Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.10.1988 - 

Der OSF-Rivale schart seine Getreuen um sich - Bei AIX-Sieg Millionen-Investitionen befürchtet:

AT&T startet die Unix-Gegenoffensive

FRAMINGHAM (CW) - In dem Bemühen, weiterhin die Hauptrolle im

Unix-Geschehen zu spielen, schlägt AT&T letzt eine schärfere Gangart an: Statt der Konkurrenz-Organisation OSF beizutreten, gründet das Unternehmen eine eigene Unix-Gruppierung.

Die bei Redaktionsschluß noch namenlose AT&T-Gruppe sei keine Reaktion auf die Gründung der OSF (Open Software Foundation) im Mai dieses Jahres, versuchte Robert M. Kavner, Chef der Data Systems Group der AT&T, in Chicago mit seiner Eröffnungsrede zur PC Expo klarzustellen. Doch er räumte ein, daß AT&T durch die OSF-Existenz jetzt gezwungen sei, Unix als ein Produkt unter anderen miteinander im Wettbewerb stehenden Produkten zu sehen, statt als Technik, die von vielen Herstellern genutzt würde.

Zu den Verhandlungen mit der OSF, die trotz des neuen AT&T- Schachzugs noch nicht abgebrochen wurden, äußerte sich Kavner gegenüber der COMPUTERWORLD. "Der Unix-Kern muß System V.4 sein", formulierte der Chef der Data Systems Group die Hauptbedingung für einen AT&T-Beitritt zur OSF. Die Open Software Foundation hat ein noch zu lieferndes Release der IBM-Unix-Version AIX als Kern des zukünftigen OSF-Unix gewählt.

Zu den Mitgliedern der AT&T-Gruppe wollte sich Kavner bisher nicht äußern. Er bestätigte lediglich, daß Microsoft und Lotus dazu gehören würden. Als mögliche Mitglieder nannte er Amdahl, Unisys, Control Data, NCR, Olivetti, Fujitsu America, ICL, Gould, Sun und Prime. Diese Unternehmen hätten sich zu Unix V bekannt und würden weltweit die Mehrheit von Unix-Systemen ausliefern - und nicht etwa, betonte Kavner, die OSF-Mitglieder.

Indes räumte Kavner indirekt ein, was der wahre Grund für die überraschende AT&T-Aktivität ist. Die genannten Unternehmen hätten mehrjährige Entwicklungsprogramme bezüglich Unix V in Angriff genommen und müßten Millionen Dollar investieren, um ihre Systeme einen neuen Standard wie AIX anzupassen. "Diese Unternehmen macht besorgt", erklärt Kavner die Gründung der neuen Unix-Gruppe, "daß, falls sich die Welt in Richtung AIX bewegen sollte, eine Menge Geld aufzubringen ist, um AIX zu übernehmen."

Analysten sehen das gelassener: Falls beide Gruppierungen ihre Unix-Versionen weiterentwickeln, so werden sich diese nach Ansicht des IDC-Marktforschers David Card früher oder später angleichen. Er glaubt, daß spätestens die AT&T-Unix-Version V.5, die für Herbst 1989 erwartet wird, weitgehend kompatibel zur OSF-Version sein wird - falls es die OSF eben doch schaffen sollte, beispielsweise bei US-Behördenaufträgen (die grundsätzlich Unix fordern) eine gewichtige Rolle spielen zu können.

US-Anwender verfolgen das Spektakel eher gelangweilt. Gary Biddle beispielsweise, verantwortlich für die Informationsverarbeitung bei American Standard, wird wie in der Vergangenheit auch zukünftig mit den Produkten arbeiten, die zu haben sind, und nicht etwa auf Standards warten. Auch Biddle-Kollege Gary Handler von Shearson Lehman Hutton wird sich nicht um "politisch motivierte" Entscheidungen kümmern, sondern Produkte nach ihrer Qualität beurteilen. "Ich werde", bekräftigt Handler seine Meinung, "mit meinem Budget abstimmen."