Bilanzsysteme hatten und ihre Verfahren und Prozesse nicht grundsätzlich ändern wollten.

Eines der entscheidenden Erfolgskriterien war die Einführung eines Portfolio-Management-Systems. Zunächst wurden die wichtigsten Prozessschritte der neuen Organisation festgelegt. Dazu zählten Investmententscheidungen, Wertpapierhandel, Orderabwicklung, Bestandsführung, Finanzbuchhaltung und Reporting. Diese wurden über Produktklassen (Aktien, Derivate, Renten, Geld/Devisen, eigene Fonds) einheitlich definiert, ferner systemübergreifende Anforderungen wie Risikosteuerung, Kreditlimite oder Marktinformationen bestimmt. Diese Anforderungen waren zentrale Bestandteile des Bewertungskatalogs für ein aufwändiges Auswahlverfahren, bei dem zum Schluss zwei Systeme übrig blieben.

Den Ausschlag für die Sim-Corp-Lösung gab in erster Linie die zu erwartende hohe Flexibilität des Systems. Das Projektteam war sich sicher, dass es über einen hohen Grad an Parametrisierbarkeit verfügte, mit variabler Portfolio-Gliederung und beliebig definierbaren Aggregationsebenen. Funktionalitäten wie Risikobewertung, Performance-Berechnung und -Attribution waren von vornherein implementiert, und auch eine parallele Darstellung von US-GAAP und HGB ist grundsätzlich möglich. Auch das Schnittstellen-Management mit einer Realtime-Excel-Schnittstelle und flexibler Generierung von Schnittstellen passte ins Konzept der Verantwortlichen.

MeilensteineDas Projekt war in zum Teil strenge Rahmenbedingungen eingebettet. Am wichtigsten war, dass die Back-Office-Systeme der Meag-Gründer zunächst auf ihren Systemplattformen bleiben konnten. Diese waren überwiegend SAP, daneben eine Eigenentwicklung auf einem Host sowie das Back Office der KAG unter SER V3. Fonds. Folglich waren die, Bestände zwischen dem Portfolio-Management-System der Meag und den Back-Office-Systemen abzugleichen. Ein CommunicationLayer, der auf dem Datenformat von TMS 2000 aufsetzt und durch eine sehr allgemeine Umschlüsselungstechnik jedes beliebige Back-Office-System mit TMS 2000 verbinden kann, musste programmiert werden.

In der Konzeptionsphase von Mai bis August 2000 wurden Arbeitsprozesse und Verfahren definiert und festgelegt. Gleichzeitig erfolgte die Basiskonfiguration von TMS 2000. Von August bis Ende September wurde die Feinkonfiguration vorgenommen, dann konnte die Probephase beginnen. Ein wichtiger Meilenstein war der erfolgreiche Test des Communication-Layers. Die Komplexität dieses Vorhabens wird deutlich, wenn man die Menge an Daten betrachtet, die abgestimmt werden musste, damit sowohl das Portfolio-Management-System als auch die juristischen Bestände der Back-Office-Systeme gleiche Werte liefern. Ein Vorteil war vor allem, dass man die Spezialthemen bezüglich der KAG- und der Direktanlagebestände sequentiell bearbeiten konnte.

Im Herbst 2000 wurden mit Derivaten neue Produkte eingeführt. Zum 31. Dezember 2000 megrierte man die dezentralen Back-Office-Systeme der beteiligten Versicherungsunternehmen auf ein zentrales SAP-System bei der Meag. Hierfür waren entsprechende Änderungen im Communication-Layer notwendig. Zeitgleich läuft ein Projekt zur Umstellung auf parallele Rechnungslegung nach HGB und IAS. Mit der etablierten Plattform kann die Meag weitere Themen adressieren. Diese Teilprojekte umfassen beispielsweise die Verwaltung der Unternehmensbeteiligungen, Integration der Konzerntöchter weltweit, oder die ständige Aufnahme neuer Mandanten. Weiterhin steht der Ausbau des Communication-Layers vom reinen Bestandsabgleich zum komplexen Abgleich inklusive Bewegungs- und Gattungsdaten auf dem Programm.

Kurs- und Gattungsdaten werden täglich auf den neuesten Stand gebracht. Derzeit müssen die festgestellten Differenzen teilweise noch manuell korrigiert werden. Mit der Weiterentwicklung des Communication-Layers wird der Nachbesserungsaufwand reduziert werden.

Die Vorteile eines komplexen Portfolio-Management-Systems gegenüber den bisher üblichen Excel-Lösungen liegen auf der Hand: einheitliche, valide Datenbasis, hohe Funktionsvielfalt, genormte Performance-Rechnung, um nur die Wichtigsten zu nennen. In der Übergangszeit vom dezentralen zum zentralen Back-Office-System war das Produkt die einzige elektronische Möglichkeit, eine Bestandsübersicht über die Wertpapier-Assets aller Mandanten zu erhalten. Nun arbeiten alle Portfolio-Manager mit denselben Standards.

Insgesamt hat das Projekt dazu geführt, dass die gesamte Meag-Systemwelt heute aus weniger Komponenten besteht.

*Claudio-Peter Prutz ist Leiter IT und Organisationsentwicklung der Meag Security Management GmbH in München.