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16.12.1998 - 

Gegenseitiger Outsourcing-Pakt nutzt beiden Seiten

AT&T kauft sich mit IBMs Global Network IP-Dominanz

NEW YORK (CW/IDG) - Konzentration auf das jeweilige Kerngeschäft - darum geht es nach einhelliger Meinung von Branchenkennern im spektakulären Deal zwischen AT&T und IBM. Big Blue hat vergangene Woche sein Global Network an den US-Carrier verkauft. Während für den IT-Giganten aus Armonk unter dem Strich zumindest ein einträglicher Outsourcing-Vertrag übrigbleiben dürfte, hat sich AT&T quasi über Nacht das Standing eines weltweit führenden IP-Network-Providers erkauft.

Die Nachricht vom Verkauf des IBM Global Networks kam nicht überraschend. Bereits im August hatte Big Blue entsprechende Absichten publik gemacht, nachdem die US-Investmentbank Merrill Lynch offiziell mit der Suche eines Käufers beauftragt worden war. In einer Art Versteigerung konnten seither Interessenten ihr Gebot abgeben. Den Zuschlag erhielt letztlich der US-Carrier, nachdem Gerüchten zufolge auch die Deutsche Telekom, France Télécom und Sprint im Rahmen ihres Joint-ventures Global One sowie die US-Telefongesellschaft GTE und der japanische Carrier NTT ein Kaufangebot unterbreitet hatten.

Gemäß Vertrag bezahlt AT&T für das Global Network fünf Milliarden Dollar in bar. IBM bezieht im Gegenzug binnen der nächsten fünf Jahre entsprechende Netzservices von AT&T. Der TK-Gigant seinerseits wird von den Armonkern die kommenden zehn Jahre Wartungs- und Kundendienstleistungen von Big Blues Division Global Services in Anspruch nehmen. Dazu zählen die Installation von Global-Network-Zugängen bei großen Firmenkunden sowie das Abrechnungswesen. Gleichzeitig übernimmt IBM weitgehend das konzernweite Daten-Management sowie den Bereich Anwendungsentwicklung - ein Paket, das sich AT&T vier Milliarden Dollar kosten läßt. Auch auf Mitarbeiterebene kommt es zum großen Tauschgeschäft: 5000 Netzspezialisten von IBM werden künftig auf der Gehaltsliste des Carriers stehen; knapp 2000 AT&T-Spezialisten aus der Anwendungsentwicklung soll der Wechsel zu Big Blue schmackhaft gemacht werden.

Analysten werten den Deal nicht als Kauf beziehungsweise Verkauf, sondern als "Partnerschaftsabkommen". Neben dem Preis und dem damit verbundenen gegenseitigen Outsourcing-Abkommen dürfte dabei auch der persönliche Kontakt von AT&T-Chef Michael Armstrong zu seinem früheren Arbeitgeber IBM den Ausschlag für den TK-Riesen gegeben haben, heißt es. Und eine offensichtliche "Win-win"-Situation für beide Firmen. IBMs Chairman Louis Gerstner sprach beispielsweise von der Tatsache, daß man sich nun bei der eigenen Kundschaft "voll auf die Entwicklung von Netz- und E-Business-Lösungen konzentrieren" könne.

Der Frontmann des blauen Riesen bestätigte damit, was man in Armonk schon bei Bekanntwerden der Verkaufsabsichten eingeräumt hatte: IBM sieht den aufwendigen Betrieb sowie die Weiterentwicklung seines Global Network nicht mehr als zukunftsweisende Kernkompetenz an.

Das IP-Netz, das die Armonker in den frühen 80er Jahren ursprünglich ausschließlich für eigene Zwecke aufgebaut hatten, wird heute von mehr als 35 000 Kunden in 850 Städten weltweit zur unternehmensweiten Datenkommunikation genutzt. Gleichzeitig bietet IBM in 59 Ländern über das Global Network Einwählmöglichkeiten ins Internet an - entsprechende Services für die professionelle Kundschaft inklusive. Eine "Perle" in der aktuellen Carrier-Landschaft, wo alles nach Anwendungen wie Internet-Kommunkation und "Voice over IP" schreit. Das Global Network soll Big Blue nach Schätzungen von Analysten zuletzt einen jährlichen Umsatz von rund zwei Milliarden Dollar eingebracht haben. Doch die Armonker standen, wie man bei Morgan Grenfell kommentiert, vor der Wahl, "mit aller Konsequenz in die Telekommunikation einzusteigen oder die verfügbaren Ressourcen in den Geschäftsfeldern Hard- und Software sowie Dienstleistungen zu belassen."

AT&T hat jedenfalls, so der Tenor an der Wallstreet, trotz des auf den ersten Blick hohen Kaufpreises ein Schäppchen gemacht - auch weil IBM der größte Kunde des Telefonkonzerns ist. Wäre einer der Branchenrivalen zum Zuge gekommen, hätte dieser nicht nur das Global Network kassiert sondern zwangläufig auch Big Blue als Kunden gewonnen, heißt es. Konsequenz für die Michael-Armstrong-Company: Ein Umsatzverlust in Millardenhöhe.

Vor allem aber sei es AT&T gelungen, die "offene Flanke" in Form eines nur rudimentär vorhandenen Internet-Infrastruktur-Angebots inklusive Dienstleistungen zu schließen. Branchenkenner schätzen den Anteil des Global Network am weltweiten IP-basierten Datenkommunikationsmarkt auf etwa zehn Prozent. Zusammen mit dem neuen Joint-venture-Partner British Telecom (BT) dürfte es AT&T sogar auf knapp 20 Prozent bringen. Wettbewerber wie Worldcom/MCI oder der Telekom-Verbündete Sprint, die bis dato in Sachen Internet-Backbones als weltweit führend gelten, wären quasi über Nacht wieder eingeholt. Lange Zeit hatte man deshalb bei AT&T auch mit dem Aufbau eines eigenen weltweiten IP-Netzes geliebäugelt. Jetzt wolle man das Global Network modernisieren und in ein neues, zusammen mit BT geplantes rund 100 Städte umfassendes IP-Netz integrieren, heißt es beim US-Carrier.

"Offene Flanke" Wettbewerbshüter

Entsteht durch das Joint-venture AT&T/BT in Kombination mit IBMs Global Network ein neuer, vor allem in Europa marktbeherrschender IP-Netzwerk-Gigant? Diese Frage drängt sich Beobachtern in Brüssel auf. Die geplante anglo-amerikanische Allianz könnte, so die Mutmaßungen, auf dem Alten Kontinent Wettbewerber wie France Télécom und Deutsche Telekom im Internet-Backbone-Geschäft regelrecht an die Wand drücken. Mit Schwierigkeiten bei der vor kurzem eingeleiteten Prüfung seitens der EU-Kommission wird deshalb gerechnet. Als Vorbild für eine etwaige (zunächst) negative Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter könnte die von der US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) bei der Fusion von Worldcom/MCI verfügte Auflage gelten, wonach MCI seinen gesamten Internet-Backbone verkaufen mußte (an Cable & Wireless, Anm. d. Red.). Aber auch in den Vereinigten Staaten dürfte AT&T durch die Kartellbehörden Ungemach drohen. Der US-amerikanische Branchenprimus hat zuletzt kräftig Geld in die Hand genommen, um Lücken im eigenen Serviceportfolio zu schließen. Vor allem die im Juli angekündigte, 51 Milliarden Dollar teure Übernahme des Kabel-TV-Betreibers TCI schlägt hohe Wellen. Kenner der Szene halten es für wahrscheinlich, daß die FCC den Merger nicht genehmigt.