Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.06.1988 - 

Data-Systems-Chef widerspricht öffentlich seinem Chairman:

AT&T-Manager uneins über Pakt mit Olivetti

MADRID/NEW YORK (CW) - Die im italienischen Ivrea hergestellten Olivetti-PCs sind dem neuen Chairman von AT&T. Robert Allen, zu teuer. Sein Unternehmen werde daher möglichersweise das Auftragsvolumen drosseln und auch andere Hersteller unter Vertrag nehmen. Der Präsident der Data Systems Division, Robert Kavner, relativierte prompt die Aussage seines Chefs. Es gebe derzeit keine Pläne, die Einfuhr der europäischen PCs einzuschränken.

Nicht nur zwischen Olivetti und dem US-Partner AT&T gibt es in letzter Zeit Meinungsverschiedenheiten ... die künftige Gestaltung der italo-amerikanischen Kooperation sondern auch innerhalb des AT&T-

Vorstands. Während Chairman Robert Allen, Nachfolger des kürzlich

gestorbenen James Olson, einen offenen Konfrontationskurs gegen Carlo de Benedetti fährt, betreibt das neue Oberhaupt der Computer-Abteilung, Robert Kavner, eine konziliant e Politik. Der Amerikaner, der kürzlich in den Olivetti-Verwaltungsrat gewählt worden war, brachte jetzt sogar eine Trennung der Data Systems Division von der AT&T-Muttergesellschaft ins Gespräch.

Entwicklung und Lizenzierung von Unix, also die zentralen Aufgaben seines Geschäftsbereichs, könnten möglicherweise in ein paar Jahren an ein eigenständiges Unternehmen übertragen werden, sagte Kavner auf einer Veranstaltung für Kunden Analysten und die Presse, doch heute Sei man noch nicht so weit. Auf der Konferenz wollte der erst seit Anfang Mai amtierende Manager Bedenken der Branche ausräumen

AT&T versuche sich durch die Kooperation mit Sun Microsystems bei der Unix-Entwicklung einen Marktvorsprung zu verschaffen. Außerdem trat er Spekulationen entgegen der Telefonriese gedenke sich aus er Riege der Hardwarehersteller zu verabschieden.

Nur einen Tag später schaltet sich überraschend AT&T-Boß Robert Allen mit einer an Olivetti-Chef Carlo de Benedetti gerichteten Drohung in die Debatte ein. In Madrid verkündet er vor einem internationalen Beratergremium, Sortimentsänderungen beider Firmen und eine verschlechterte Wahrungsparität hätten es nötig gemacht, die Geschäftsbeziehungen zu überdenken.

Allen gibt zu verstehen, daß sich die Olivetti, die inzwischen auch eigene Unix-Rechner anbietet, zu wenig für den Absatz der AT&T-Serie 3B in Europa engagiere. Da man andererseits PCs aus anderen Quellen weit billiger beziehen könne, müsse der Mikrocomputer-Lieferant künftig nicht mehr unbedingt Olivetti heißen. Wie wahrscheinlich ein baldiger Wechsel zu einem anderen Hersteller sei, sagt er nicht. Allerdings versichert Allen, daß sein Konzern den gegenwärtig 22prozentigen Olivetti-Anteil weder abstoßen noch erhöhen wolle.

Die erste Reaktion seitens Olivetti bestätigt am folgenden Tag auch Kavner: AT&T habe keine konkreten Pläne, die PC-Käufe in Italien einzustellen. In New Jersey spielt er, von der Wirtschaftspresse darauf angesprochen, die Äußerungen seines Chefs herunter. Berichte über einen Zusammenbruch der Allianz nennt er "vollkommen verzerrt und aus dem Zusammenhang gerissen". Laut Financial Times versucht er sogar die Benedetti-Aussage zu beschönigen, Olivetti brauche heute - im Gegensatz zu 1983 - keinen Multi mehr als Partner.

Trotz der Loyalität Kavners zu seinem Vorgänger, dem heutigen Olivetti-Topmanager Vittorio Cassoni, gibt es aber nicht einmal bei der Entwicklung neuer Rechner Gemeinsamkeiten zwischen Italienern und

Amerikanern. Statt des von AT&T unterstützten Sun-Chips Sparc bevorzugt Olivetti den RISC-Chip 88000 des Konkurrenten Motorola. Kavner mußte jetzt zugeben, daß er in dieser Richtung bisher nichts habe tun können. So sieht es momentan nicht danach aus, als würden künftige Olivetti-Rechner eines Tages über Vertriebspartner von AT&T in den USA vermarktet. Statt dessen will der Telefon-Konzern offenbar den Sun-Rechner 386i in seine Handelskanäle einschleusen.