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05.12.1986 - 

Autokonzern will offenbar DV-Geschäftsbereich wieder loswerden:

AT&T war General-Motors-Tochter EDS zu teuer

MÜNCHEN/DETROIT (ujf) - Für fünf bis sechs Milliarden Dollar wollte General Motors seine DV-Gesellschaft EDS an den Telekommunikationsriesen AT&T abstoßen. Das Geschäft platzte - der Preis war zu hoch. Jetzt steht angeblich die EDS wieder zum Verkauf - ein Sprecher dementiert dies kurz angebunden. Die GM, die sämtliche DV-Aktivitäten auf die 100prozentige Tochter übertragen hat, gibt damit ihren Versuch auf, die EDS in den Konzern zu integrieren.

Zwei Jahre nach der Übertragung der gesamten Konzern-DV an eine selbständige Servicegesellschaft, die EDS Corp., ändert die General Motors Corp. ihre Strategie. Die GM will sich von dem texanischen DV-Dienstleister, den sie 1984 für 2,5 Milliarden Dollar in Aktien übernommen hatte, wieder trennen. Der vielgepriesene "Sprung ins 21. Jahrhundert" ist damit vorerst abgebrochen. Die geheimen Verkaufsverhandlungen - sie liefen seit September - sind Teil einer Reorganisation, in deren Rahmen vor ein paar Wochen schon das ehrgeizige Kleinwagenprojekt "Saturn" radikal zusammengestrichen worden war.

Querelen ändern nichts an gegenseitiger Abhängigkeit

Einer der Hauptgründe für das Scheitern der Zusammenarbeit zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft ist amerikanischen Quellen zufolge der fortwährende Disput zwischen EDS-Chairman H. Ross Perot und GM-Chef Roger B. Smith. Perot, laut Wall Street Journal größter Aktionär von General Motors, soll sich erfolglos bemüht haben, dem Hauptauftraggeber GM, mit dem die EDS 74 Prozent ihres Umsatzes macht, Fixpreise für die Dienstleistungen abzutrotzen. Auch bei großen Einzelaufträgen konnten sich die Manager nicht über die Finanzen einigen: Während EDS die reinen Entwicklungskosten eines Automationssystems für ein Kleinlastwagenwerk auf 150 Millionen Dollar veranschlagte, meinte der GM-Vorstand, 30 Millionen müßten reichen.

Selbst bei dem unverhältnismäßig höheren Betrag sei kein Gewinn einkalkuliert, zitiert das Wall Street Journal einen Informanten aus dem Dunstkreis des GM-Managements. In diesem Zusammenhang wird Perot nachgesagt, er habe der GM-Führungsspitze vorgeworfen, sie sei zu bürokratisch und den auf sie zukommenden Aufgaben nicht gewachsen. Doch trotz der persönlichen Querelen zwischen den beiden Chairmen sind die Unternehmen aneinander gefesselt. EDS braucht die Einnahmen aus dem GM-Engagement, GM ist DV-seitig vollkommen abhängig von EDS. Deshalb wäre der Autokonzern auch nach einem Verkauf zwangsläufig größter Kunde.

Aufsehen erregte in den USA, daß ausgerechnet AT&T als Kaufinteressent aufgetreten ist. Denn während der vergangenen Monate war der Telecom-Gigant Gegenstand zahlreicher Spekulationen. So berichtete die amerikanische Wirtschaftspresse von einem Treffen der obersten AT&T-Chefs im September, auf dem beschlossen worden sei, sich stärker auf das eigentliche Geschäft des Unternehmens, die Kommunikationstechnik, zu konzentrieren und im DV-Bereich zurückzustecken. Doch zur selben Zeit liefen offenbar Verhandlungen mit General Motors über die Übernahme der DV-Tochter.

Scharfe Konkurrenz für den Kommunikationsgiganten

Einer der Hintergründe für das Interesse von Ma Bell: Die EDS plant derzeit ein Telecom-Netzwerk für GM, mit dem jährlich 400 Millionen Dollar umgesetzt werden sollen. Hier muß AT&T scharf mit der US Sprint, einer GTE-Tochter, konkurrieren. Eine Beteiligung am Generalunternehmer EDS hätte den Auftrag sichern helfen können. Außerdem verfügt das Detroiter DV-Haus über Know-how auf einigen Gebieten der Datenkommunikation, auf denen AT&T noch Lücken hat.

Der Finanzchef der AT&T, Robert Kavner,- räumte ein, daß er sich mit dem GM-Management an einen Tisch gesetzt habe, um die Möglichkeiten für eine Investition bei EDS zu erörtern. Sein Interesse sei aber gewesen, zu prüfen, inwieweit das Software- und Serviceunternehmen am Markt mit der AT&T zusammenarbeiten könne. Es sei dazu nicht Voraussetzung gewesen, Teile von EDS oder sogar gleich die gesamte Firma zu kaufen.

Auf die Idee, hundert Prozent der Gesellschaft zu kaufen, kam Kavner demnach erst während der Verhandlungen. Ursprünglich hatte EDS ein Modell angeboten, nach dem GM 25 Prozent behalten, 25 Prozent an AT&T verkaufen und 50 Prozent an freie Aktionäre übertragen sollte. Als General Motors vor zwei Jahren die EDS erworben hatte, hatte der Autokonzern seine Aktienkategorie "E" eingeführt; die früheren Teilhaber der EDS bekamen im Austausch GM-Aktien mit Anrecht auf eine Dividende, die vom Erfolg der EDS abhing. Nun sollte die Hälfte der Anteilsscheine zurückgetauscht werden.

Im Zuge der Diskussionen um eine Beteiligung an EDS machten sich die AT&T-Verhandlungsführer plötzlich anheischig, mit 80 Prozent einzusteigen. Daraufhin habe ihnen GM, so das Wall Street Journal, vorgeschlagen, gleich den ganzen Laden zu kaufen. Doch der geforderte Preis - zunächst sechs, dann fünf Milliarden Dollar - war den Repräsentanten des Telefonriesen zu hoch. Der neue AT&T-President James E. Olson gab angesichts hoher Verluste im DV-Geschäft kein grünes Licht. Eine Einigung kam daher nicht zustande.

Nach Bekanntwerden des Übernahme-Flops teilte GM lediglich mit, über einen Verkauf von EDS würden keine weiteren Diskussionen geführt. GM wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen. Insider bezweifeln allerdings, daß mit dem Abbruch der Gespräche auch die Verkaufspläne vom Tisch sind.